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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-12-09 · Heft 50 (9.12.1879) · p. Seite 795

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 50 (9.12.1879)
Date
1879-12-09
Page
Seite 795 (sequence 13)
Language
German
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795 Abraham Halfon zum rumänischen General-Consul in der Türkei ernannt und seine Bestallung vom Fürsten unterfertigt worden. — Bonn, 23. November. (Literarische Notizen.) I)r. Augu st Wünsche, der bereits durch mehrere Schriften seine Kenntniß der talmudischen, besonders der Midrasch- Literatur erwiesen hat, beabsichtigt in der Perlagshandlung von Otto Schulze eine „Bibliothe<-a Eabbinica. eine Sammlung der ältesten Midraschim in deutscher Uebersetzung" herauszugeben. Die Bedeutung eines solchen Unternehmens, besonders wenn die Uebersetzung zutreffend und fließend ist, brauchen wir hier nickt auseinanderzusetzen. Zuerst soll der 'Midrasch Rabboth erscheinen und zwar Zu B'-veschith in fünf und zu' Xcbelmb in zwei Lieferungen zu je 6—7 Druckbogen' Der! Subseriptionspreis jeder Lieferung ist 2 Mark, und wird der Preis später bedeutend erhöht werden. Die erste Lieferung wird, wie uns l)r. Wünsche miltheilt, im Januar 1880 erscheinen. Wir macken unsre Leser aus dieses Unternehmen aufmerksam und wünschen, daß es durch zahlreiche Subscription befördert werde. — Von Llppe's „Bibliographisches Lericon der gesanunten jüdischen Literatur der Gegenwart und Adreß-Anzeiger" ist die dritte Lieferung erschienen, die von Herzfeld bis Lazarus reicht. Der Sammelfleiß des Herausgebers ist anzuerkennen; nur müßte da, wo nicht blos Namen und Titel angeführt iverden, nicht ein so schreckliches Deutsch geschrieben werden. — Des Greifes Erzählung. Bon Gustav Eckers. Berlin, Elwin Staude, 1880. Unsre Pater und! wir in unsrer Jugend ergötzten uns an den lieblichen Idyllen „Luise" von Poß, „Hannchen und ihre Küchlein" von Eberhard u. s. w. Der „Greis", der hier erzählend aufiritt, muß sich dessen erinnert haben; aber tver erfreut sich noch an^ Idyllen!? Er wählt sich daher Zum Gegenstand seiner Hexameter und seiner Pastorenconferenz, welcher auch eine Verlobung mit „Hannchen" entspringt — die neuesten „Ent- , hüllungen aus ägyptischer Bilder- und assyrischer Keilschrift", den ganzen Wirrwarr der Etymologien der alten Völker-! namen, die ganz einfach und als unbedingte historische Wahrj heiter» in Hexameterform abgeschnurrt werden. So wird z. B. Kassel in Kazalle, „Hauptort in den» Gebirge", gefunden und das hessische Wappen, der aufrechtstehende Löwe, dadurch erklärt, daß die Kalten in» Libanon Löwen mit ihren Pfeilen, erlegte»». Wir glaubten einen Augenblick, eine Doppelsatyre; auf die heutige Poesie und die gegenwärtige etymologische' Wissenschaft vor u»»s zu haben. Hierzu aber ist Alles zu^ langtveilig u»»d ernst, so daß wir nach den ersten vier Seiten j nicht weiter lesen konr»ten, obschon wir sahen, daß weiterhin« Moses und die Israeliten eine Nolle spielen. Der Titel, der, den Inhalt des Büchleins nicht verräth, hat etwasWahres,^ der»n es ist „greisenhaft", wie »nan von uralten Menschen. sagt: sie seien kindisch geworden. — Die Lehrsätze des neugermanischen Judenhasses, init beso»»derer Rücksicht auf W.Marr's Schriften, historisch und sachlich beleuchtet von Ludwig Stern, Schuldirector in Würzbürg. Würzburg, Stahel, 1879. Wir gestehen offen, daß »vir, tvie es auch in unsrer Besprechung (Nr. 12 ausgedrückt wurde, von vorn Hereinder Marr'schen Broschüre keinen Ernst abgewinnen konnte'.. Wir haben die Existenz des Judenhaffes besonders in Teutschlaitd zu aller Zeit zu constatiren gehabt. Auch waren »vir stets der Ansicht, daß es für uns nützlicher sei, wenn die Geg»»er in ihren» Groll in das äußerste Extren», in die tvüthigstc Uebertreibung verfallen, »veil dann selbst den» Porurtheilsvollen die Unwahrheit, die gemeine Leidenschaft, die Unsittlichkeit solche»» Gebahrens klar »verden »nüßte. Es erschien u»»s nun das Pamphlet Marr's geradezu komisch. Es »var zu lächerlich, der großen de»itschen Nation einreden zu »vollen, ihr „Ende" fei gekornmen durch den „Sieg des Jude»»thums über das Gerrnanei»thun»", die ganze deutsche Nation in allen ihren Lebenselernenten, in allen Produkten ihres Geistes sei „verjudet"! Wir konnten ur»s nicht der Meinung entschlagen, daß jeder ernste Deutsche diese Ausbrüche leidenschaftlicher Verblendung belächelt», oder sich darüber ärgern »nüffe, tvenn er nicht eben noch einen Kitzel für der» in ihn» schlu»»»»ner»»den Judenhaß darin fände. Wir sind dieser Meinur»g noch he»»te. Der äußerliche Erfolg jener Brochüre -- 10 Auflagen, deren Höhe aber fraglich ist — hinderte uns darin nicht. Wir haben »vohlfeile kornische Schriftchen 40 und rnehr .'luflagen erleben sehe»». Bestärkt »vurden »vir darin, als wir sahen, daß selbst be»vährte Judenfei»»de in ihrer» Organen n»»r geringes Geivicht auf das Marr'sche Machwerk legten und es sich nur gefallen ließen, »veil es doch immerhin gegen die Juden schürte. Nichts desto tveniger sind »vir der» Männern Dank schuldig, »velche mit Entgegnungen und Widerlegungen hervortreten. Tenn leider lagen in Deutschland die Verhältnisse gerade so, daß Marr trotz seiner »vahntvitzigcn Extravaganz die Stimmung noch mehr verbittern konnte, und tver verbürgt, daß trotz seines Eiertarizes auf.der» geschichtlichen und gegentvärtigen Zuständen nicht manche falsche Ansicht und historische Unwahrheiten sich längere Zeit aus ihn» fortpflanzen dürsten. Unter den bisher erschienenen Entgegnungen »liimiit die vorliegende Schrift unstreitig den ersten Platz ein. Sie ist mit vieler Sachkenntnis;, mit Schärfe und in lebhafter Sprache abgefaßt, u»»d verfolgt Marr Schritt vor Schritt bis in seine dunkelsten Schlupfwinkel. Wenn »vir etrvas anders getvünschr hätten, so »väre es, daß der Vers, statt des predigcrartiger» Schluffes eine gedrängte, nachdrückliche Zusanrmerrsaffung deffer», »vas er Ma»-r nachgcwiesen, ans Ende gestellt hätte. Möge diese Schrift eine recht »veite Verbreitung sinder»! — Wir erhalten soeben eine abermalige Streitschrift: .Juden tlnd Juderihetze von Enodatus. Loebau, Skrzeczek. ie ist insbesondere geger» die „Gerrnania" gerichtet und legt

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