Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1879)
- Date
- 1879-12-23
- Page
- Seite 827 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Oran 1× ep/1048048
- Tunis 1× ep/1048155
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nun jetzt diese anachronistischen Hetzereien gegen die Juden, wie sie in Frankreich unerhört sind. Diese veralteten und überlebten Beschuldigungen, diese Sucht, was das Ganze und Alle gesündigt Huven und woran das Ganze und Alle kränkeln, den Juden aufzubürden! Das ließe schon der französische Nationalstolz nicht zu, sich geistig vor einer kleinen Minorität herabzusetzen und 79 gegen 1 als von diesem überflügelt, beherrscht und „vergiftet" zu bekennen. Von der Wahrheitsliebe und-der Einsicht der Deutschen giebt dies keinen großen Begriff. Es beruht dies aber auf der Verschiedenheit wieder, daß die Franzosen sich völlig als Eines anfehen, während die Deutschen sich von der Vorstellung von Stämmen, Ständen, Classen und dem Kampf unter ihnen nicht freimachen können, so daß sie selbst socialistische Ansicbten und Tendenzen nähren und in's Feld führen, um nur diese oder jene Clafse befehden zu können. Jndeß ist glücklicher Weise die interconfessionelle Gleichberechtigung in England, Holland, Scandinavien, Belgien, Frankreich und Italien zu tief eingewurzelt, und zum unantastbaren Palladium geworden, als daß Deutschland diese noch einmal in Frage stellen und verletzen könnte. Wir hegen in dieser Richtung keine Befürchtung und glauben daher, daß man auch in Deutschland, besonders wenn erst die materiellen Zustände sich wieder gehoben haben, bald wieder davon zurückkommen werde. —. Der Staatsrath bat vor Kurzem über eine interessante Frage entschieden. In den Bezirken Algier und Constantine hatte man trotz des Tecrets vom 24. Oktober 1870, welches alle eingeborenen Israeliten Algeriens naturalisirtc, auch ferner landbesitzende Israeliten mit der sog ..arabischen Steuer" belegt, tvährend man sie im Bezirke von Oran davon freigesprochen. Der Staatsrath entschied für den gänzlichen Wegfall der Steuer für die Israeliten. — Tie Journale von Algier rühmen den Antbeil, welchen die dortigen Israeliten bei den jüngst stattlaesundenen Bränden sowohl in der thätigen Bekämpfung derselben, als auch in der Unterstützung der davon Betroffenen, genommen. Ein junger Israelit aus Tunis, Harm Aznlay, fand bei der Rettung gefährdeter Personen seinen eigenen Tod. Die Gemeinde bestimmte ihm ein Grab in der ersten Reihe des Friedhofes, in der nur Rabbiner und hochverdiente Männer bestattet werden.. — Ter Eapitän im 12. Artillerie-Regiment Daniel Jsaac Cahen ist zum Schwadronschef vorgerückt. Wir verzeichnen gern das bäufige Avancement jüdischer Officiere in der französischen Armee, da dies ebensotvohl für die Gleichheit, die in Frankreich auch auf dem militärischen Gebiete obwaltet, als auch für das pflichtgetreue und ehrenfeste Verhalten der jüdischen Officiere zeugt. — Zwei Israeliten sind wieder Unterpräfecten geworden, See, Generalsecretär der Hante-Marne, und Josephe L«'on, Chef des Cabinets des-Prafectcn von Vasies-Alpes. Italien. Rom, 6. December. Wie wir schon berichtet haben, hat die italienische Negierung die Unabhängigkeit Rumäniens anerkannt. In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer interpellirie Maurigi darüber die Negierung. Ministerpräsident Cairoli crwiederte, Italien, welches mit Rumänien durch Bande der Freundschaft verknüpft sei, habe schon länger den Wunsch gehegt, den Act der Anerkennung Rumäniens zu vollziehen, indessen mußte Artikel 44 des Berliner Vertrages erst zur Ausführung gelangen. JtaUen, Frankreich, Deutschland und England mußten die Revision der Verfassung Rumäniens abwarten, und da nicht anzunehmen war, daß man eine tveitere Revision erlange, mußte man nach der Anschauung dieser vier Eabiuette Bürgschaften suchen, damit die Anwendung der revidirten Verfassung eine aufrichtige sei. Die Besprechungen mit dem Vertreter Rumäniens hatten eine Erklärung seitens Rumäniens zur Folge, deren Wortlaut Cairoli verliest. Da diese Erklärung befriedigend erschien, so hielt Italien den Augenblick der Anerkennung Rumäniens für gekommen. Dieser Entschluß wurde der rumänischen Regierung und den anderen Eabinetlcn notisicirt. Maurigi erklärt sich durch diese Mittherlungen Cairoli's für ^befriedigt. Dieselben fanden auch auf allen Seiten des Hauses lebhaften Beifall. (In diesem Berichte der „K. Z." fehlt gerade Das, was uns am meisten interessirt hätte: die Erklärung der rumänischen Regierung, welche (Garantien für die Ausführung deS betreffenden Gesetzes enthalten soll. Jndeß trösten!vir uns über diese Lücke durch den Gedanken, was können dies für Garantien sein:' Die Allsführung des Gesetzes kann doch nur darin bestehen, daß Raturalisationsgesuche von Israeliten durch die Negierung den Kammern vorgelegt werden; ob diese die Naturalisation gewährt, kann die Negierung nicht verbürgen. Nedaction.) Bulgarien. Aus Bulstaricn, im November. Daß unsere Glaubensgenossen in den Donaustaaten älteren und neueren Datums das innige Verlangen hegen, sich ihrem Vaterlande fest anzuschließen, bewiesen sie auch bei der Durchreise deS neuen Fürsten von Bulgarien durch das Land an allen Orten, die er paffirte. Wir heben hierüber aus dem Novemberheft der Alliance isr. univ. folgenden Bericht heraus. Wie die übrigen Gemeinden, schreibt man dem C.-Comito aus Schumla, hat sich auch die unserige beeilt, Sr. Hoheit cntgegenzilgehen in Begleitung der Zöglinge beider Schulen, welche, sämnltlich gleichmäßig, eine kleine bulgarische Fahne in der Hand und eine Schärpe oder. Schleife in den drei Nationalfarben trugen; um den Glanz der Feierlichkeit zu erhöhen, hatte man auch die kostbaren ischmucksachcn der