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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-01-17 · Heft 3 (17.1.1882) · p. Seite 41

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 3 (17.1.1882)
Date
1882-01-17
Page
Seite 41 (sequence 9)
Language
German
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Dr. Förster mir zum Vorwurf macht, so meine - ich, daß l beide Herren; Doctoren; sich solidarisch erachten mußten.; Wer * von ihnen die Ohrfeige erhielte hing doch vom puren Zufall ab; zugedacht war sie Beiden. Das zum Abdruck gebrachte Schreiben^ des Angeklagtenenthielt, in der Form nichts Anstößiges, und es kann - dessen Absicht, zu beleidigen, nirgends gefolgert werden. Ich beantrage daher Aufhebung des ersten Urtheils und Freisprechung des Angekl., ev. eine niedrig zu bemessende Geldstrafe. — Staatsanwalt v. Saucken: Da die thatsächlichen' Momente unangefochten sind, beschränke ich mich; auf die Erörterung der Rechtsfragen. Der Auffassung des Bertheidigers, daß die dem> Dr. Jungfer applicirte Ohrfeige für compensirt zu erachten ist, kann ich nicht beitreten, und hat der erste Richter die Compensation mit Recht ausgeschlossen. Die; Ohrfeige. ist jedenfalls ein Plus zu Un-- gunsten des Angeklagten. Mit der- Ohrfeige hat der Angeklagte sich, eine größere Ausschreitung erlaubt, als nach Lage der. Sache gerechtfertigt war. Bei der Strafabmessung nehme ich keinen Anstand, zu erklären, daß ich mich betreffs des Verhaltens; der Zeugen der Auffassung des Angeklagten und des Professors Dillmann anschließe. Dasselbe war in wenig: qualificirbarer.Weise; provoeirend und ist nicht geeignet, Anstand -und gute Sitte zu fördern. Diesem Umstande hat aber der erste Richter genügend-Rechnung getragen, -weshalb ich die arbitrirte Strafe von 1 Woche Gefängniß für angemessen erachte. In Volkskreisen , auch in den Kreisen , in denen sich-die handelnden Personen bewegen, gilt eine Ohrfeige als; eine schwerere Beleidigung, als eine wörtliche. Auch -bezüglich des -letzten Anklagepunktes stimme ich mit dem ersten Richter vollkommen überein, weshalb ich Verwerfung der Berufung; beantrage. — In der Replik hat R.-A. Munckel den Gerichtshof, welcher zum ersten Male in die Lage komme, zu einer riesengroß gewordenen Unsitte Stellung zu nehmen, durch gänzliche Freisprechung' seinesMienten zu bezeugen, daß er auf dem Boden seiner Anschauung von Sitte und Anstand stehe. Der Gerichtshof erkanntedaß das erste Urtheil insoweit aufzüheben, als der Angeklagte wegen Beleidigung des vr. Förster verurtheilt ist, daß im Uebrigen dagegen das erste Urtheil mit der Maßgabe zu bestätigen ist, daß die Strafe; auf- 100 Mark ev. 10 Tage Gefängniß herabzusetzen ist. Der Gerichtshof trat bezüglich des dritten Anklagepunktes der Auffassung des Bertheidigers bei und nahm Wahrnehmung berechtigter Interessen an. Die Ohrfeige erachtete der Gerichtshof als eine 'zu weitgehende Ausschreitung, welche aber nach Lage der Sache mit einer Geldstrafe hinreichend gesühnt ist. Jedenfalls erscheint durch dieses zweite Erkenntnis. Kantorowicz — mit Ausnahme der Ohrfeige, die er Dr. Junser gab — in seinem Verfahren gerechtfertigt. Möge hiermit der ganze Berliner Antisemitismus begraben sein! — Nach dem Bericht des evangelischen Oberkirchen-. raths über das Jahr 1880 sind im genannten Jahre 2070 zur evangelischen Kirche übergetreten, darunter 120 Juden, „dagegen, wie der Bericht sagt, ist in 16 Fällen der Uebertritt evange-; lischer, Christen zum Judenthum zu beklagen". Wenn wir. nun unsererseits es beklagen, daß sich 120 Personen fanden, - die ihrer väterlichen Religion -abtrünnig wurden, so ,, beklagen^" wir es doch nicht als Juden, denn was für Juden waren dies! Berlin, 6. Januar. Gestern fand die erste Stadtverordneten-Bersammlung im neuen Jahre statt, und hatte des-. , halb nach, der Geschäftsordnung; ihren Vorstand neu zu wählen. Im ersten Wahlgange wurden 113 Stimmen abgegeben, von den 95 auf Dr. Straßmann fielen. Stadtv. Dr. Straßmann ist daher für das laufende Geschäftsjahr zum Vorsteher der Versammlung wiedergewählt und nimmt die Wahl mit folgenden Worten an: „Meine Herren! Sie haben mir die große Ehre erwiesen, mir aufs Neue den Vorsitz dieser Versammlung zu übertragen. Ich nehme die Wahl an und danke Ihnen herzlich und aufrichtig, daß Sie durch Ihre Wahl und die Zustimmung zu den freundlichen Worten des verehrten Kollegen Ebeling mich aufs Neue Ihres fortdauernden Vertrauens versichert haben. Ich habe das Bewußtsein, daß es mir an gutem Willen nicht fehlt, aber ich weiß, daß, um aller Schwierigkeiten Herr; zu werden, dieser gute Wille getragen seinmuß durch Ihr, freundliches Wohlwollen und Ihre allseitige - Unterstützung. Ich habe bisjetzt in all den Jahren auf allen Seiten der Versammlung so viel. Rücksicht und Entgegenkommen gefunden, daß ich mit Freuden, diese Arbeitslast übernommen habe und bitte Sie, daß.Sie mir auch fernerhin dieselbe freundliche Gesinnung bewahren. Ich danke herzlich!" (Bravo!) Man sieht, daß die antisemiti chen Wühlereien keinen Erfolg gehabt haben! Paderborn, 6. Januar. (Privatmitth.) Die hiesige „Jsr. Waisen -Erziehungs - Anstalt für Knaben und. Mädchen aus Westfalen und Rheinland hat ihren 22. Jahresbericht ausgegeben. Derselbe bekundet einen günstigen Fortgang der Anstalt, die jetzt' 47- Kinder (33 Knaben und 14 Mädchen) erhält und erzieht. Der Wohlthätigkeitssinn wendet sich ihr in erfreulicher Weise zu, so daß sie im verflossenen Anstaltsjahre 33,141 M. vereinnahmte und 32,502 M. verausgabte,! worunter 9613 M. für neuangekaufte Werthpapiere und ver- Izinsliche Anlage. Eine hervorragende Stelle - nimmt die Stiftung; von Jahrzeiten ein, die im verflossenen Jahre 14,850 M. eintrug. Die besonderen. Gaben und Collektengelder beliefen sich auf 8297 M. und die Zinsen bereits auf 5051 M. Die Werthpapiere der-Anstalt haben bereits 'nominell die Höhe von 134,953 M. erreicht, außer dem schönen Grundbesitz, der Eigenthum der Anstalt ist. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß die Anstalt unter der be- | währten Leitung der Vorsteherin und des Curatoriums auch .fernerhin den gedeihlichsten Fortgang nehmen werde.

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