Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1879)
- Date
- 1879-11-25
- Page
- Seite 764 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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764 leicht ertragen. Aber von Ihrem Organ mitgenommen zu werden, ohne es verdient zu haben, das schmerzt Wohl. Ich gestatte mir daher. Ihnen eine in der New-Dorker Staatszeitung veröffentlichte Berichtigung zu senden, und um deren Abdruck zu bitten. Sie lautet: „Ich wies in der Convention ausschließlich auf die bedauernswerthen religiösen Verhältnisse unter den auf dem Platten Lande vereinzelt wohnenden Israeliten des Südens hin. In den südlichen Städten — dies wurde ausdrücklich von mir bemerkt und hervorgehoben — werden die größten und hochherzigsten Opfer zur Förderung des Judensthums gebracht. In Städten wie New-Orleans, Galveston, Memphis, Mobile, Montgomery und zahlreichen anderen Orten befinden sich daher auch blühende, jüdische Gemeinden. Wo aber die Israeliten vereinzelt oder in kleineren Gruppen leben, da verkümmere das Judenthum aus Mangel an geistiger Nahrung. Es sei daher die Aufgabe der Union, durch Wanderprediger, Lehrer und Lehrerinnen dem Absterben unserer Religion auf dem Lande entgegenzuwirken. Schließlich fügte ich noch hinzu, daß, was vom verarmten Süden gelte, sich auch vom reichen Westen und Norden mit voller Wahrheit aussagen lasse." Rev. A. Moses. Bonn, 2. November. (Literarische Notizen.) „Das Judenthum und die Religion der Humanität. Vortrag zum 33. Stiftungsfeste der freireligiösen Gemeinde in Mannheim am 17. August 1879 von Carl Scholl. (Leipzig, Friese 1879)". Wenn wir diesem Vortrage die Anerkennung widmen, daß er ebenso anziehend in der Sprache, wie höchst interessant in seinem Inhalte ist, so können wir doch den Titel nicht als völlig zutreffend bezeichnen. Der Redner beklagt sich über die Gleichgültigkeit, welche gegenwärtig betreffs der freireligiösen Gemeinde allseits gehegt werde und ruft diese zu Muth und Vertrauen auf die Zukunft auf. Von hier aus entwirft er ein klares Bild von der inneren Entwickelung der Gemeinde, das er um so eher zu geben berufen war, als er den ganzen Zeitraum hindurch Prediger dieser Gemeinde tvar. Versenkt er sich nun in das Wesen der freireligiösen Gemeinschaft, das er als „Religion der Humanität" bezeichnet: so unterläßt er dies doch hinsichtlich des Judenthums, während wir aus dem Titel auf eine gleiche Betrachtung schlossen. Dies hindert aber nicht, daß wir dem Redner für den Zweck, den er im Auge hatte, danken. Er spricht sich mit aufrichtiger Entrüstung gegen alle die Hetzereien gegen die Juden aus, die in Deutschland fast epidemisch geworden, und bezeichnet sie als eine Schmach unserer Tage. Hauptsächlich sucht er nun darzulegen, daß die Stellung des Judenthums, daß eine gewisse Versöhnung mit dem Judenthume besonders durch die freireligiöse Gemeinde und ihre Richtung befördert worden sei. Wir können dies zugestehen, ohne jedoch den Vorbehalt aufzugeben, daß dieses Ziel doch noch mehr durch die außerhalb der freireligiösen Gemeinde angestellten und vollbrachten Forschungen und durch den allgemeiner gewordenen Geist humaner und tvissenschaftlicher Bildung erreicht worden und ferner zu erreichen ist. Der Verf. macht hierfür geltend: die Forderung der Glaubens- und Gewissensfreiheit für Alle und der Gleichberechtigung, welche die freireligiöse Gemeinde stellte; ferner durch die gleiche Würdigung aller religiösen Anschauungen, durch die Erkenntniß, daß der Stifter des Christenthums ein Jude tvar und sein wollte, und daß daher das gesammte Christenthum tatsächlich eine Tochter des Judenthums sei, daß also zwischen beiden eine Wesenverwandtschaft stattfinde. Der Redner glaubt so in der freireligiösen Gemeinde den Mittelpunkt der Versöhnung und Vereinigung aller Confessionen zu finden, und macht auch den Juden den Vorwurf, um diese Gemeinde sich nicht zu kümmern, und zwar weil sie den Werth der bürgerlichen Emancipation überschätzt. Wir meinen denn doch, daß der hochachtbare Verfasser sich hierin irrt. Die wesentlichen Differenzpunkte bestehen in den beiden Momenten, daß das Judenthum die Lehre vom einzigen Gotte, dem Schöpfer der Welt und von dem consequent daraus fließenden Sittengesetz allen anderen Anschauungen gegenüber unerschütterlich festhält, während der Verf. selbst aussagt, daß in seiner Gemeinde sowohl der Theist als der Pantheist seinen Platz hat, d. h. doch wohl jede beliebige Anschauung von Gott und Welt, und zweitens, daß das Judenthum seine Lehre, die mit dem Verstände und dem Herzen übereinstimmt, auf seine ganze fast viertausendjährige Geschichte, auf die ununterbrochene und einheitliche Ueberlieferung von Geschlecht auf Geschlecht und die in diesen stattgefundenen Entwickelung stützt, während die freireligiöse Gemeinde jede Ueberzeugung nur dem Individuum als solchem vindicirt. Dies sind so bestimmte und so große Differenzpunkte, daß man sich zwar in voller Achtung und Liebe die Hand drücken, jedoch nicht zu einer wirklichen Vereinigung bieten kann. — Geschichte der Juden in Köln und Umgebung aus ältester Zeit bis auf die Gegenwart. Nach handschriftlichen und gedruckten Quellen bearbeitet von Carl Brisch, Lehrer. Erster Bänd. (Mühlheim am Rhein, Carl Meyer, 1879.) Es ist längst anerkannt, daß zum Ausbau der Geschichte nichts nützlicher ist, als gulgrarbeitete Monographien, namentlich der einzelnen durch ihre historische Stellung wichtigen Städte. Hinsichtlich der jüdischen Geschichte kommt hinzu, daß, da größere, ganze Länder umfassende jüdische Gemeinwesen nicht existinen, jede einzelne Gemeinde ihre Geschichte für sich hat, und daß die Schicksalejeder dieser Genieinden sich so gleichen, daß wir in der Geschichte einer einzelnen fast ein Spiegelbild der Geschichte der gesammten Judenheit haben. Eine Geschichte der Juden in Köln, für welche allerdings schon mannigfache Vorarbeiten vorhanden, hat daher eine besondere Wichtigkeit. „Denn", sagt der Verfasser in seinem Vorwort mit Recht, „unter allen deutschen