Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1879)
- Date
- 1879-12-02
- Page
- Seite 777 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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777 Rumänien. Bukarest, 22. November. Die „N. fr. Pr." schreibt: Nach Meldungen aus Bukarest haben sich bisher 130 rumänische Juden im Sinne des neuen Gesetzes um das rumänische Bürgerrecht beworben. Ihre mittelst landesfürstlicher Botschaft dem Hause zugeleiteten Petitionen wurden, der Hausordnung gemäß, dem Petitionsausschusie überwiesen und dürften somit erst in der am 27. November beginnenden ordentlichen Session der beiden Kammern zur Austragung gelangen. (Das ist eine kleine Zahl von einer Viertelmillion Seelen, aber erklärlich theils daraus, daß sich die Juden nicht spalten lasten wollen in Bevorrechtete und in Nechtslose, theils ans dem geringen Vertrauen, das sie auf das Nechtsgefühl und den Freisinn der rumänischen Kammern hegen.) Rußland. Petersburg. Ueber die ackerbautreibenden Juden in Rußland bringt die russische Zeitung Raßwet nachstehende Mittheilungen: Im Jahre 1858 zählte man im Königreiche Polen allein 28,391 jüdischer Ackerbauer. Im neurussischen Gebiete existirten schon 185)9 35 Ackerbaucolonien mit einer jüdischen Bevölkerung von 26,896 Personen, die ein Areal von 20; >,608 Dcßjätinen inne hatten. In den Gouvernements Kjew, Wolhynien und Podolien bestanden im Jahre 1869 50 Colonien mit einer Bevölkerung von 20,665 Personen. Zusammen mit den jüdischen Ackerbauern in Klein- und Weißrußland, im Kaukasus und in Transkaukasien veranschlagt das Blatt die Gesammtzahl der jüdischen Ackerbauern auf etwa 10< ),0; 0. (Alan darf hierbei nicht übersehen, daß der Ackerbau den Juden in Rußland nur in dazu gebildeten Colonien, sonst aber der Erwerb ländlicher Grundstücke versagt ist. Man kann daher mit Recht aus obigen Zahlen den Schluß ziehen, welch' großer Procentsatz der russischen Juden sich dem Ackerbau widmen würde, wenn ihnen der Betrieb desselben srcigegebcn wäre. Ucbrigens kann man die jüdischen Ackerbau-Colonicn! im südlichen Rußland schon auf den größeren Karten mitten zwischen den deutschen angegeben finden. Redact. d. A. Z. d. I.) Amerika. Ntw-Aork, 9. November. (Privatmitt.) Nachdem vor einigen Monaten die Pensionirung des Rabbiners Iw. David Einhorn wegen Altersschwäche und Kränklichkeit und daß er am 12. Juli seine Äbschiedspredigt gehalten, gemeldet worden, haben wir heute leider über seinen am 2. d. erfolgten Tod zu berichten. Nach längerem Leiden ist er sanft entschlafen.! Geboren am 10. November 1809 in einer kleinen bayerischen Ort- I schaft, frühzeitig im Talmud unterrichtet, studirte er 1828—1834 : in Erlangen, Würzburg und München. Nach einander fungirte er als Rabbiner in Birkenfeld und Mecklenburg-Schtverin, nahm Antheil an den Rabbiner-Versammlungen zu Frankfurt a. M. und Breslau, war einige Jahre Prediger in einer Reformgemeinde in Pest, die 1849 auf Befehl der Negierung sich auflöste, 185)5 ging er nach Amerika und war der hochgeachtete Rabbiner einer Gemeinde in Baltimore. Bei dem Ausbruch der Sclavenfrage zwischen dem Süden und dem Norden trat er mit jener Wahrheitsliebe und Unerschrockenheit, die ihn auszeichncten, für die Abschaffung der Sclaverei ein, was für ihn mit persönlicher Gefahr verbunden war, und wodurch er gezwungen wurde, sein Amt in Baltimore aufzugeben. Er fand eine hervorragende Stellung in Philadelphia und seit 1866 an der jetzt „Beth-El“ genannten großen Gemeinde zu New- Dort. Er war ein eminenter Talmudist, ein aufrichtiger, besonnener Reformer, ein begeisterter Verfechter des Judenthums, der für dastelbe in die Schranken zu treten, alle Zeit bereit war. Weniger hervorragend war er als Schriftsteller sowohl in deutscher als hebräischer Sprache. Sein „Princip des Mosaismus" und seine Zeitschrift „Sinai" konnten sich eine ausgedehnte Anerkennung nicht erwerben; dagegen hat die Gestalt, die er in seinem Gebetbuch dem Synagogencultus gab, in Amerika viele Anhänger gefunden. Er war ein ausgezeichneter Charakter, dem seine Ueberzeugungstreue über Alles ging, wenn auch etwas leidenschaftlich. Friede seiner Asche! Bonn, »6. November. (Notizen.) Man schreibt uns aus Darmstadt: Man sicht hier mit vielem Interesse auf die Nabbincrwahl in Mainz, da die dortige isr. Gemeinde die größte und bedeutendste im Großherzogthum Hessen ist. Ais jetzt haben daselbst vier Candidaten Probepredigten gehalten: Aus Aschaffenburg a.M. ist die Kunde von einer in der dortigen, aus ungefähr 60 Mitgliedern bestehenden isr. Gemeinde stattgehabten Austritts-Affaire zu uns gelangt, die wahrhaft Staunen erweckt. An der Spitze der dortigen Gemeinde steht ein echt orthodoxer Rabbiner, Or. Adler; dennoch sind vor Kurzem ungefähr 16 Mitglieder strengorthodorer Richtung aus der Hauptsynagoge ausgetreten und haben sich einen eigenen Gottesdienst eingerichtet. Herr i>r. A. pflegt nun am Sabbath Morgens zuerst den Gottesdienst der streng« orthodoxen zu besuchen, dann um 10 Uhr die Hauptsynagoge, um seines Amtes zu warten. Das heißt in der That b*/ „die Last des Rabbinats tragen." — Die „Germania" 0) erzählt der „Schlcs. Volksztg. (!!; Folgendes nach!^ In Brieg hatte ein christlicher Menschenfreund einer Frau 15)0 M. geliehen, von denen monatlich-9 M. Zinsen gezahlt werden mußten. Als der Biedermann kürzlich wegen Deckung der Schuloforderung eine Pfändung in der Wohnung 4U