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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-01-24 · Heft 4 (24.1.1882) · p. Seite 58

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 4 (24.1.1882)
Date
1882-01-24
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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brauchen können, und doch von studentischer Seite es, nahe lag, von dem verbleibenden ^Curatorium eine solche Vermittelung zu erwarten. Diese Auffassung wurde , nicht von sämmtlichen Mitgliedern des Cüratoriums getheilt; darin aber sind die ansgeschiedenen wie die verbleibenden einverstanden, daß die Organisation der Lesehalle unter dem Druck der jetzt bestehenden Verhetzungen einer eingreifenden Reform bedarf, und . daß diese Reform nur von dem akademischen Senat beschlossen resp. beantragt werden kann. Wir kniipfen hieran eine Zuschrift, die uns „aus der Studentenschaft" zugeht: „Endlich, am Mittwoch, den 11., soll der Streit, der sich unter der Studentenschaft um das Direktorium der akademischen Lesehalle erhoben hat, zum Austrag gebracht werden, soll entschieden werden, ob die Lesehalle eine Bildungsstätte sein soll für die Jünger der Wissenschaft, die unparteiisch in der Lectüre der verschiedensten Parteiorgane sich die politische Reife zu erwerben streben, oder nur ein Sammelpunkt für die, welche einseitigen politischen Anschauungen huldigen. Sache eines jeden Studenten, der für freie unbeschränkte. Ausbildung seiner Anschauungen sich begeistert, ist es daher, in die Lesehalle einzutreten und am Mittwoch den 11., 2 Uhr Nachmittags, in der Tonhalle zu erscheinen und durch Abgabe feiner Stimme für das Zustandekommen eines Direktoriums zu wirken, von dem man strenge Unparteilichkeit erwarten darf. Berlin, 13. Januar. — Die zum 11. d. anberaumt gewesene Generalversammlung der akademischen Lesehalle'begann Nachmittags um 2 Uhr in der Tonhalle. Dem provisorischen Direktorium wurde zunächst auf seinen Antrag Decharge für die Kassenführung mit 418 gegen 396 Stimmen ertheilt. In der darauf folgenden Abstimmung über Dechargeertheilung für die Leitung der Geschäfte gestaltete sich das Stimmenverhältniß für (die sich „deutsch" nennende) Partei, welcher an einer Mißtrauenserklärung für das Direktorium gelegen war, noch ungünstiger, indem die Decharge mit 427 gegen 370 Stimmen bewilligt wurde. Als dieses der Minorität abermals unbequeme Resultat, etwa um 6*/2 Uhr, von dem Vorsitzenden verkündet worden wrr, erhob sich, wie auf Verabredung, ein derartiger Lärm, daß der anwesende Polizeikommissar die Versammlung auflöste. — Die Ultramontanen haben bekanntlich behauptet, daß die Juden die Anstifter und die Träger des Kulturkampfes gewesen seien. Es war dies eine tendenziöse Erfindung, der gegenüber wir doch bemerken wollen, daß bei der gestrigen Abstimmung des deutsches Reichstages über den Antrag Windteorst wegen Aufhebung des Gesetzes vom 4. Mai 1874, welches die Jnternirung und Expatriirung katholischer Geistlichen wegen widergesetzlicher Ausübung ihres Amtes gewährt, alle Abgeordneten jüdischer Religion für die Aufhebung stimmten, mit Aushnahm des vr, Bamberger, der sich der Abstimmung enthielt. Bonn, 12. Januar. (Privatmitth.) Mit aufrichtigem, Danke haben wir dem Berichte in Nr. 2. hinzuzufügen, daß auch von der Synagogengemeinde C ob lenz eine schön ausgeführte Adresse'und von unseren Collegen auch von den Herren Rabbiner Landsberg in Darmstadt, Kohut in Fünfkirchen, Ehrenreich in Turin, Wolffssohn in Trencsen (Ungarn) und vr. Jonas in Hamburg warme Glückwunschschreiben eingelausen sind. Wir bedauern, daß in Nr. 2 der Name unsres trefflichen Collegen S. Sznnto, des Redakteurs der „Neuzeit", unrichtig wiedergegeben worden. Wir danken demselben noch ganz besonders für seinen ausgezeichneten Artikel in Nr. 52. der „Neuzeit", sowie wir uns auch für den Artikel in Nr. 47 des dankbar verpflichtet fühlen. Möge die Eintracht innerhalb unsrer Glaubens-Genossenschaft und ihrer Führer.immer mehr sich kräftigen und selbst bei abweichenden Meinungen bewahrt bleiben. Hamburg, im Januar. (Privatmitth.) Am 7. Januar wurde hier ein Jubiläum gefeiert, das gewiß auch in weiteren Kreisen ein Interesse finden wird. An diesem Tage waren 50 Jahre verflossen, seitdem der jetzige Director der hiesigen Stadt-Bibliothek, Di. Meyer Jsler, .der Sohn eines jüdischen Lehrers, seine dienstliche Stellung an dem genannten Institute angetreten. Der Geist, der bei dieser Feftr herrschte, hatte etwas besonders Wohlthuendes für uns in'dieser Zeit, die uns so manche trübselige Erscheinung geboten. Aber gerade, was wir hier wahrnahmen, war uns eine neue Bestätigung der Ansicht, daß jene antisemitische Agitation, die von Berlin ausgegangen, nur ein künstliches Product sei. Es leben hier verhältnißmäßig mehr Juden, als in der Reichshauptstadt, und wir können nicht annehmen, daß die hiesige jüdische oder christliche Bevölkerung von der Berlins grundver« schieden sei. Unser-patriotischer Sinn gebietet uns, überhaupt dagegen zu protestiren, daß jene inhumane Gesinnung, die hier und in kleinen Kreisen mit vielem Lärm hervorgetreten , dem deutschen Volke angeheftet werde. Hier, wie gesagt, hat sich nichts von dem häßlichen Auswüchse der Bornirtheit und Bosheit während der letzten Jahre öffentlich gezeigt. Ja, die Feier, von der wir berichten wollen, war ein Zeugniß einer ganz entgegengesetzten Gesinnung. Schon der Umstand, daß der Jubilar vor'50 Jahren, noch nicht 25 Jahre alt, nachdem er kurz zuvor in Berlin promovirt, das, wenn auch damals noch sehr bescheidene Amt erhielt, beweist, wie unser Senat zu jener Zeit, in seiner humanen Denkweise, über das in Geltung stehende öffentliche Recht hinausging. Nach diesem hätte vr. Jsler, als Jüde, überhaupt keine Anstellung im Staatsdienste damals finden können. Er hat sie, trotz laut gewordenen Widerspruches, gefunden und ehren-

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