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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-01-24 · Heft 4 (24.1.1882) · p. Seite 60

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 4 (24.1.1882)
Date
1882-01-24
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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60 Ukas den Juden mittelst Plakaten anbefohlen, sich binnen kürzester Frist ins Innere des Landes (wenigstens fünf bis acht Meilen von der Grenze entfernt) zurückzuziehen. Bon dieser Maßregel sollen nur diejenigen Juden, deren Zuständigkeit in den Grenzortschaften schon seit längerer Zeit datirt, ausgenommen werden. Die Juden beschlossen, eine Deputation in dieser Angelegenheit nach Petersburg zu entsenden. Warschau, 10. Jan. Als einer der Hauptansührer bei den Excessen Men die Juden wurde der ehemalige russische Offizier Kudriawiew verhaftet. Bei demselben wurde eine Liste der zur Plünderung ausersehenen jüdischen Geschäftshäuser nebst anderen compromitttrenden Schriften gefunden. In Warschau wurde ferner am letzten Sonnabend in den drei Straßen Chmielney, Lesczynska und Ksiazenca Brandlegung versucht, jedoch rechtzeitig entdeckt. — Das Hilfscomit« hat vorläufig festgestellt, daß annähernd 2800 Familien der Unterstützung bedürfen, daß jedoch alle voraussichtlichen Beittäge kaum im Stande fein werden, ein Zehntel des angerichteten Schadens zu ersetzen. Für möglichst gerechte Vertheilung der Beiträge wird in jeder Weise Sorge getragen. Der Landeschef, General-Adjutant Albodynskij, hat einen Beitrag von 500 Rubeln eingesendet. Rumänien. Bukarest, 6. Jan. Seit einiger Zeit beginnt die Judenfrage neuerdings in akuter Form aüfzutreten. Die Agitation geht weder von der Opposition aus, welche bekanntlich den Juden alle erdenklichen Schwierigkeiten in Betreff der Erlangung der Naturalisation in den Weg gelegt und seit 1879 keinen Augenblick aufgehört hat, in ihren Organen den Judenhaß zu predigen. Bald wurde die Gründung von Vereinen zu dem Zwecke empfohlen, von den Juden Nichts zu kaufen, bald wurde die Regierung an geklagt, daß sie die Grenzen gegen die aus Rußland und Oesterreich-Ungarn einwandernden Juden nicht genügend absperre, bald wieder hieß es, man beabsichtige offenbar, aus Rumänien ein neues Palästina zu schaffen, indem man Art. 8 des Spirituosengesetzes, welches den Fremden den Detailverkauf der Spirituosen in den Dorfgemeinden verbietet, nicht zur Anwendung bringe. Das genügte aber für die Dauer nicht mehr und nun wird seit längerer Zeit in den Hauptorganen der Opposition eine förmliche Judenvertilgung nach dem in Odessa, Moskau und Warschau gegebenen Beispiele gepredigt, da die Regierung nichts thue, das Ueberhandnehmen des jüdischen Elementes zu verhindern, ja selbst die bestehenden Gesetze nicht zur Anwendung bringe. In Folge dessen hat sich die Regierung, um Exzessen, wie die jüngst in Rußland vorgekommenen, vorzubeugen, genöthigt gesehen, einerseits militärische Schutzmaßregeln in der Provinz zu treffen, und andererseits verschärfte Verordnungen an die/Präfetten abgehen zll lassen, wodurch die strenge Anwendung der betreffenden Gesetze anempfohlen wird. Um den Schürern alle Vorwände zu Ausschreitungen vollends zu benehmen, wurden sogar die kleineren Städtchen zu Ruralgemeinden erklärt und das Verbot des Ausschankes von Spirituosen für Fremde auch auf diese ausgedehnt. („Fremde" d. h. Juden. Die' Regierung benutzt die Wühlereien der Opposition, um — in väterlicher Fürsorge — die Juden noch mehr zu beschränken und auszuschließen! Red.) Bonn, 15. Januar. (Notizen). Man schreibt der „Rostocker Ztg." aus Fürstenberg in Mecklenburg vom 6. Januar: „Unsere Stadt hat einen sehr schweren und herben Verlust erlitten, indem .der Tod ganz plötzlich und Alle aufs Schmerzlichste überraschend uns unseren innigst verehrten und allgemein beliebten Arzt vr. I. Götz entrissen, der in vollster Rüstigkeit und Thatkraft mit unermüdlicher Ausdauer und nie ermattender hülfsbereiter Hingebung mit dem klaren und scharfen Blicke und dem reichen Schatze seines umfassenden Wissens für unsere Stadt und' die gesammte Umgegend ca. 40 Jahre ungemein .segensreich gewirkt hat. Die Lücke, wird schwer oder kaum auszufüllen sein, war doch der uns plötzlich Entrissene nicht nur ein ausgezeichneter, kenntniß- und erfahrungsreicher Arzt, sondern ein Menschenfreund im vollsten Sinne des Wortes, der auch außer seinem ärztlichen Berufe Gutes und Edles anzuregen und zu fördern und jedem gemeinnützigen Zweck seine bedeutenden Kräfte zu widmen immer bereit war, — ein edler Mensch, hülfreich und gut, unermüdet schaffend das Nützliche, Rechte." — Herr Dr. Götz bethätigte auch stets stin warmes Interesse für seine Religion und alle dieselbe betreffenden Angelegenheiten. — Aus Stockholm schreibt man uns vom 8. Januar:' Bei der heutigen Wahl eines.neuen Rabbiners wurde Herr vr Rosenzweig- Rabbiner h Teplitz, mit 80 gegen 10 Stimmen gewählt. Die letztere« fielen auf seinen Gegencandidaten. " , Bonn, 15. Jan. (Kunstnotiz.) Durch du Freundlichkeit eines namhaften Künstlers auf dem Violoncell hatten wir jüngst den hohen Genuß das Elohenu von Gernsheim (Israelit), nach, einer Wiener Synagogal-Melodir componirt) und das bereits an mehreren Orten aufgeführte Col- Nidre, Adagio von Max Bruch, zu hören. In beiden Compositionen ist der Charakter der betreffender synagogalen Melodien auf das ergreifendste und auf /eine der ursprünglichen Fassung gemäßeste Weise zum Ausdruck gebracht. Das Col-Nidre besteht aus zwe:' Theilen , von welchen der erstere den Seelenzustand dss Zerknirschung und der Demüthigung der Seele vor dem göttlichen Richter mit großer Innigkeit wiedergiebt, währen) der zweite die Beruhigung und Versöhnung erhebend abpiegelt. Allerdings scheint es uns erforderlich, daß auch die msführenden Künst-

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