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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-12-09 · Heft 50 (9.12.1879) · p. Seite 793

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 50 (9.12.1879)
Date
1879-12-09
Page
Seite 793 (sequence 11)
Language
German
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793 Hasses schon längst ausgespielt haben, wenn er nicht auf allzuviel Haß träfe, der ihn unterstützt. —. Wie lebhaft das religiöse Bedürfnis in unseren Glaubensgenossen ist, zeigt Folgendes: Eine Anzahl jüdischer Bewohner der Oranienburger Vorstadt hatten sich zusammengefunden, um einen Verein mit dem Zwecke ins Leben zu rufen, in der genannten Stadtgegend eine Religionsschule für die Jugend beiderlei Geschlechts, sowie einen regelmäßigen Gottesdienst an Sabbathen und Festtagen, wie an den Jahrzeiten der Vereinsmitglieder, herzurichren und zu erhalten. In einer zahlreich besuchten Vorversammlung am 2$. v. M. hatte sich der Verein als solcher constituirt und ein Conutö mit der Ausarbeitung der Statuten und der weiteren Gewinnung von Mitgliedern, sowie mit Einberufung der General-Versammlung beauftragt. — Am 2. Dec. Abends findet eine Generalversammlung der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums statt, in der es sich um einige Statutenveränderungcn handelt. Nach Beendigung wird Prof, Lazarus einen Vortrag über die Frage halten: „Was ist national?" — Leipzig, 26. November. Aus den letzten Protocollen des Ausschusses des deutsch-israelitischen Gemeindebundes ersieht man, daß von dem Lessiag-Akendelssohu-Gedenkbuch eine zweite Auslage beabsichtigt wird, nachdem die erste von 2<X0 Expl. nahezu vergriffen ist. Auch wird mitgetheilt, daß durch Annahme des Dessauer Gcineindevorslandes Dotat'.on des Mojes Mendelssohn Hauses mit einem von der Familie Mendelssohn geschenkten Capital von Ai. 30,000 — zur Herstellung eines Asyls für Mische Gelehrte unter Controlle des Gemeindebundes perfect geworden. Luslau, 25. November. (Privatmitth.) Die Abneigung gegen die Simultanschule, welche der gegenwärtige Unterrichtsminister von Puttkammer im Gegensatz zu seinem Vorgänger offen ausgesprochen und dadurch bcthätigt hat, daß vorkommenden Falls schon auf die Petition einiger Betheiligten die Beseitigung bestehender Simultanschulen genehmigt und gefordert wird, bewirkt, daß von vielen Orten derartige Petitionen an den Minister gerichtet werden. Man läuft Sturm und kommt cs dabei auf die Zahl der Stürmenden nicht an. Wie leicht es aber ist, einige Familienväter zu einer solchen Petition zu bewegen, sieht nunt leicht ein. hiesige kleine <^tadt hat 250'j Einwohner, worunter 2iO«> .Katholiken, 320 Juden und SO Protestanten. Die Simulrauschule wird von 367 katholischen, 46 jüdischen und 6 protestantischen Bindern besucht. Es sind an der Schule 4 katholische, l jüdischer und l protestantischer Lehrer angestellt. Dies genügt, um einige Ultramontane zu einer Petition um Beseitigung der Simultanschule, d. h. um Beseitigung des jüdische» und des protestantischen Lehrers zu veranlassen, was natürlich nicht geschähe, wenn die mittelbare Anregung nicht von oben gekommen wäre. Man hat also die Juden veranlaßt, ja zum Theil genöthigt, ihre Schule aufzugeben, und; nun will man die Schule katholisiren, so daß die jüdischen und protestantischen Schüler nur geduldet und eines katholischen 1 Unterrichts zu genießen gezwungen werden! Jedenfalls wird man den Zustand des Unterrichtswescns nicht rühmen können, in welchem während eines einzigen Jahrzehends drei entgegengesetzte Windrichtungen und zwar auf ganz gesetzlichem Wege herrschen können. Osnabrück, 26. November. kPrivatinitth.) Auch die hiesige Umgegend hat eine besonders heftige Agitation 'zum Judenhasse erfahren. Um so auerkennenswerthcr ist es, daß die „Osnabrücker Zeitung" — an der und für die kein Jude arbeitet — in unparteiischester und nachdrücklichster Weise die Bertheidigung des schwächeren Theils unternommen und z. B. in jüngster Zeit in 2 Nummern die gegen die Juden vorgebrachten Anklagen ausführlich beleuchtet und widerlegt hat. Sie geht dabei ganz unbefangen zu Wege und es leuchtet daraus so recht hervor, daß es nicht von einem Fortschritt in Bildung und Gesittung zeugt, wenn eine, auf gar keinen Thatsachen, sondern auf böswilligen Verleumdungen beruhende Abneigung sich so schnell verbreiten und die Geister einnehmen konnte. Darum zweifache Ehre und aufrichtigen Dank Denen, und in unsrem Falle der ./Osnabrücker Zeitung," welche dem wilden Anprall der Hetzer tuit Wuth und Einsicht entgegentreten! Lehrer Maus ba eher. Hamburg, 24. November. Die öffentlichen Blätter haben über das große Vrandungkück, das jüngst in Hamburg stattgefunden, berichtet. Die „Altonaer Nachrichten" theilen nun Folgendes mit: Ein Act der crsiliütterbsten Art vollzog sich gestern Mittag um 12 Uhr auf dem Friedhof der hamburgischen Jsraelitengemeinde an der Bismarckstraße in Ottensen. Es fand daselbst die Beerdigung von acht bei dem großen Brandunglück in der Wexstraße auf so entsetzliche Weise um's Leben gekommenen Personen, sämmtlich weiblichen (Geschlechts, statt. Schon in aller Frühe war eine nach Hunderten zählende Menschenmenge, allen Eonfessionen angehörig, von Hamburg und Altona nach dem Kirchhof hinausgepilgert, um den Verunglückten die letzte Ehre zu erweisen. Die acht Särge waren in der vor dem Kirchhof befindlichen Leichenhalle ansgestellt, wohin sic schon Tags zuvor gebracht worden. Nachdem die rituellen Gebete gesprochen, hielt der Oberrabbincr in Hatnburg, Iw. Stern, eine Rede, die er nur wortweisc hervorzubringen im Stande war, da Schluchzen und Thränen seine Stimme erstickten; auch von den Versammelten blieb kein Auge thräncnlcer. 'Nachdem diese Rede geendet, folgte eine Ansprache von Dr. Katzenstein (Hamburg), dessen Schülerinnen drei der verunglückten jungen Mädchen gewesen. Auch dieser Redner konnte vor Schluchzen und Weinen kaum ein Wort hervorbringen. Nachdem die einfachen aber ergreifenden Feierlichkeiten beendet waren, fand die üü

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