Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1879)
- Date
- 1879-12-16
- Page
- Seite 804 (sequence 4)
- Language
- German
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804 übrigen Berufen und Gewerben ausschloß. So näherten und verbanden sich die jüdischen Geister der arabischen Welt, als diese einem höheren Genius folgte, und selbst in der christlichen Welt wirkten und arbeiteten sie während des Mittelalters, wo und sobald ihnen nur ein Plätzchen gegönnt war, z. B. in Italien. Ncnan konnte dies aus der bekannten Arbeit Schleiden's erfahren, die, wenn sie von christlicher Seile als zu günstig gesinnt angesehen wird, doch so viele unleugbare Thatsachen zusammcnstellt, daß das allgemeine Resultat sicher ist; auch aus Hyrtl, daß die Juden die Kenntniß der Anatomie von den Arabern den Europäern überlieferten (s. den laus. Jahrg. S. 249. 260). Wir können daher die Auffassung und Darstellung Renan's nur als eine völlig unhistoweit, daß jeder Christ, der noch das mosaische Gesetz strenger oder laxer befolgte/ aus der Glaubensgemeinschaft ausgeschlossen wurde. Und nun richtete sich der Strom der Heidenchristen rückwärts nach Judäa, um die Juden zu bekehren. Da dies keine» Erfolg hatte, so wurde man gegen die Juden imnier feindseliger gesinnt. Damals entstand auch, wie Renan zeigt, daß man die Juden für die Kreuzigung Jesu verantwortlich machte, tooran weder Petrus, noch Jakob, noch der Verfasser der Apokalypse "gedacht, die den Tod Jesu nur als ein Verbrechen des Pilatus und einiger Pharisäer ansahen. Die neuen Christen brachten Disputationen mit den Juden auf, um diese zur Aenderung ihrer Ueberzeugung zu bringen. „Hierzu", wie Renan sagt, „marterten die christlichen Exegeten rische bezeichnen, die deshalb auch die aus der Einseitigkeit die Uebersetzung der Septuaginta, um daraus zu ziehen, was entsprießende Frucht trägt, nämlich die Erfolglosigkeit, die nach ihnen paßte, und überhäuften die neuen Uebersetzer mit Schimpfallen Mühen resultatlos bleibt. Es würde uns zu weit führen, Worten, weil sie die Argumente abschwächten, die ntan zu haben auf mehrere kleinere Jrrthümer, in welche Renan hier verfällt, wünschte; noch mehr, sie fälschten einige Stellen (Beweise einzugehen. Wir bemerken nur, daß es irrig ist, wenn Renan werden angeführt), und wenn die Juden protestirten, daß die Schwierigkeiten, welche die Talmudisten dem Uebertritt solches in ihrem Texte gar nicht zu finden wäre, beschuldigte zum Judenthum aufstellten, dogmatischer Unduldsamkeit zuman sie, daß sie ihren Text aus reiner Bosheit verstümmelt schreibt. Sie hatten vielmehr so bittere Erfahrungen mit den hätten." Die zelotischen Christen fabricirten selbst Documente, Proselyten gemacht und wurde jeder solcher Fall von ihren wie ofsicielle Register von ^.uirinius, einen Bericht des Pi- Gegnern zu so harten Verfolgungen mißbraucht, daß sie nicht latus an Tiberius (wir fügen hinzu das bekannte Capitel in Vorsicht genug empfehlen konnten und nur einer wirklich Josephus). Wir hätten gewünscht, daß Renan die Schrift constatirten Ueberzeugung den Uebertritt gestatten wollten. des Di*. M. Friedländer: „Patristische und talmudische Werfen wir nun noch einen flüchtigen Blick auf das letzte Studien", die wir Jahrg. 1878 S. 595 besprochen haben, Capitel, das Renan in seinem Buche dem Judenthum widmet, gekannt hätte. Ist es doch offenbar, daß die meisten dieser das XIV. (p. 259—289). Renan beliebte es zu über- Disputationen nur erdacht waren, eine apologetische Form; schreiben: „Der Haß der Juden und der Christen" (La hainc sonst hätten sich die Disputanten nur die einfältigsten Juden de* Juifs et des Chrctiens). Wir verargen dies dem bezu Gegnern ausgewählt. Dies ist aber Alles, was Renan rühmten Verfasser gar sehr. Wir scheuten uns fast, das über ein gehässiges Verhältniß zwischen den Juden und den Capitel zu lesen, da wir darin Enthüllungen über schweren Christen jener Zeit anzuführen vermag. Wenn er von Miß- Mißbrauch der Religion auf beiden Seiten zu finden fürchteten. j Handlungen Derer, die zum Christenthum übergehen wollten. Aber zmn Glück bieten sich nur leise Spuren gegenseitiger durch die Juden spricht, so hat er dafür nur verdächtige unliebsamer Gesinnung dar und das Capitel hätte eigentlich Zeugen, wie Justinus, und von gegen Christen geübten Feinddem Inhalt entsprechender überschrieben werden müssen, etwa: die Trennung der Juden und der Christen. Wann» also solch' eine Provocation? Es gereicht dies dem Herzen des französischen Autors nicht gerade zur Ehre. Wir stehen im zweiten Jahrhundert des Christenthums. Der unglückliche Aufstand unter Bar-Cochba hatte für die Christen, die sich völlig getrennt und ruhig verhalten, günstige Folgen. Das Christenthum verließ Palästina und schuf überall Colonien. „Diese Colonien", sagt Renan, „hatten die Tendenz, die religiösen Ideen der Länder anzunehmcn, wohin sie verpflanzt worden." Diese wenigen Worte enthalten den Schlüssel zur Geschichte des Christcnthums nach innen und außen. Immer größer wurde die Zahl der heidnischen Christen und übcrwog bald so sehr die aus dem Judenthume entsprungenen Christen, daß sie den letzteren Gesetze vorschrieben. Es kam bald so seligkeiten sind nur vage Anklagen ohne Angabe einer einzigen Thatsache vorhanden. Tie Spaltung war natürlich da; wenn man aber von einem gegenseitigen allgemeinen und dauernden „Haß" spricht, so müssen ganz andere Beweise vorliegen. Im natürlichen Verlaufe der Dinge mußten die Juden, so lange es sich um das Aufkommen der Secte in ihrem eigenen Schooße handelte, eifrig dagegen wirken. Als aber die große christliche Gemeinde erst ihren Mittelpunkt in der heidnischen Welt hatte, lag es den Juden nur ob, sich still bei Seite zu halten und sie hatten keine Veranlassung, zu agiren oder zu reagiren, noch dazu da ihnen die Lust nach Proselyten völlig vergangen war. Die Angriffe kamen also von der anderen Seite, was denn auch aus der Darstellung Renan's überall hervorgeht. Er schließt das Capitel mit der Geschichte des Ebioniten. Und hiermit wollen auch wir uns von ihm verabschieden.