Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-01-10 · Heft 2 (10.1.1882) · p. Seite 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 2 (10.1.1882)
Date
1882-01-10
Page
Seite 30 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227393-3227396--39572-3257161
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Herrin festgeLunden worden; diese wußte von diesem Vorfälle nichts. » - * Schließlich, wenn die Leiden Frauen von den.Dieben gebunden worden wären, 'wer hatte denn ihre Banden gelöst und sie in Freiheit gesetzt?. . Weder der Amtmann, noch der Oberrath hatten diese Fragen aufgestellt. „Man findet nur zu. viele solche Menschensagt Des Essarts *), die aus religiösem Fanatismus sich kein Gewissen und keine Sorge daraus machen, auf vom Gesetze verbotenen Wegen an dem Ruin und selbst an dem Tode eines fälschlich angeklagten Juden mitzuhelfen. (S. 166.) - - Die Einbildung des Volkes hilft dann und so. findet man noch einige Belastungszeugen. " ■ Eine Frau aus Wedelsheim, Namens Marie Keller,, die früher einmal wegen Diebstahls von dem Saverner Tribunal verurtheilt wurde, mit glühenden Eisen gezeichnet zu werden, so wie zu fünf Jahren Verbannung, behauptete, daß die Frau von Menke ihr Geld versprochen hätte, wenn sie bezeugen wollte, daß sie Menke in Wedelsheim 11 Vhr Abends in der Nacht vom 25. zum 26. Kislev (9. zum 10. Dezember) gesehen habe. Das wäre nicht unmöglich, denn dieses so erbetene. Zeugniß wäre, wie wir weiterhin sehen werden, mit der Wirklichkeit übereinstimmend gewesen. Ein gewisser Peter Bayer aus Ribeauville, der ebenfalls am 12. September von dem Oberrathe' zu fünf Jahren Verbannung verurtheilt gewesen, erklärte, daß er am Dienstag, den 10. Dezember zwischen fünf und sechs Uhr Morgens zwischen Ribeauville und Ostheim einem Manne begegnet sei, dem er Guten Tag! gesagt, der ihm geantwortet und an dessen Stimme er -Lang zu erkennen geglaubt. Ein Portier, aus der Stadt Ribeauville sagte aus, er habe Lang am 9. Dezember um 10 Uhr Morgens aus der Stadt 'gehen sehen, aber nicht wieder hereinkommen. Schließlich sagten zwei Bauern, welche am Morgen . des 10. Dezember von dem Vorsteher von Hauzen nach Colmar geschickt worden, um die Gensdarmerie zu benachrichtigen, sie seien auf dem Wege von Schoppenwühr zweien Menschen b egegnet, die sich bei ihrer Annäherung entfernten. Sie behaupteten, sie hätten in diesen beiden Personen .Hirtzel und Menke (trotz der. Dunkelheit dieser frühen Morgenstunde) erkannt.' Ein dritter Bauer von Hauzen sagtedaß er Hirtzel, um 4 Uhr Nachmittags am 9. Dezember in Hauzen gesehen habe. ' Dies sind in Wirklichkeit nur Details ohne Wichtigkeit, die ganz vor dem Beweise des Alibi verschwunden wären, welches-die drei Angeklagten sich erboten, zu liefern, i) Des Essarts gab. 1785 eine . „Auswahl neuer berühmter Prozesse^ in Paris heraus, in welcher auch der obige Prozeß mitgetheilt wird. und das-nicht den geringsten Zweifel über-ihre Unschuld hätte lassen können. 4 - . Bei Allem, was folgt, muß man immer daran denken, daß das Verbrechen in der Nacht vom 9. zum 10. Dezember, . zwischen 11 Uhr und Mitternacht, begangen worden.-. Nun, Menke L6vi, der Schächter von Wedelsheim, er-' Lot sich zu; beweisen, daß er in derselben/ Nacht zwei ■ Ziegen auf der Straße in Wedelsheim um 9 Uhr Abends geschachtet habe; daß die Frau von Anton Heizer und eine andere christliche Nachbarin gegenwärtig gewesen und daß diese Letzter» sogar das Blut der.'Ziegen aufgefangen hätte; * auch waren gegenwärtig Dominique Persaburger und ' Peter Peterli, der Vorsteher von Wedelsheim; dann habe er eine Kuh in seinem eigenen Hause geschächtet; um 11 Uhr Abends hätten ihn zwei Juden besucht, Judel und R. - Joseph, der Chasan. Ersterer war gekommen, um bei ihm einen Thaler zu wechseln; schließlich sei. er am Morgen des 10. Dezembers, um sechs Uhr Morgens, von der. Frau des Rathes Freiburger und von zwei anderen christlichen.Frauen gesehen worden,'während er die Kuh verkaufte, die er am Tage vorher getödtet. Wedelsheim liegt drei gute Stunden von 'Hauzen; wenn also Menke um zehn und um eilf Uhr Abends in Wedels- ~ heim gewesen, so war es unmöglich, daß er um eilf Uhr Abends, der Stunde des Verbrechens,- in. Hauzen gewesen; r wenn er in Wedelsheim um sechs Uhr Morgens gewesen,; konnte man ihm zwischen vier und fünf Uhr Morgens nicht auf dem Wege von Colmar begegnen. Die Beweise des Alibi von Moses Lang aus Ribeauville waren nicht minder entscheidend. Am 9. Dezember hatte er in Ribeauville an einen Schweizer Wein verkauft und der Rath Gangenwolff hatte ihm das Geld dafür um 5 Uhr Abends bezahlt. Um dieselbe Stunde wurde er in Ribeauville von Christian Ulrich, Procurator, und dem Sohn von Christian gesehen. Um sechs Uhr Abends war die Tochter der Wittwe Christophe Hermbach zu ihm gekommen, um Hanf zu kaufen . und war bis sieben bei ihm geblieben. Bon sieben bis acht Uhr hatte er Abendbrot gegessen. '' Um acht. Uhr war er in das Haus von R. Simon Weil gegangen, wo sich mehrere Leute zu Ehren des' Chanukah- Festes versammelt hatten und wo er bis 11 Uhr geblieben war. Unter den Leuten, die ihn in diesem Hause gesehen. > hatten, nannte er R. Zaeckele Mutzig, R. Zalman Speier, Abraham , Sohn, des R. Lizmann Bergheim , R. Gerson Coblentz. Nach eilf Uhr war er, als er nach Haus ging, auf der Straße noch Diebold Heß, dem Nachtwächter.und dessen. Frau begegnet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.