Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1882)
- Date
- 1882-01-10
- Page
- Seite 29 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Jeuille ton. Amsterdam, 29. Dezember. Entgegnung auf den Artikel „Ludwig Sarnay und Artet Äcosta im Gran)-Theater;» Amsterdam", in Ar. 58. des vor. Zahrg. Unter obigem Titel bringt diese Zeitung einen Aufsatz über die Aufführung von Gutzkow's Uriel Acosta in Amsterdam, der leider viele Jrrthümer enthält; im Interesse, der Wahrheit bitte ich nun, folgenden Berichtigungen einen Platz zu gönnen. Unrichtig istschon die Behauptung des Vers, jenes Artikels, daß dies Trauerspielseit 30 'Jahren hier nicht mehr aufgeführt wurde, und zwar aus Rücksicht für die Mitglieder einer höchst angesehenen Familie, welche mit dem; Helden der Titelrolle aus einem Geschlechts entsprossen sind. — Früher vermied man überhaupt gern, hier Stücke aufzuführen, durch welche irgend/ein zartfühlendes religiöses Gemüth im entferntesten verletzt werden könnte, nicht aus beschränkter Engherzigkeit, sondern aus Achtung für jede religiöse Ueberzeugung, und dies mit Recht in unserem lieben Vaterlande, in welchem unbeschränkte Freiheit und Gleichheit für alle Bürger' ohne Rücksicht auf.. religiöses Bekenntniß herrscht. -Jetzt, , nach einem so langen friedlichen Zusammenleben aller Parteien, haben auch diese Bedenklichkeiten aufgehört. Dieses. Stück wurde aber noch im Jahre 1867 aufgeführt, wie "es' vielen, erinnerlich ist. Der Verf. erwähnt ferner, daß das Archiv der Port. Gemeinde „trefflich benutzt werden konnte"; in Wahrheit ist aber in diesem Archive nicht - ein einziges Schriftstück in Beziehung auf das Leben Acostas vorhanden. Nur Herr Dr. H. de Castro ist im Besitze jener erwähnten Urkunde, die er aus dem Nachlasse des berühmten Gelehrten und Dichters Jsaac da Costa erworben hat. Ferner scheint der Verf. die Entzifferung des räthselhaften Adam Romez sich zueignen zu wollen; die Deutung ist aber von Herrn Dr. H.. de Castro (vergl. Amsterd. Handelsblad v. 17. No. 1881) .ausgegangen?) Fast lächerlich ist-die Bemerkung, welche den Schauplatz jener, traurigen Begebenheit, die vor mehrals' 230 Jahren geschehen ist, in eine Synagoge verlegt, die nicht mehr als 206 .Jahre -alt .ist; die damalige Synagoge befand sich, wie allgemein bekannt, auf einer ganz andern Stelle. Verschiedene Anrichtigkeiten in der holl. .Anmerkung, zr B. anstatt acte van relasatic, acte van relaxatic, anfiatt.Migael: etc. mögen Druckfehler sein. M. . 1) Es sei mir erlaubt) an dieser Stelle auch meine unmaßgebliche Meinung über das räthselhafte.alias aäarn Uorn62" auszusprechen. Vielleicht ist das Wort eine Corruptel von uy, mißverstan-; den vondem Beamtem - AcostMs Feinde gaben ihm aber dieses Epitheton wegenseiner Nichtbefolgung der mosaischen Vorschriften und Verleugnung der rab. Traditionen. Ein Ivstizmord im Zahre 1754. Nach dem Französischen von Istdor LöV. . . . (Fortsetzung.) - ' - E ' Die Ungerechtigkeit dieses Urtheils wird den 'Lesern klar - werden, wenn wir die Vertheidigungsmittel' der Angeklagten auseinandergesetzt haben. - Zunächst die-Widersprüche und Schwächen der Beschuldigung und die Ungewöhnlichkeit des-Verfahrens. - 'v Nichts erweist in den Aktenstücken, die wir unter Augen gehabt haben, daß die Justiz danach gesucht habe,- sich davon zu überzeugen, ob das Verbrechen überhaupt wirklich stattgesunden. War es wahr, daß die Wittwe gebunden, mißhandelt, -bestohlen worden? Konnte sie das Vorhandensein einer so großen Summe Geldes in ihrem Hause -Nachweisen? War -sie wirklich verwundet? Wo waren die Gegenstände, welche die Diebe weggeschleppt hatten , und hatte mannach ihnön bei' den Angeklagten oder wo anders geforscht? Es -scheint,--, daß die Justiz sich mit keiner dieser - Fragen- - beschäftigt hat. ' ■ In dem Erregung der ersten Stunde hatte die Angeklagte vor ihrem Sohne dem Vorsteher die drei Angeklagten Hirtzel, Menke und Lang beschuldigt; ' dasselbe that sie vor dem Gensdarmen, aber .vor dem Brigadier sagte sie, -daß' sie die Schuldigen nicht kenne, aber daß sie voraussetze, - daß es die drei oben genannten Beschuldigten seien.- ' ' ' ' -- Schließlich, als sie mit den Angeklagten -in Gegenwart des Amtmanns confrontirt wurde, -erklärtesie, - daß :fie-so aufgeregt und nicht im Stande seiirgendeinen der Angeklagten wieder zu erkennen; sie wäre in diesem Augenblicke - von der Klage abgestanden, wenn der Amtmann,' der - viel- ... leicht zur Unrechten Zeit dazwischen sprach, Ihr nicht hätte durchblicken lassen, als Folge dieses Entschlussesdaß sie dann , dazu verurtheilt werden würde, die Prozeßkosten- und' viel- - leicht eine Geldstrafe und Jnteressenentschädigung zmzahlen. Uebrigens, wenn es wahr ist, daßwie die Wittwe aussagte, die Schuldigen das Gesicht maskirt hatten, so fragt man ' sich , wie sie diese.- hatte erkennen können; -/aber dieses Detail gehört vielleicht zur Legende des Verbrechens. Die Aussage der. Magd steht in einemwichtigen -Punkte mit der ihrer Herrinin Widerspruch.'- Diese -behauptete, daß Hirtzel der hauptsächliche- Urheber der Gewaltthätech die sie erlitten, -gewesenwährend nach der -Magd- -Hirtzel sich die ganze-Zeit bei der Magd aufgehalten., hätte,- um sie zu halten und ihr Stillschweigen aufzuerlegen-?'während . seine Complicen das Verbrechen begingen und die Wittwe mißhandelten/ ,. ' . . - . - Unter Anderem sagle^ die Magd, daß sie 'än -ihre