Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1882)
- Date
- 1882-01-03
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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gefaßte Geschichte des Baues ' verlas , eine - Urkunde , welche sodann von den anwesenden zahlreichen Honoratioren unterfertigt, unter dem Schlußstein geborgen wurde. Besagter Urkunde entnehmen' wir folgende Daten: , Im Jahre 1868 schenkte ein Anonymus, der, wie es sich später herausstellte, kein Anderer als der große Wohl- Lhäter der hiesigen isr. Gemeinde, Anton Fachs war,, ein in der Hollogasse gelegenes zweistöckiges Haus der Gemeinde unter der Bedingung, daß dasselbe zweckentsprechend eingerichtet, zu einem Knabenwaisenhause umgestaltet werde, welches zum mindesten 20 Waisenknaben aufnehmen solle. In diesem Waisenhause wurden seither 113 Waisen erzogen und schon nach dem ersten Jahrzehnt seines Bestandes wurde aus verschiedenen Umständen der Plan zum Bau eines neuen Hauses gefaßt. Dank der Opferwiüigkeit mehrerer edler Spender- Dank dem reichen Legate, welches Anton Fochs in seinem Testamente der von ihm gegründeten Anstalt widmete, Dank schließlich dem Waisenhaus- und Baucomite erhebt sich nun heute' auf der Radialstraße das von Sigmund Quittner (demselben Architetten, dessen Pläne für das Foncitzre-Palais seinerzeit preisgekrönt wurden und der in München mehrere Preise errang) erbaute Waisenhaus, das in der That in glücklicher Weise den Rücksichten gerecht wird, die einerseits die Provenienz von Waisengeldern, andererseits aber der vornehme Charakter der Umgebung auferlegten. Die ungarische Festrede des Herrn vr. Kohn errichtete in ihrer Einleitung dem ersten Wohlthäter der Anstalt, in ihrem späteren Verlaufe aber dem Sinne der Menschenfreundlichkeit und Opferwilligkeit, der ein so markantes Merkmal des Judenthums bildet, ein oratorisches Denkmal, das frei von jeder konfessionellen Selbstverherrlichung, auf dem unerschütterlichen Piedestal der Thatsachen gegründet erschien. Nachdem noch zum Schlüsse der Hymnus von Kölesey abgesungen worden war, sagte Oberbürgermeister Rath sichtlich ergriffen im Namen der Hauptstadt den edlen Gründern, Wohlthätern und Förderern der Anstalt tiefgefühlten Dank. Die Anwesenden entfernten sich unter dem' erhebenden Eindrücke, den der Besuch einer musterhaften Wohlthätigkeits- Anstalt Hervorrust, deren Entstehungsgeschichte ebenso wie ihre ganze Einrichtung in so erfreulicher Weise von dem sogenannten materialistischen Zuge unsere? Zeit kontrastiven. — Aus der Volkszählung vom Jahre 1880 ergiebt sich, daß unter den Juden in Ungarn alle in der Gesammtmonarchie lebenden Nationalitäten vertreten sind. Unter ihnen sind diejenigen, welche das Ungarische als ihre Muttersprache bezeichnen, in Majorität mit 56,3°/o^ doch auch die Deutschen sind unter ihnen im stärksten Prozentverhältnisse, nämlich mit 33,2 o/g. Von den 1,619,692 Kindern, welche im Jahre 1880 die Volksschule besuchten, waren 68,392 Israeliten. Auf Einschreiten der Fleischhauer-Genossenschaft hat der hiesige Magistrat an den Handelsminister das Ansuchen gestellt , daß die Beschränkung der Koscherfleisch-Aüsschrotung aufgehoben werde. Der Handelsminister ertheilte hierauf den Bescheid, die bezügliche Verordnung nicht abändern zu können, - weil die Ausschrotung von Koschersteisch nicht zu den -freien Gewerben gehört, event. an gewisse KauteleN geknüpft ist und^ diehierfür nöthige Licenz sehr leicht erworben werden kann. Frankreich. Paris/ 20. Dez. (Privatmitth.) Es ist uns gewiß gestattet, auch an dieser Stelle die glänzende Laufbahn unsers Glaubensgenossen General Lambert im treuen Dienste seines Vaterlandes zu verfolgen. Wie wir bereits berichteten, ist er, zuletzt Kommandant vpn Paris, nach Tunis als Kommandant der französischen Garnison gesandt, vom Bey zum Obergeneral der tunesischen Truppen gemacht worden, mit dem Aufträge, die Umbildung der tunesischen Armee zu bewirken. Jetzt ist er auch von der französischen Regierung zum Minister-Residenten in Tunis an Stelle des bekannten Roustan ernannt worden. Mit Recht haben Sie bemerkt, der Auslassung des Herrn Staatssekretär v. Bötticher gegenüber, daß Frankreich nicht zu den Staaten gehört, bei deren Volkszählung die Rubrik „Religion" ausgenommen und ausgefüllt wird. Die Rubriken in den Fragebogen der am 16. Dez. stattgefundenen Volkszählung - sind : „ Voruno Zunamen, Geschlecht, Alter, Geburtsort, Nationalität, Civilstand, Beruf und Aufenthalt". Paris, 2t. Dezember. Die französische Presse-besitzt nun auch ein antisemitisches Wochenblatt. Dasselbe nennt sich „L'Antijuif", und wird von einem-hiesigen Correspondenten des Provinzblattes „Lyon Rspublicain", Panchioni, redigirt. Dieses Blatt stellt sich die Aufgabe, auf die Aufhebung der Dekrete der Nationalversammlung vom 27. September und 13. November 1791 hinzuwirken, welche den Israeliten in Frankreich die freie Ausübung aller bürgerlichen und' staatsbürgerlichen Rechte eingeräumt haben. — Daß der Mann damit, wenn auch vielleicht für kurze Zeitein kleines Geschäft, doch kein Glück macht, ist selbstverständlich. Er hatte auch behauptet, daß die jüdischen Offiziere keinen Muth besäßen. Darauf hin hat er von einer Anzahl derselben jeden Grades eine Herausforderung erhalten. Wie der „Figaro" berichtet, hätten die Israeliten an Roustan folgendes Telegramm abgeschickt: „Die Israeliten von Tunis sind durch die Nachricht von dem Ausgange Ihres Prozesses höchst betrübt und bitten Sie, ihre Sympathieen gütigst anzunehmen. Sie stehen auf Ihrer Seite und verachten die gegen Ihre Loyalität und Ehrenhaftigkeit gerichteten Angriffe. Sie werden nie die Hilfe vergessen, welche jeder Unglückliche bei Ihnen ohne Unterlaß fand, und sie ' werden sich stets'