Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1879)
- Date
- 1879-12-16
- Page
- Seite 809 (sequence 9)
- Language
- German
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809 ühen, und zu diesen gesellten sich zwei weitere, unbemittelten Eltern auf dem Lande ungehörige Mädchen. Demzufolge sind derzeit in der Obhut der Wilhelmspflege 34 Kinder. Die Einnahmen des Vereins betrugen 28,286 M. 52 Pfg. darunter 8070 M Zinsen, 7398 M. freiwillig. Beiträge, 175 M. Sr. Majestät des Königs. Die Ausgaben betrugen 23,501 M.; das Vereinsvermögen beträgt 211,550 M. und hat um 5977 M. zugenommen. Nach der Statistik des Unterrichts- und Erziehungswesens im Königreiche Württemberg im Schuljahre 1878/79, Abth. Volksschulwesen ist die Zahl der israel. Lehrer unter Oberaufsicht der evangelischen Oberschulbehörde 16, nämlich 11 Lehrer und 5 Amtsverweser, israel. Lehrer unter Oberaufsicht der katholischen Oberschulbehörde 13, nämlich 11 Lehrer und 2 Unterlehrer, israel. Lehrer unter Oberaufsicht der israel. Oberkirchenbehörde, 30 Vorsänger und Religionslehrer. Die Zahl der im Genusie der K. (evang.) Staatswaisen- Häuser-Benesicien befindlichen jüdischen Zöglinge beträgt 3, und wird für dieselben an das israel. Waisenhaus (Privat-Anstalt) ein jährliches Kostgeld bezahlt, im letzten Jahre 249 M. 11 Pfg. Die k. Taubstummenanstalt in Eßlingen beherbergt auch 2 Zöglinge jüd. Eonfession. Die Parität der israel. Glaubensgenossen mit den evang. und kathol. ist in allen Zweigen des Unterrichts durchgeführt. — Bei der Gcmeinderathswahl unserer 'Residenz war in den meisten Wahlvorschlägen Hofrath Dr. Adolf Levi, der sich ausschließlich philanthropischen Arbeiten widmet, vertreten, was bei den modernen Antipathieen gegen uns freudig zu begrüßen ist. Oesterreich-Ungarn. Pest. 30. November. (Privatmitth.) Die leidige Schulfondsangelegenheit ist noch immer eine offene Frage und so lange dieselbe nicht endgültig ist, für die ungarische Judenheit auch eine offene Wunde, denn der ganze Parieistreit dreht sich doch hauptsächlich um die Verwendung und Nutznießung dieses Fonds. Die Errathung der auch die Regelung der israelitischen Gemeindeverhältniffe bezüglichen Petitionen wurde in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses von Csanädy, einem Mitglied der äußersten Linken, wieder einmal urgirt. Der Referent erklärte sich bereit, tvann immer über die Angelegenheit Bericht zu erstatten, da er sie gründlich studirt habe. Der Präsident des Petitionsausschusses jedoch meinte, man müsse auch den neugewählten Mitgliedern des Ausschusses Gelegenheit bieten, die Sache kennen zu lernen. Die Berathung möge daher bis zu diesem Zeitpunkte verschoben werden. Dieser Antrag fand allgemeine Zustimmung. Jacob Ritter von Lünyi, der beinah ein Jahrzehnt Präses der hiesigen israelitischen Gemeinde war, ist vorgestern im Alter von 63 Jahren gestorben. Jüngst starb hier ein Mann, Namens Jacob Nei ck, der einen bedeutenden Theil seines Vermögens, c. 20,000 fl. den verschiedenen hiesigen israelitischen Wohlthätigkeitsanstalten vermachte. Das hiesige israelitische Knaben-Waisenhaus wurde dann mit 8000 fl. bedacht. Frankreich. Paris, l.December. Die Deputirtenkammer beschäftigte sich heute mit dem Anträge von Maigen auf Abschaffung des Gesetzes vom 18. November 1814, das die Arbeit an Son- und Feiertagen verbietet. Der clericale Abg. Keller trug auf Erhaltung des Gesetzes und Ausdehnung auf die öffentlichen Bauten, die Eisenbahnen, die Post und den Telegraphen an. Maigen erwiderte, es handle sich nicht darum, irgend Jemand die Ruhe zu rauben, aber jedem die Freiheit zu geben, nach seinem Willen zu arbeiten und zu feiern, ohne den übrigen einen bestimmten Ruhetag vorzuschreiben. Man habe nicht das Recht, die Protestanten und Israeliten zu zwingen, die religiösen Feste zu feiern, die sie nicht anerkennen. Man würde es unsinnig finden, wenn man die Katholiken zwingen wollte, den Freitag der Muselmänner zu feiern. Die wahre Frage sei die der Gleichheit der Culte vor dem Gesetz. Dem Staat und den großen Eisenbahngesellschasten stehe es vollständig frei, ihre Werkstätten am Sontag zu schließen. Aber einer Kirche dürfe man die Beobachtung der Riten nicht aufzwingen. Die Aufhebung des Gesetzes von 1814 wurde mit 335» gegen 102 Stimmen angenommen. Mir haben aus der Rede des Abg. M a i g e n nur das hervorgehoben, was sich auf die Gleichstellung der Culte bezieht. Seine schweren Anklagen des Katholicismus, wie sie zum Theil die „Köln. Ztg." wiedergiebt, übergehen wir, obschon die ultramontane Presse, wenn eine Rede gegen das Judenthum und die Juden Vorlage, sie mit Jubel aufnehmen und ausführlich mittheilen tvürde. Bei der Schärfe, welche auch in Frankreich der Kamps gegen den Cleriealismus angenommen hat, und bei der überwiegenden Mehrheit der Volksvertreter, die auf Seiten der Anticleriker steht, wiederholen wir immer wieder die Frage, mit welchem Rechte man in Deutschland uns Juden für den Culurkampf verantwortlich macht, der in allen modernen Staaten entbranntist, als eine rrothwerrdige Folge des Gegensatzes zwischen der politischen und der kirchlichen Herrschaft? Redact. d. A. Z. d. I.) Rumänien. Bukarest, 27. November. Die Nevisionskammern sind geschlossen und dafür die gewöhnliche Session durch eine Thronrede eröffnet worden. Fürst Karl sagt darin: „Unsere auswärtige Lage ist bezüglich der Gegenwart günstig, und wir dürfen mit Vertrauen in die Zukunft blicken. bi