Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1879)
- Date
- 1879-11-25
- Page
- Seite 762 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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762 reiche, aus Juden und Christen bestehende Gefolge, welches es sich trotz des ungewöhnlich schlechten Wetters nicht nehmen lassen wollte, dem Heimgegangenen die letzte Ehre zu erweisen, von der Hochachtung Zeugniß gab, welche, derselbe in den weitesten Kreisen genoß. Sein Andenken wird sicher bei Allen, die ihn kannten, ein ehrenvolles bleiben. Tholey, 14. Nov. (Privatmitth.) Den politischen Blättern gemäß ist in den, neuen preußischen Staatshaushalte wieder ein bedeutender Fonds zur Verbesserung der Lehrerbesoldungen bestimmt. Abgesehen von dauernden Gehaltserhöhungen hat der neue Cultusminister v. Puttkammer behufs einmaliger Zuwendungen die Summe von 500,000 Mark den Bezirksregierungen re. zur Verfügung gestellt. Zu dieser Summe tritt noch ein Betrag von etwa 48,000 Tlatf zu außerordentlichen Unterstützungen für Elementarlehrer hinzu. Wer nun unter den jüdischen Lehrern zu letzteren gehört, mag er öffentlich angestellt oder auch nur amtlich concessionirt sein, der komme, wenn er nicht unberücksichtigt bleiben will, schon jetzt bei seiner betreffenden Negierung um eine Zuwendung ein. Wir müssen die Behörde daran gewöhnen, auch auf bip" („die Stimme Jacob's") zu hören, d. h. hier auch den unterstützungsbedürftigen oder würdigen israelitischen Jugenderzieher gleich den christlichen zu bedenken. Durch eine eventuelle Abweisung lasse man sick nicht abschrecken. Man gehe weiter! Da wir keine Stiefkinder des Staates sind, so wende man sich — wenn es nicht anders geht — direct an unsren gerechten Landesvater. Ich that so; zeigte dem „dort oben", wie es „hier unten" aussieht, und — es wirkte. Auf ein bezügliches Gesuch an die K. Regierung zu Trier leer ausgegangen, wandte ich mich unterm 5. April c. in einem kurzgefaßten Jmmediatsgesuche direct an Se. Majestät unfern Kaiser und König. Schon am 29. dess. M. ward mir aus der Gcbcimkanzlei des Königl. Cultusministeriums die vorläufige Benachrichtigung, daß mein Gesuch zur Prüfung an die K. Negierung zu T. zum Bericht gesandt worden sei. . . . Noch einige Wochen und unsere Hochlöbl. Negierung ward vom Ministerialdirector Greiff angewiesen, aus dem Staatsschulsonds, wozu, wie allbekannt, auch wir Juden beitragen müssen, der aber — wenigstens bei uns — bisher nur für christliche Elementarlehrer zu bestehen schien, mir durch den Königl. Steuerempfänger 80 Mark auszuzahlen. Was mich dabei freute, waren nicht diese paar Mark, sondern das Vergnügen, die hohe Negierung veranlaßt zu sehen, in ihrem bisherigen Verfahren eine kleine Abweichung eintreten lassen zu müssen. Dies den geehrten College« zur gef. Nachachtung; vielleicht geht's dann auf einmal von selbst. Wollten meine jüdischen Herren College« — was ich hier nachträglich noch betonen will — meinem unmaßgeblichen Vorschläge folgen: so würden wir in Kurzem in einer Collectiveingabe beim Abgeordnetenhaus um völlige Gleichstellung mit den christlichen Volkslehrern, resp. „um Oeffentlichkeitserklärung unserer Schulen" einkommen; dann hörten alle Plagen und Plackereien u. f. w. auf einmal auf. Durch die Herren Vorstände der löbl. „Israel. Lehrervereine" könnte diese dringende Angelegenheit rasch betrieben und noch im Laufe dieser Session zur Ausführung gebracht werden. Der hochgeehrte Herr Redacteur dieser gesch. Ztg. wird uns gewiß gern Rath und Hülfe hierzu leihen. Nach meiner Meinung kommen wir unter der Verwaltung gerade eines confessionell gesinnten Unterrichtsministers weit eher zum Ziele, als unter einem liberalgefärbten. — Also chasak w’nischasak!" G. Sender, Lehrer. Frankreich. Paris, 13. Nov. (nach den Arch. isr.). Hier ist jetzt ein Verein „Literarische und wissenschaftliche Gesellschaft, welcher die Entwickelung der jüdischen Wissenschaft in Frankreich fördern soll, in der Bildung begriffen. Eine desfallsige Aufforderung ist unterzeichnet von James de Rothschild. In einer Versammlung am IO. Nov. wurde ein Comito gewählt. — Daß es auch in Frankreich der Wachsamkeit bedarf, um der daselbst doch schon seit langer Zeit eingewurzelten Gleichberechtigung keinen Schaden zufügen zu lassen, erweist ein Vorgang im General-Rath von Constantine. Eine Commission hatte über die vom Generalgouverneur für die Organisation Algeriens beabsichtigten Reformen, zu berichten. Der Berichterstatter hatte zum Schluß der Klausel hinzugefügt: „Wir glauben bei der Bedingung beharren zu müssen, daß kein Candidat angenommen werden dürfe, der nicht französischen Ursprungs ist, indem zugleich die Israeliten beseitigt sind (Le8 israclites etant ecartes)". Nachdem dies bekannt ge» worden, erklärten einige Mitglieder der Commission öffentlich, daß die Schlußworte bei der ersten Lesung des Berichts gefehlt hätten, andere protestirten dagegen, jedoch sind die Worte bis heute aus dem Berichte noch nicht entfernt, obscbon sie einen Grundartikel der republikanischen Verfassung verleugnen. — Die „Arch. isr.“, da sie vernehmen, daß auch einige deutsche Rabbiner auf die Vacanz in Brüssel reflectiren, plaidiren für einen französischen Rabbiner, theils weil doch in Brüssel ein Redner erforderlich sei, der die französische Sprache in voller Gewalt hätte, theils weil Belgien zu vertvandt mit Frankreich sei. Wir hätten gegen das erste Motiv nichts einzuwenden, wenn es nicht auch viele Franzosen gäbe, die schlechte Redner sind, und das soll sich gerade bei den bisherigen Probepredigten in Brüssel gezeigt haben, wo man noch dazu durch die ausgezeichnete Rednergabe des Herrn Astruc verwöhnt ist. Das zweite Motiv will bei der Wahl eines Rabbiners gar