Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1882)
- Date
- 1882-01-17
- Page
- Seite 42 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Württemberg, im Jan. (Privätmitth.) Der in dieser Woche veröffentlichte Jahresbericht des „Vereins, für -Unterstützung von Wittwen und^Waisen armer Israel. Lehrer und Vorsänger Württembergs" pro 1. Nov. 1880/81 constatirt eine erfreuliche Entwicklung des Vereins, der jetzt 20 Jahre unter der Leitung des Herrn' Oberlehrers Liebmann in Stuttgart segensreich wirkt. Unter den Einnahmen notiren. wir Mitgliederbeiträge 104 Mk., Beiträge und Spenden von Gemeinden 1498'Mk., von Ihrer Maj. der Königin Olga 45 Mk., vom Gemeindebund 20 Mk., Capitalzinsem 994 Mk., Stiftungen 471 Mk. Diese reichen Unterstützungen ermöglichten, wieder 970 Mk. an Wittwen und Waisen verabreichen und überdies noch das Vermögen um 1594 Mk. vergrößern zu können, und beträgt dieses jetzt 21030 Mk. Aus Gemeindecassen fließen dem Verein jährliche Beiträge zu aus Stuttgart, Heilbronn, Cannstatt, Göppingen und Ulm, und fließen besonders aus den zwei erstgenannten Gemeinden dem Verein namhafte Spenden zu. Die Zahl der Mitglieder beträgt 52. Oesterreich-Ungarn. Trenesen, (Ungarn). 1. Januar. (Privätmitth.) Zur selben Stunde, als in unserm Tempel die Erinnerung an die Makkabäer, diese Helden aus der Vorzeit, feierlichst begangen wurde, entrollte sich auf dem hiesigen Exercirplatze ein kriegerisch friedliches Bild. Die ganze Garnison,Honved und Linie, sämmtliche! Offiziere en pleine parade, waren hier versammelt. Vor der Kolonne stand Feldwebel W. Fleischhacker, ein Makkabäerheld der Gegenwart, dessen tapfere Brust bereits 12 Orden schmücken. - Diesem nun hielt der Regimentscommandeur eine würdige Ansprache, worin er den Anwesenden mittheilte, daß ihr Feldwebel heut eine 40 jährige musterhafte Dienstzeit hinter sich habe, während welcher er die Schlachten 48, 59, 64, 66 mitgemacht, in einer derselben, mit Gefahr des eigenen, seinem Generalmajor das Leben gerettet, 66 als Fahnenträger glänzend sich bewährt habe, indem er die ihm Anvertraute, vom Feinde ihm aus der Hand geschossen, blitzschnell wieder aufnahm und neuerdings den Seinen vorantrug. — Heut flatterte sie ihm zu Ehren über seinem Haupte. — Darauf deeorirte der Oberst - den Jubilar mit dem silbernen Kronenorden, und beglückwünschten er wie sämmtliche Offiziere ihn auf's Herzlichste, während dem Gefeierten die hellen Thränen über die Wangen liefen. — Weshalb weinte er? Rührte ihn die ' wohlverdiente Auszeichnung, oder gedachte er der vielen tapfern Israeliten, die ihr Blut bereits sür's Vaterland verspritzt, ohne damit die boshaften Behauptungen hinweg zu spülen, die den Juden feig und ~ ehrlos nennen? Feldwebel F. ging's jedenfalls besser; von den Vorgesetzten beglückwünscht, den Kameraden umringt, endeteder Tag mit solennem Festmahle, durch Erstere veranstaltet. Jsabella.Wolffsohn. Bon der' Donau, 2. Jan.-, (Privätmitth.) 'In der. von dem „Messager de Vienne" herausgegebenen illustxirten Extra-Nummer schreibt Victor Hugo über den Theaterbrand in Wien: „Der Wiener Brand ist eine Katastropheohne menschliche Ursache. Das greift über die Menschen hinaus. Möge diesem schrecklichen Mysterium wenigstens eine Erhöhung der menschlichen Brüderlichkeit entspringen. Mögen die Menschen sich als Brüder fühlen und sich als solche erweisen. " Aus diesen Worten athmet doch ein ganz anderer Geist, als aus den widerlichen Expectorationen der judenfeindlichen „Schwyzer Ztg.", sie enthalten mehr wahre Religion als der Leitartikel des „Mainzer Israelit", welcher, ganz wie die „Schwyzer Ztg.", in der Wiener Katastrophe ein Strafgericht Gottes erblickt. Das giebt dieses orthodoxe Blatt für Judenthum aus! Wenn doch dieser „Mainzer Israelit" lieber: ehrlich wäre und sich auch in seinen theuer bezahlten Inseraten als das ausgäbe, was er ist, als das Organ für das' orthodoxe- Judenthum. Um rr.nsn njn 21.^ t.ck kümmert sich der so fromm thuende Herr Lehmann nicht; der Zweck heiligt .die Mittel, das ist fein Grundsatz. Diese Orthodoxie schreckt vor einem Chillul Haschem gerade nicht zurück, das zeigen neuerdings die. Orthodoxen in Miskolcz. - ' In Miskolcz hat sich vor einigen Jahren eine hyperorthodoxe Fraktion von der dortigen Hauptgemeinde losgetrennt und sich Sefardgemeinde genannt. Um eine Synagoge, ein rituelles Frauenbad und auch eine Volksschule zu bauen, veranstaltete sie eine Wohlthätigkeitslotterie, zu der das Finanzministerium auch die Concession ertheilte. Es sollten 50,000 Stück Ein-Gulden-Loose emittirt und deren Reinerträgniß zu dem Baue verwendet werden. Die betreffende Gemeinde hatte nun den-größten Theil dieser Loose in Umlauf gesetzt, den Bau der Synagoge und des Bades' in Angriff genommen; mit der Volksschule hakte eskeine Eile. Am 1. Mai 1881; hätte die Ziehung der Loose, deren Gewinnste mit 10,000 fl. beziffert wurden, stattfinden sollen; nun ist jedoch bis heute von der Ziehung keine Rede, dagegen kommen täglich Anfragen und Beschwerden aus allen Gegenden des Landes und. der Monarchie, das Publikum dringt auf Rückzahlung, die meisten der Loosbesitzer drohen mit der Strafanzeige. —- Auf die Baulichkeiten wurden bis heute seitens der erschrockenen Gläubiger 23,000 st. pränotirt; sämmtliche Industriellen, die ihre Arbeiten abgeliefert, sind unbezahlt. - Staatssekretär Pronay hat den Bürgermeister angewiesen, eine genaue Revision des Gemeindevermögens vorzunehmen. — Das Resultat dieser Revision ist ein sehr ungünstiges; das Geld für die veräußerten Loose ist nicht vorhanden, viele Hunderte Loose sind angeblich vernichtet worden! Das dupirte Publikum erwartet eine rechtzeitige/ energische und strenge