Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-12-02 · Heft 49 (2.12.1879) · p. Seite 775

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 49 (2.12.1879)
Date
1879-12-02
Page
Seite 775 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227231-3227281--37644-3257062
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

tragt: „Trotzdem tn Breslau 90,000 Katholiken wohnen, fafj in der städtischen SchulcomMission bisher kein einziger Katholik, sondern 6 Protestanten, 5 Juden und ein Nongeaner; endlich hat man nun doch einen Glaubensgenossen in die Commission gewählt." Jedenfalls kann diese Zusammensetzung weder aus Unduldsamkeit noch aus Connivcnzgegen die Juden, die in Breslau nicht sehr groß ist, erklärt werden. Gerade in Körperschaften, wo es hauptsächlich auf Intelligenz ankommt, kann die Confessionalität keinen Maßstab abgeben, wenn es auch nicht mehr als billig ist, daß jede Confession wenigstens einen Vertreter darin habe. Ganz irrig wäre es aber, vorauszusetzen, daß eine ansehnliche Zahl Juden in solchen Commissionen eine besondere Berücksichtigung jüdischer Jnteresien zur Folge habe. Die Wirklichkeit lehrt, daß sehr viele Juden in solchen Aemtern, um nicht den etwaigen Vorwurf, die Juden zu begünstigen, zu erfahren, jüdische Interessen vielmehr hintenansetzen. Diese Erfahrung haben wir so oft gemacht, daß wir sie als durchaus begründet ansehen. Sie paßt freilich nji ch t in den Kram der Judenfeinde, welche es lieben, sämmtliche Juden als Verschworene darzustellen. Glücklicher Weise haben die Wähler eine bessere Ansicht! Stuttgart, 16. November. (Privatmitth.) Da ich in meiner letzten Correspondenz des hier erscheinenden „Neuen deutschen' Familienblattes" Erwähnung gethan, mag cs mir erlaubt sein, auch auf die Nr. 45 der ged. Zeitschrift (vom 9. Nov.1 hinzuweisen, wo der Nedactcur abermals „die Judenfrage" behandelt. Am Schlüsse mahnt er: „Man sei aufrichtig und maßvoll auf beiden Seiten, dann allein ist Aussicht auf eine gedeihliche Lösung." Dies ist ganz schön; aber es ist auch leicht zu sagen, nachdem man eben ganz maßlose Behauptungen ausgestellt oder Anderen nachgesagt hat. Um „aufrichtig und maßvoll" zu sein, muß man vor Allem prüfen, ob das wahr und richtig ist, was man als solches ausgiebt. Wenn nun der Nedacteur jenes Blattes ganz besonders die Präponderanz der Juden in der Presse und in den Abgeordneten-Häusern anklagt und ihnen eine feindliche Intention gegen das Deutschthum und das Chriftenthum zuschreibt, so fragen wir ihn, ob er dies nach einer aufrichtigen Prüfung und mit einem maßvollen Urtheil gethan habe? Hat er sich, was ihm zunächst lag, in Württemberg umgesehen, und will er uns wohl die jüdischen Nedacteure und jüdischen Abgeordneten in Württemberg nennen? j Nicht einen einzigen kann er anführen. Er gehe dann nach; den Nachbarländern Baden und Bayern und er wird uns in letzterem nur einen einzigen jüdischen Abgeordneten nennen können. Ist das eine Präponderanz der Juden? In Sachsen' hat er ebenfalls nur einen einzigen jüdischen Abgeordneten zu | nennen und keinen jüdischen Nedacteur. In sämmtlichen kleineren deutschen Staaten ist kein jüdischer Abgeordneter und feinj jüdischer Nedacteur vorhanden. Und in Preußen? .Bilden etwadie beiden gegenwärtig im preuß. Abgeordnetenhause sitzenden Juden, Straßmann und Marburg, eine Präponderanz unter den übrigen 4M Abgeordneten? Oder im deutschen Reichstage die 5? Sind Laster und Bamberger, so talentvoll sie sind, zwei Zauberer, welche die ganze deutsche Nation in ihrem Banne halten? Sind die paar Zeitungen, welche in Berlin, Breslau, Hamburg und Frankfurt, in den drei letzten nur je eine, von Juden redigirt werden, wirklich den vielen Tausenden von deutschen Zeitschriften an Inhalt und Verbreitung so überlegen, daß man ihnen die Beherrschung der deutschen Presse vindicircn kann? Fühlt, man denn gar nicht, wie sehr man die deutsche Nation heruntersetzt, Ivenn man so abenteuerliche und ungeheuerliche Behauptungen immer und immer wieder in die Welt schleudert und dabei jammert und wehklagt? Ist dies aufrichtig und maßvoll? . . . Will uns also Herr Weitbrecht von seiner Aufrichtigkeit und Mäßigung überzeugen, so gehe er zuvor an eine unparteiische Prüfung der wirklichen Sachverhältnisse. Berlin, 21. November. (Privatmitth.) Ein hiesiges Blatt hat unserer Sache den sehr zweifelhaften Dienst geleistet, ein Verzeichniß derer zu veröffentlichen, welche der „antisemitischen Liga" beigetreten sind. Was thun nun die Gegner? Sie veröffentlichen in der „Kreuzzeitung" und anderswo Drohbriefe, die an Personen, welche in jenem Verzeichnis; genannt sind, gerichtet sein sollen, und die offenbar fabricirt sind, um sie als von Juden ausgcgangen zu bezeichnen. Glücklicher Weise sind diese Briefe so einfältig abgefaßt, daß man sie sofort als erpresse Machwerke erkennt, oder, sollten sie wirklich von Juden herrühren, nur als Scherz und Spott erscheinen. Jedenfalls wird auf diese Weise jener „Liga" in der Oeffentlichkeit »?"ch ein bischen Leben gefristet, das sic in Wirklichkeit gar nicht besitzt. — Aus dem jüngsten Terminkalender für Juristen hat man von ultramontaner Seite herausgefunden, daß in demselben Nefcrcndarien Cohn VI und Friedländer VI vorhanden sind, während die Schulze, die früher bis X reichten, jetzt nur noch ll zählen. Sic schütteln darüber die weisen Häupter und halten es für äußerst bedenklich. Köln, 23. November. Die „Köln. Ztg." brachte in ihrem gestrigen dritten Blatte eine ausführliche Besprechung des auch in diesem Blatte reccnsirten Buches „Geschichte der Juden in Köln und Umgebung" von Arisch, und hebt aus demselben einige Bilder aus den Zeiten der Kreuzzüge heraus. Dann sagt sie: „Manche unserer modernen Judenhetzer mögen bedauern, daß die schönen Tage vorüber sind, da man sich der „semitischen Eindringlinge" einfach durch Todtschlagen entledigtes; viele andere von ihnen aber werden, wenn sie in diesen Spiegel der Vergangenheit blicken, vor einem Treiben der Gegenwart zurückschaudern., welches an dem Maßstabe unserer sottgeschrittenen l) Die ultra,uontane „Schles. VolkS-Ztg." hat dies offen auS» gesprochen. Redaktion.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.