Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1882)
- Date
- 1882-01-17
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
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Bern. In' diesem Punkte ist unser Volk durch und -durch hebraisirt und wenn manwill semitisirt." „In noch weit höherem Maße aber ist dies mit den Völkern der Fall, welche, den Islam angenommen haben. Für den Muhamedaner ist Abraham Muhamedaner vor Muhamed, durch seinen Erstgeborenen und wahren Erben Jsmael - der Stammvater des Volkes der Offenbarung, für ihn. sind alle religiösen Gestalten des alten Israel. muhamedanische Heilige." - ' . „Israels Bedeutung für die Menschheitsgeschichte - und damit unser Interesse an seiner eigenen liegt also darin, daßes auf dem Gebiete der Religion führend aufgetretenist., In Israel ist die Religion überhaupt entstanden, oder wie man sich meist auszudrücken beliebt, der Monotheismus." . Mit dieser allgemeinen Anschauung des Verf. wird man einverstanden sein. Anders wird es,'sobald er in das Materielle des Gegenstandes eingeht. - Deutschland. V Bonn, 5. Januar. (Privatmitth.) Unter den Ehrenbezeugungen, welche dem Redakteur dieser Zeitung zur Vollendung seines siebzigsten Lebensjahres -wurden, nimmt den vordersten Platz der. Beschluß des Ausschussesdes Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes ein, „dem vom demselben verwalteten Beamten - Pensionsfond den Namen „Philippson- Stiftung" zu verleihen". Diese Stiftung besteht gegenwärtig aus einem von Jacob Plaut und Jacob Nachodim Jahre 187 5 gespendeten Kapital von 4500 M. und dem - Ertrage der bei Anlaß der Jubelfeier 1879 veranstalteten Sammlung von 1902 M. 55. Außerdem übergab Herr Jacob Nachod zu Ehren des gedachten Geburtstages dieser. Stiftung ein Kapital von 1000 M., sowie an einem der folgenden Tage die durch ihn erwirkte Vermehrung' des Kapitals um abermals 10C0 M. Der Ausschuß überlies dem vr. Philippson, das . Statut dieser Beamten-Pensionskasse auszuarbeiten und sich darüber mit Herrn Jacob Nachod zu verständigen. Sobald dies geschehen, - wird das Statut veröffentlicht werden und ein weiterer Aufruf erfolgen, um den edlen Zwecken dieser Stiftung durch Beiträge und Schenkungen größere Mittel zuzuführen. In der That kann wohl Wohlthätigkeit und Menschenfreundlichkeit keine bessere Bethätigung finden, als hülfsbedürftigen Lehrern der Jugend und Funktionären der Gemeinden Beistand und Unterstützung bei Un-?fällen, Krankheiten und in sonstiger Weise zu gewähren. Bonn, 6. Januar. (Privatmitth.) vr. A. Wahrmund in Wien hat in der „Beilage zur Allgemeinen Zeitung" vom 21. Dez. v. I. eine Replik auf-unsere „Entgegnung" gegeben. Dieselbe fallt aber, wenn auch wider den Willen des Autors, ganz zu unseren Gunsten aus, da er auch, nicht ein einziges unserer Argumente zu widerlegen versucht, sondern auf ein Buch verweist, das er erscheinen lassen werde. Ob. wir uns, wenn dies erschienen sein wird, mit demselben beschäftigen werden, ist fraglich. Denn ein anderes ist es, sich eine, aller Begründung entbehrende Auslassung in einem weit-¬ verbreiteten Blatte, wie die „A. A: Z.", gefallen zu lassen, oder in-'einem Buche, welches vielleicht aus der Obseurität eines kleinen Leserkreises nicht herauskommt, vr. -W. berufl sich auch auf ein Buch Eduard v. Hartmanns,' dessen An-, sichten aufunserem Gebiete wir schon oft genug zurückgewiesen haben. Berlin, 3. Januar. (Privatmitth.) Die Befürchtungen, die man, in Erinnerung -an die vorjährige -Neujahrsnacht, hegte, sind glücklicher Weife nicht in Erfüllung gegangen.- Die antisemitischen Blätter, soweit sie überhaüpt noch bestehen, haben nicht das .Geringste zu berichten, was - an Antisemitismus erinnerte. Die Bevölkerung war massenhaft auf den' Straßen; aber nirgends fiel ein Tumult vor, und wenn einige Schreierden Versuch machten, die Juden zu provozirenso wurden sie alsbald von der Schutzmannschaft zum Schweigen gebracht. Man kann also mit Befriedigung sagen, daß der Berliner Antisemitismus so gut wie verschwunden ist, und in-der Bevölkerung auch nicht die geringste Wurzel hat. Die künstlich angefachte Stimmung gegen die Juden hat sich verloren, und da auf diese Weise die antisemitischen Agita^ toren keinen Boden mehr haben, müssen sie ihr Geschäft aufgeben. Diejenigen, welche den Antisemitismus für eine augenblickliche Krankheit hielten, glauben sich berechtigt, eine vollständige Genesung vorauszusetzen. . Wir - dürfen aber nicht so verblendet sein, dies als', ganz sicher anzunehmen. Es hat. sich gezeigt, vaß unter der Oberfläche noch überaus viel Vorurtheil gegen uns, noch eine starke Neigung, uns zu isoliren und dann alle möglichen. Uebelstände auf uns zurückzuführen, vorhanden ist. DieseUeberzeugung' muß - uns insofern im Bewußtsein 'bleiben, daß' wir eifrig uns bestreben, diejenigen Momente zu beseitigen-oder doch zu vermindern, an denen sich der Haß unserer Gegner hält, um die Anklagen zu erheben. Dazu gehört vorzüglich, daß alle diejenigen, welche auf die unbemitteltere^ Klassen einen Einfluß .üben, wie z. B. besonders. die - Lehrer, mit aller Kraft und Ausdauer darauf hinwirken, die aufwachsende Jugend mehr zu dem Handwerken und gewerblichen Arbeiten