Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1882)
- Date
- 1882-01-10
- Page
- Seite 28 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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suchte. Er soll ihnen' geantwortet haben: „Nun da sehen Sie, weine Herren, daß Pöbel Pöhel bleibt, gleichviel'welcher'. Nationalität; als Unruhen in Kiew, Odeffa ' ausgebrochen waren,, da schlug sich Ihre Presse vor die Brüst und erklärte, wir sind doch besser wie jene — Sie sehen, der. polnische Plebs ist nicht um eines Haares Breite besser." Die Bitte der Deputation, selbst eine Bürgerwehr zu organisiren, schlug er rundweg ab. Heute wurden übrigens, wohl auf Veranlassung jener gestrigen Deputation/ Plakate angeschlagen, Welche die Bewohner der Stadt Warschau auffordern, sich ruhig zu verhalten und sich nicht auf.der Straße in Rotten zu versammeln, da sonst gegen sie mit Strafe vorgegangen werden wird.Doch wurde heute im Laufe des Vormittags trotz der Proklamation weiter demolirt. Infolge dieser Vorfälle ist die Sorge und das Mitleid um die vorgestern Erdrückten in den Hintergrund getreten; man setzt voraus^ daß der Leichen-- zug nicht durch die Stadt geführt werden wird, da sonst sich sehr blutige Scenen ereignen könnten. In dem spezifisch' jüdischen Stadttheil, wo namentlich der Großhandel florirt, auf dem Nalewki, haben die Bewohner sich zur Vertheidigung organisirt und ist Militär dort aufgestellt, so daß man von in dieser Gegend vorgefallenen Unruhen nichts hört: In den übrigen Stadtvierteln dagegen sind einzelne Straßenzüge fast Haus bei Haus demolirt worden. - — Vom 28. Dezember. Nachdem gestern noch mehrere Verhaftungen erfolgt sind, ist im Laufe des Tages die Ruhe wieder hergestellt worden. Die Geschäfte sind wieder geöffnet. Es sind Sammlungen für die Verunglückten und für die Hinterlassenen solcher eröffnet worden: Die jüdischen Firmen haben bedeutende Spenden gesteuert. - Türkei. . . Konstantinopel, im Dez. Der Graf von Camondo hat der jüdischen Gemeinde von Konstantinopel 70,000 Frcs. zinslos geliehen, um eine Synagoge im Quartier von Galata zu erbauen. Amerika. New-Dork, 18. Dez. In den Kohlengruben bei Belleville, Illinois, arbeitete eine größere Zahl der jüngst eingewanderterten russischen Juden, denen die Eigentümer der Gruben das Zeugniß ausstellen, daß sie sehr fleißig sind und ‘ mehr Kohlen fördern , als ihre in dieser Arbeit Zerfahrenen Kameraden. Bonn 1. Januar. : (Notizen.) Berlin hat dieser Tage wieder einen Veteranen aus den Freiheitskriegen ver-. loren, den ehemaligen Schlächtermeister Levy Jacob. Derselbe machte die Schlachten bei Leipzig, Waterloo, Belle-Alliance u. s. w. mit und zwar unter den siegreichen Truppen, die in Paris.'einzogen. Zwei Male'wurden Levy Jacob verwundet und bei Waterloo wegen -bewiesener Tapferkeit, bald nach der..Schlacht zum Unteroffizierbefördert.: Der Verstorbene hat ein Alter von 87 Jahren erreicht. — Man schreibt uns aus Magd eburg vom 28. Dez. Noch untex dem Eindrücke der tiefsten Erregung, theile ich Ihnen mit, daß die entseelte Hülle der Gattin unseres verehrtenMabbiner, Herrn Dr. Rahmer, heute zur ewigen Ruhe ' gebettet worden ist. Es waren herzergreifende. Worte, die ihr Gatte sprach, um seinem. gepreßten Herzen Luft zu schaffen. Nach einer 20 jährigen . glücklichen Ehe ist sie .ihm von seiner, Seite gerissen. Möge der himmlische. Schöpfer den Hinterbliebenen in reichem . Maße Balsam träufeln ins wunde Herz. Am Grabe trug der hiesige Synagogen-Gesang-Berein ' ergreifende Trauer-. - lieder vor. — Der „Rhein. Kur." schreibt aus Wiesbaden: Am verflossenen.Dienstag, 20. d.. M., beging Herr Bez.- Rabbiner Dr.' Süskind seinen 70. Geburtstag. Die hiesige israelitische Kultusgemeinde nahm hiervon Veranlassung, demselben-den Tribut ihrer Achtung und Wertschätzung d'arzubringen. Der- Vorstand, Herr David Fay, überreichte - ihm, wiewir hören, Namens der Gemeinde, eine nicht ünansehn- - liche Gratifikation und begleitete die Uebergabe derselben mit einer sinnreichen Ansprache, Der. Synagogen-Gesang -Verein überraschte ihn schon am Vorabende durch ein gelungenes : Ständchen. Der Präsident desselben, Herr B. Straus,: richtete Worte der Anerkennung und Liebe an den Jubilar, die von dem überraschten und sichtlich geehrten Herrn Rab- - biner durch eine alle Anwesenden ergreifende Improvisation erwidert würden und die Vereinsmitglieder am Schluffe zu - einem. lebhaften Hoch begeisterten. Viele ' Mitglieder der ■ israelitischen Gemeinde fanden sich bei Herrn Süskind. ein, - sprachen ihm ihre Glückwünsche, äus und überhäuften ihn mit den verschiedenartigsten Aufmerksamkeiten: Obgleich -die Kunde von dem bevorstehenden 70. Geburtstage nur wenig in die Oeffentlichkeit gedrungen war; so lief doch des Tages über von nah und fern, vom In- und Auslande, eine große Anzahl von Telegrammen- und Beglückwünschungsschreiben . , seitens seiner Kollegen, Freunde und Verehrer ein, die beredtes Zeugniß ablegten von der allgemeinen Achtung, die, er auch nach außen-hin genießt, und von dem' bedeutenden Rufe, dessen er sich weithin erfreut. — Am 27. - Dez. feierte der Rabbiner Herr vr. S. Freund in Görlitz sein 25jähriges Amtsjübiläum. Näheres .über die schöne Feier ig der^ nächsten Nummer. ‘ '