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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-12-09 · Heft 50 (9.12.1879) · p. Seite 796

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 50 (9.12.1879)
Date
1879-12-09
Page
Seite 796 (sequence 14)
Language
German
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796 in populärer und lebendiger Sprache die Nichtigkeit und Un-!Don Kohut's Aruch ist das 2. Heft des 2. Bandes erwahrheit der zahl- und schrankenlosen Anfeindungen dieses schienen, dasselbe reicht bis pp. Werden die folgenden Hefte ultramontanen Blattes, welches die erste und eigentliche Quelle ebenso ausführlich wie die bereits erschienenen bearbeitet, so der ganzen Sturmfluth ist, dar. Es fehlt nicht an glücklichem dürfte das Werk c. 8 "Bände umfassen und auf wenigstens Humor und wird so die Leser befriedigen. — ■ ’ j 60 Gulden zu stehen kommen. Unter dem Titel „mm n>7l Pest, im November. (Literarische Notizen.) Vor das Judenthum der Neuzeit" veröffentlicht Hr. 0r. L. H. Reich, einigen Wochen erschien 'unter dem Titel Biiles Nathan die L)berrabbiner in Wieselburg, Vorlesungen, von denen das erste ungarische Uebersetzung von Lessing's Nathan der Weise.! 2. Heft jüngst die Presse verlassen hat. (Wien 1880). Es i)ie Uebersetzung, welche Herrn Anton Zichv, Mitglied der^ sind das eigentlich religiöse Reden, welche sinnige Auslegungen ung. Academie der Wissenschaft, zum Verfasser hat, wird als eine ganz vorzügliche gerühmt. In einer ebenfalls von Zichy veröffentlichten Abhandlung über Lessing wird auf dessen Verhältniß zu Moses Mendelssohn gebührend Rücksicht genommen. von Talmud- und Midraschstellen enthalten; in der Wahl der Bilder ist Redner nicht immer glücklich. Die Vorlesungen erscheinen bereits in 2. Ausl., der beste Beweis, daß sie einer freundlichen Aufnahme sich zu erfreuen haben. Kg. Ieuillel o. n. ^ns dem Volksleben mit seinen Lichtnnd ächirttensciicn. X. Wien, 11. November.! (Nach der N. fr. Pr.) \ Im israelitischen Bethause zu Bruck an der Leitha fand' an einen: Sabbath bei der Neligionsübung, zu der sich die kleine Gemeinde eingefunden hatte, eine wenig erbauliche Scene statt. Die Thora-Rolle war geöffnet und der Schächter- Moritz Maier, der an Stelle des abwesenden Vorbeters sungirte, las aus derselben die Wochenabschniite vor, zu deren ' jedem ein anderer Besucher vorgerufen wurde. ' Herr Maier i machte sich nun hierbei einer Rancüne schuldig. Er hatte, den: j Brauche gemäß, nach jedem Abschnitte Segenssprüche über den Vorstand der Genreinde und dann über den Mann, der vorgerufen war, zu sagen. Da aber Maier dem zweiten Vorsteher- Herrn Leopold Pollak, in Folge vielfacher Verstimmungen, abhold war, erwähnte er innner nur des ersten Vorstehers, Herrn Emanuel Toch. Der so Zurückgesetzte schluckte den Ingrimm darüber in sich hinab. Zu dem letzten Capitel nun wurde Herr Pollak vorgerufen. Jetzt blieb seinem Feinde keine Wahl; er mußte nach beendeter Vorlesung auch über ihn den Segen sprechen, da dieser ja jetzt auch in anderer Eigenschaft ein Recht daraus hatte. Allein Pollak wollte auf diese nothgedrungene Ehrenbezeigung nicht warten; er verließ rasch den Platz vor der Thora, warf mnnuthig den Talles (GebetmanteN ab und schickte sich an, vorzeitig aus dem Bethause zu gehen. Ta nun sagte Maier ganz laut: „Weil hier keine „Petite" *) zu machen sind, so bleibt er nicht hier; wären hier „Petite" zu machen, so wäre er dageblieben." „Petite" heißt nach der Erklärung der Anklageschrift: „Schwindel, Betrug, Zahlungs- 1) Anmerkung des (5orr. Loll wohl „Pleite" — Flucht, Bankerott heißen? Unfähigkeit." Pollak blieb auf diese Beleidigung die Antwort nicht schuldig; er sagte: „Mit einem sofchen Poscheh Israel bet' ich nicht." Wie die Altklageschrift mittheilt, bedeutet „Poscheh Israel" Auswurf unter den Israeliten oder nach einer milderen Version „Glaubensabtrünniger." Dieser Streit erregte großes Aergerniß unter den Anwesenden, und die Folge davon war, daß Beide, Maier und Pollak, sich heute wegen Vergehens des § 308 vor Gericht befanden. Es war dem Vorsitzenden, Landesgerichtsrath Gras, nicht leicht, ein klares Bild der Gebräuche im Vcthause zu gewinnen, insbesondere da die Angeklagten sowohl als die Zeugen Personen niederer Bildungsstufe waren und daher die Aufklärung darüber nicht sehr gewandt zu geben vermochten. Was den Sachverhalt betrifft, so versicherte Mai er, daß Pollak und seine Freunde ihn von jeher nicht leiden mochten und sogar bei dem Ober- Raböiuer des Bezirkes ihm die Befugnis; zum „Schächten" entziehet: tvollten. Die Ursache bestehe darin, daß sie wollten, er solle mit seinen: Hern:, einen: Fleischhauer, reden, damit er ihnen „die Haut'" verkaufe; da er es aber nicht gethan, so seien sie ihm böse. Pollak dagegen schilderte sehr herzbewegend den Unmuth, den er empfand, als Maier sechsmal ihm den Segen, der ihm gebührte, vorenthielt. Der Vorsteher Emanuel Toch giebt an, daß er es gewesei: sei, welcher der: Vorleser jedesrnal anwies, wen er aufzurusen Habe. „Haben Sie das hebräisch gethan?" fragte der Präsident. „Rein", antwortete Toch, „in der gewöhnlichen Muttersprache." Ueber das vorzeitige Verlassen der Thora durch Pollak giebt der Zeuge folgendes Gutachten ab: „Nach orthodoxe Sachen halt' er sollen warten, bis der Vorbeter ihm wird den Segen geben; vorgeschriebe» ist es nicht. Hier in Wien kornint es nicht vor, daß Jemand wartet, bis ihm der Segen gegeben wird." Auch erzählt Herr Toch noch von einem anderen Attentate, das Maier gegen den Vorsteher Pollak geübt. Als nämlich

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