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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-01-03 · Heft 1 (3.1.1882) · p. Seite 11

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 1 (3.1.1882)
Date
1882-01-03
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Ihrer Bemühungen erinnern, in diesem Lande den Ideen der Civilisation und - des Fortschritts zum Triumphe zu verhelfen./ Sie sprechen den Wunsch aus für Ihr Bleiben an der Spitze der Residentschaft in Tunis." Bekanntlich besitzt der Pariser „Figaro" durchaus kein Vertrauen, weil er eben so oft erfindungsreiches Witzblatt wie Zeitung ist. In welche Kategorie nun das.obige Telegramm gehört, ist uns völlig ungewiß. Die Lage der Juden in Tunis hat sich aber seit der französischen Occupation so gebessert, daß das Telegramm an sich nicht unwahrscheinlich ist. - —. Gestern fand hier in der Synagoge Lus äs ln Viotoirs .die Trauung der Tochter, des Bankiers Porges aus Wien mit dem jungen Deputirten Dreyfuß statt. Derselben wohnten Gambetta, Challemel-Lacour, der Deputirte Casimir Perrier und andere Notabilitäten bei. Der Großrabbiner , Isidor vollzog die Trauung und streute in der Traurede auch'einige Lobsprüche für Gambetta ein. Rußland. Bonn, 20. Dez. Wir fühlen uns nicht bewogen, das uns von mehreren. Seiten zugefertigte Gutachten der Volhynischen Commission, von welchem wir bereits schon früher eine Analyse gegeben, dem vollen Wortlaut nach abzudrucken. Es war nicht zu verwundern, daß eine Commission, in welche man von 20 Mitgliedern 18 entschiedene Judenfeinde und Eonkurrenten hineingezogen hatteein'solches schmähliches Elaborat ausarbeiten werde. Wir halten uns auch überzeugt, 'daß dieses Gutachten von der Staatsregierung keine Beachtung finden werde — weil es sie nicht finden kann, weil es unmöglich ist,dasselbe zur Ausführung zu bringen,, ohne Millionen Staatsangehöriger dem Hungertode preiszugeben und dem Staate selbst den empfindlichsten Schaden zuzufügen. Odessa, 20. Dezember. Nach einem Telegramm d. ,,P. Ll." wurden wegen der Judenverfolgungen im Distrikte Odessa 1269, im Distrikte Tagaurog 117, in der Stadt Odessa selbst 220, im Dorfe Beregouska 120 und im Dorse, Golta 27 Individuen vor Gericht gestellt. In der Stadt Odessa wurden von den 220 Angeklagten 138 verurtheilt. Türkei. Konstantinopel, 20. Dez. Von hier veröffentlicht der „Daily Telegraph" eine interessante Mittheilung über die jüdische Einwanderung in das türkische Gebiet. Der Sultan, dem Beispiele seiner Vorfahren folgend, hat den aus denjenigen Theilen Europa's auswandernden Juden, wo dieselben mit Verfolgung bedroht sind, gastfreundliche Aufnahme in gewissen asiatischen Provinzen angeboten. Es ist im Vorschläge, jüdische Kolonien zu gründen und Ausschüsse, aus Mitgliedern verschiedener Nationalitäten bestehend, sind' bereits behufs Förderung dieses Projektes gebildet' worden. Da die Bevölkerung der Türkei durch die Ereignisse der letzten Jahre bedeutend vermindertworden ist,- so soll die Colonisirung Kleinasiens durch jüdische Einwanderung, wenn sich die ersten Versuche als erfolgreich. erweisen sollten, in großartigem Maßstabe zur Ausführung gebracht werden. Es wird als bemerkenswerth hervorgehoben, daß die im 15. Jahrhundert -aus Spanien in Folge der' Inquisitions- Verfolgungen nach den verschiedenen Theilen der Levante geflüchteten und eine zahlreiche Klasse bildenden Juden, welche sich daselbst sehr vermehrt und ausgedehnt haben, nie mit der ottomanischen Regierung in Streitigkeiten gerathen sind. (Wenn aus allem, diesem nur etwas Tatsächliches zu ersehen wäre! Red.) - (. Amerika. New-Uork, 1. Dezember. (Privatmitth.) Das Interesse an den russischen Flüchtlingen ^ist hier im Wachsen. In vielen großen Städten, z. B. New-Aork, Pittsburg, Baltimore, San-Francisko fanden Meetings. statt und wurden Comit^'s gewählt, um die in der bez. Stadt ankommenden russischen Auswanderer zu empfangen und ihnen am Orte oder anderswo lohnende Arbeit. zuzuweisen. Selbst Damenversammlungen haben zu diesem Zwecke stattgefunden. Weil man in San-Francisko wegen der großen Entfernung noch lange keine Ankömmlinge zu erwarten hat, soll das Comit^ die Zeit benutzen, um in der ganzen Stadt Sammlungen anzustellern Man. bekommt da ungefähr eine Borstellung, wie es in den Zeiten des Titus vor sich ging, als nach der Zerstörung Jerusalems die Juden aus ihrem Lande vertrieben wurden, sich nach allen Gegenden zerstreuten, aber überall auf Gemeinden trafen, die ihnen Schutz' und Unterstützung 'gewährten. Wir halten uns überzeugt, daß die große Mehrzahl der neuen Einwanderer sich dieses schönen Verhaltens ihrer Glaubensgenossen würdig zeigen und durch anständiges und sittliches Benehmen nicht blos sie für die aufgewandten Mühen und Kosten vergelten, sondern auch den Eifer für die später Ankommenden dadurch anfeuern werden. Die auf der Linie Havre und Antwerpen angekommenen Auswanderer klagen darüber,, daß ihnen das durch die Agenten gegebene Versprechen, nach den jüdischen Speisegesetzen auf der Fahrt beköstigt zu werden, nicht gehalten worden. Die ^.llianos will fernerhin nur von Hamburg aus expediren. * Bonn, 25. Dez. (Notize.n). Man schreibt uns aus dem Fürstenthum Birkenfels: .Ein seltenes und schönes Fest wurde am 7.dss. im Dorfe Lötern gefeiert. Dort war der israelitische .Lehrer Colm nach einer 54jährigen Thätigkeit — er hatte in Lötern selbst 46 Jahre lang gewirkt. — in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Seinen 76sten Ge.burts-

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