Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1879)
- Date
- 1879-12-23
- Page
- Seite 821 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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821 leitenden Blätter in München, Stuttgart, Dresden, Leipzig,'der Personalien unserer Presse zu übersehen vermögen, kaum die großen Organe der Hansestädte, endlich die Augsburger ein einziger Jude! Fast eben so steht es bei den älteren Allgemeine Leitung und die Kölnische Zeitung — sie alle > politisch bedeutsamen Organen der Berliner Presse; wir kennen werden von christlichen Redacteuren geleitet, bei ihnen allen! hier nur eine einzige in Betracht kommende Ausnahme." Es befindet sich in den für die Haltung dieser Blätter wichtigen bleiben also nur die Frankfurter Zeitung und einige neuere Stellungen, so viel wir auf Grund einer genauen Kenntniß! Berliner übrig. ^&eitiu.Kj5ii occtauelateu. Deutschland. Berlin, 11. December. (Privatmitth.) Die Verwandlung der Privatin Ctaatseisenbahuen ist durch die aus den Conservativen und Nationalliberalen gebildete Mehrheit des Abgeordnetenhauses gesichert. Unsre werthen Freunde können nun doch nicht mehr behaupten, daß die Gesetzgebung von den Juden beeinflußt oder gar beherrscht werde. Tenn weder in der Negierung noch in dieser Mehrheit ist ein „Semite" vorhanden, und so hat jene trügerische Behauptung selbst den Schein eines Grundes verloren. Dies hält jedoch die Ultramontanen nicht ab, auch ohne jede Veranlassung gegen die Juden zu stimuliren. In der Sitzung vom 9. sagt 0r. Röckerath, der gegen den Ankauf der Eisenbahn sprach: „Wenn nmn immer sage, der Staat habe nicht das Recht, die Aktionäre zu schädigen, so könne er es nicht billigen, daß man die Aktionäre, die man von den Generalversammlungen her genugsam kenne, schone und die braven christlichen Leute, die ihr Geld in Prioritäten angelegt haben, schädigen wolle, zumal zwei große positive christliche Fraktionen im Hause seien. (Zustimmung im Centrum)." Trotzdem haben die beiden „großen positivchristlichen Fractionen", die Conservativen und das Centrum gegen einander gestimmt, jene für, diese gegen den Ankauf. Die Andeutung, daß die Juden die alleinigen Inhaber der Stammactien seien, ist eine jener ultramontanen Behauptungen, für die jeder Beweis schuldig geblieben wird. Ucbrigens ist es von einem dieser Herren schon genug, zuzugeben, daß das Capital nicht blos in den Händen von Juden sei, denn die Summen der Prioritäten sind von einer bedeutenden Höhe. Worin nun die Schädigung der Prioritäten bestehen solle, ist gar nicht ersichtlich. Das wird Alles zusammengebraut, um den Schein zu wahren, und dem urtheilslosen Theile des Publikums Sand in die Augen zu streuen. — Diesmal müssen Sie mir schon gestatten, einen Bericht über eine Versammlung des Stöcker'schen Vereins, was Sie bis jetzt nicht ihaten, wiederzugeben; aus welchen Gründen, wird sich nachher ergeben. Tic Versammlung am Freitag bestand nur aus Vereins-Mitgliedern, und diese zählten etwa 150 Personen. Stöcker eröffnete die Versammlung mit einem Rückblick auf die Thätigkeit der letzten Monate. Er äußerte: „Was den Inhalt der Versammlungen anlangt, so muß ich sagen, daß mit den Reden über und gegen das Judenthum in der Thal in unsere Sache neues Leben gekommen ist. Daß konservative Zeitungen gesunde Artikel bringen, genügt nicht; die von Links lesen sie nicht und die Blätter dieser Seite schwärzen alles Gute nur an. Unsere Versammlungen konnten sie nicht todt schweigen. Wir haben vor Kurzem die Genugthuung gehabt, daß Herr v. Treitschke ungefähr in derselben Weise zur Judenfrage Stellung genommen wie wir: wenn er dabei uns einige Seitenhiebe abgiebt, so liegt das nun einmal so in einem Professor, dem es nicht einleuchten will, daß Andere ihm zuvorzukommen können. Wenn er uns Strumpfredner nennt, so ist das kein großes Schimpfwort; es kommt uns hier nicht auf die Tribüne, sondern auf das an, was gesprochen wird. Jedenfalls hat die Sache ein ungeheuerliches Aufsehen hervorgerufen und aus allen Theilcn unseres Vaterlandes hat man uns Sympathien entgegengebracht; das thut uns aber auch Roth, denn hier in Berlin ist der Feind am stärksten, hier ist das Hauptquartier des Bösen. Was hat man uns nun cntgegenzuhalten? Gar nichts! Das Urtheil über uns ist ein ganz anderes geworden, und man hütet sich jetzt ungeniein, uns in jener nichtswürdigen Weise herunterzurcißen, wie früher. Die einzelnen Verleumder erwarten noch immer ihre Strafe. Ich hatte gestern einen solchen Fall gehabt. Ta hat ein Staatsanwalt einen solchen Verleumder vorgenommen, und nun hat er sich in seiner Angst an einen Freund, einen Pastor, gewendet, daß dieser mich bitten soll, die Sache doch zurückzunehmen. Ich bin natürlich gern dazu bereit gewesen, wenn er an der Spitze seines Blattes den Sachverhalt ausnimmt. Sie werden einsehen, ich kann mich mit solchen Leuten nicht herumzanken, aber ich glaube, der Staatsanwalt wird noch in mehreren Fällen seine Schuldigkeit thun. Es thut mir leid, das; ich als Geistlicher das tbun muß, aber man muß die Presse auch so zur Wahrheit bringen; ich halte es nicht für unrecht, wenn man Verleumder vor Gericht zieht. Es wäre nun Alles schon gut, wenn nicht die Stadtverordneten-Versammlung so geringschätzig über uns entschieden. (Gelächter.) Ja man sieht es da wieder einmal, daß es bei uns zwei Welten giebt; wir sind christlich, die d»-sind unchristlich; wir sind patriotisch, jene unpatriotisch. Das eine