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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-12-16 · Heft 51 (16.12.1879) · p. Seite 810

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 51 (16.12.1879)
Date
1879-12-16
Page
Seite 810 (sequence 10)
Language
German
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810 Trotz aller Schwierigkeiten, welche uns die Ausführung des Berliner Vertrages auferlegte, und trotz der schmerzlichen Opfer, die wir bringen mußten, haben Sie sich demselben mit Loyalität und Selbstverleugnung, mit besonderem Tact und Einstimmigkeit anzubcquemen gewußt. Ich bin sicher, daß die Signatarmächte unsrer Loyalität und den vorhandenen Schwierigkeiten Rechnung tragen und den Modus der Erfüllung der internationalen Verpflichtungen gutheißen werden, sowohl wegen seines moralischen Werthes, wie in Berücksichtigung der Einstimmigkeit, mit der die Nation ihre inneren Interessen mit den Stipulationen eines europäischen Actes zu vereinigen suchte. Wir sind daher berechtigt, zu glauben, daß binnen Kurzem auch jene vier anderen Großmächte, welche den Vertrag Unterzeichneten, mit uns jene normale Beziehungen Pflegen werden, welche unter vollkommen unabhängigen Staaten üblich sind/. Der Fürst hat also bis jetzt nur „Hoffnungen", aber noch keine Gewißheit auszusprechen. — Das Regierungsblatt enthält das Gesetz, durch welches die 885 jüdische Soldaten naturalistrt, und die unterste Classe derselben, ungefähr 200, von der dafür zu zahlenden Taxe, in 200 Frcs, befreit werden. Die übrigen 685 dagegen haben für ihre Emancipation das Sümmchen von 137,000 Frcs zu zahlen. Bukarest, 6. December. In der heutigen Sitzung der Teputirtenkammer machte der Minister des Auswärtigen die Mittheilüng, daß die italienische Negierung die Unabhängigkeit Rumäniens anerkannt habe. — Der Jndigenats- Commission des Abgeordnetenhauses ging eine fürstliche Botschaft zu, Naturalisationsgesuche von 100 Israeliten zu begutachten. Palästina. Bonn, 4. December. (Privatmitth.) Schon in den vierziger Jahren erlangten wir die Ueberzeugung, daß denjenigen jüdischen Kreisen, welche in Jerusalem sich durch die dortigen traurigen Zustände die Herrschaft über die arme jüdische Bevölkerung an sich gerissen haben, nichts mehr zuwider ist, als irgend eine festbegründete und deshalb von Europa aus beaufsichtigte Stiftung. Ein N2-p pp verringert ihnen den Zufluß von Almosen, von welchen sie den besten Theil für sich beziehen und durch deren Vertheilung sie die Macht über die Uebrigen behalten. Es sind seit jener Zeit manche edle Versuche durch hochgeachtete Persönlichkeiten und mit angemessenen Mitteln gemacht worden, ohne andere als sehr dürftige Resultate zu erzielen. Gegen jede solche Anstalt erhebt sich ein Jntriguenspicl, das unter der Maske der Frömmigkeit vom wiedrigsten Eigennutz, geleitet und mit der größten Schlauheit durchgeführt wird. Dies war für uns das Motiv, daß wir uns den verschiedenen Experimenten, bessere Zustände herbeizuführen, nicht anschlossen, da wir sie von vornherein für vergeblich hielten und nicht den Wohlthätigkeitssinn unsrer Glaubensgenossen zu kostspieligen Versuchen, die doch nur dürftige Resultate haben würden, mißbrauchen zu helfen. Und da die dortigen Zustände hinlänglich bekannt sind, enthielten wir uns, Details von dort zu berichten, die nur Täuschung oder Ekel erwirken konnten. Bekanntlich hat die Alliance isr. unir. bei Jaffa eine Ackerbauschule für israelitische Knaben aus Jerusalem vor zehn Jahren begründet, und mit großen Geldopfern erhalten. Sie besteht und hat immerhin eine Anzahl Schüler ausgestellt. Daß eine solche Anstalt durchaus nach den religiösen Vorschriften im orthodoxesten Sinne eingerichtet werden mußte, versteht sich von selbst. Nicht minder aber war es leider selbftverständlick», daß demungeachtet die Schule den feindseligsten Verleumdungen von religiöser Seite ausgesetzt sein würde. Nachdem dies schon früher geschehen und zurückgewiesen worden, hat sich jüngst der Chacham-Baschi von Jerusalem, Rabbi A. Aschkenasi, an die Spitze gestellt, einen Brief erlassen, in welchem er 12 Anschuldigungen religiöser Art gegen die Ackerbauschule erhebt und Forderungen stellte, um die Anstalt völlig in die Hände seiner Creaturen zu bringen. Diesen Anklagen gegenüber nun das ganze Ränkegewebe klar zu legen, veröffentlicht jetzt die Alliance eine Entgegnung des Begründers und Directors der Anstalt Herrn Ch. Netter, in welcher Satz für Satz jene Anklagen.widerlegt werden. Jeder Einsichtige muß von allen diesen grundlosen Anschuldigungen gegen eine Anstalt, die so segensreich wirken könnte, und die mit der größten Vorsicht geleitet wird, entrüstet werden. Auf das Nähere hier einzugehen, halten wir für überflüssig. Die S chule ist gerechtfertigt, aber das konnten jene Leute in Jerusalem auch ohne diese Widerlegung wissen. Es ist daher vorauszusehen, daß sie ihre Feindseligkeit auch ferner fortsetzen werden, und es gehört deshalb eine edle Festigkeit dazu, auf diesem Boden weiter arbeiten zu wollen. Australien. Sidney, im Oktober. (Privatmitth.) Der deutsche Reichscommissar bei der hiesigen Weltausstellung, Geheimrath Reuleaux, hat an das Reichskanzleramt berichtet, daß es ihm gelungen sei, in Australien einen Zweigverein des deutschen Vereins sür Handelsgeographie und Colonialinteressen zu bilden, und als dessen leitende Persönlichkeit Capitän B. Arnstädt zu gewinnen. (Capitän Arnstädt, der bereits 20 Jahre im Scedienst zugebracht und sich auf seinen ausgedehnten Seereisen große Erfahrungen erworben hat, ist Israelit, Neffe des Nedacteurs dieser Zeitung.) Bonn, 7. December. (Notizen.) Man schreibt dem „B. T." aus Guben: Vor Kurzem starb hier ein Katholik, Namens Rothe, den der Protestantische Oberpfarrer Werner

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