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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-11-11 · Heft 46 (11.11.1879) · p. Seite 731

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 46 (11.11.1879)
Date
1879-11-11
Page
Seite 731 (sequence 11)
Language
German
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731 menschlicher Scharfsinn sich unablässig müht, diese klare gluth-I reiche Perle auf den Goldgrund des Glaubens zu befestigen; was unsere Vorfahren geglaubt und empfunden, was sie errungen und erduldet, ward, in die flammenden Worte heiliger | Liebe übertragen, zur neuen Gluth, zu neuer Liebe. Herr Dr. Salfeld hat seinen Gegenstand erschöpfend und anziehend behandelt; er hat nicht allein die vorhandenen, zum Theil seltenen gedruckten Kommentare, sondern auch einige zwanzig Handschriften gewissenhaft benutzt. Ausgehend von dein haggadischen Schriftthum, wie es in den älteren Midraschim, in den beiden Talmuden und im Targum zum Hohenliede uns vorliegt, betrachtet er den nur handschriftlich vorhandenen, dem Gaon Saadia zugeschriebenen Kommentar, verfolgt das Hohelied bei den spanischen Grammatikern, beiden deutsch-französischen und spanischen Exegeten, verweilt ganz besonders bei Raschi, Aben Esra u. a. und richtet sodann einen prüfenden Blick auf die vielen philosophischen und kabbalistischen Erklärungen. Eine Zusammenstellung der verschiedenen Anschauungen des Hohenliedes bei den Karäern bildet den Schluß der Arbeit. Die im Anhang beigegebenen Proben aus 24 handschriftlichen Kommentaren, die zahlreichen Wort- und Satzcrklärungen sowie ein, 7 Seiten umfassendes Autorenregister erhöhen den Werth des Buches, das mit außerordentlichem Fleiß gearbeitet ist und von der großen Belesenheit des Verf. zeugt. Von Herrn Dr. L. Mün^, Rabbiner in Kempen (Prov. Posen) erhalten wir: „Drei Reden politischer Tendenz, (Breslau, Schletten, 1879), welche in mehrfacher Beziehung bcachtenswerth sind. Themata Ivie „Volksthum und Menschenthum", „die bürgerliche Freiheit", „die konfessionelle Gleichberechtigung" werden hier vom religiösen Standpunkt in geistvoller Weise behandelt. In einer Zeit, wie die unsere, in der die Hydra des Judenhasses wieder ihr Haupt erhebt, können Reden wie die vorliegenden nicht warm genug empfohlen werden. Dr. Kayserling. Je u lk Correspon-enz. San Francisco, Kalifornien, 1. Oktober 1879. Gemeindezustände. Aus Kalifornien erhalten die Leser Ihres geschätzten Blattes nur selten Nachrichten über jüdisches Leben, was ebensowohl als Zeichen musterhaft geordneter Zustände oder als Zeichen dafür gelten könnte, daß über die hiesigen jüdischen Gemeinden gar Nichts zu sagen sei; was freilich traurig wäre. Von den über ganz Kalifornien zahlreich verbreiteten israelitischen Bewohnern kommen etwa 10,000—I2,<)00 auf die Handelsmetropole des Staates, auf San Francisco. Es bestehen hier sieben Gemeinden und zwar vier orthodoxe, zwei ein Mittelding zwischen Althergebrachtem und Fortschritt und eine mit entschieden zeitgemäßem Fortschritte — die Gemeinden Emanu-El. Die Mitglieder dieser Gemeinde (ausschließlich Deutsche) sind Kinder der Zeit, zählen zu den wohlhabendsten und prominentesten Bürgern hiesiger Stadt, haben viele und vorzügliche Wohlthätigkeitsanstaltcn und erfreuen sich der Achtung ihrer Mitbürger. Was Wunder also, daß diese Gemeinde, so unähnlich! allen andern in dieser Stadt, seitens derselben (der andern Gemeinden) eine in Neid getränkte Beurtheilung erfährt! Die Geschichte der Religionen lehrt, daß in Folge besonderer Ereignisie und der durch Umgestaltung in Anschauung und Begriff erfolgenden Umwälzungen auf religiösem Gebiete, das Alte mit dem Neuen, das Ueberkommene mit dem Lebens- Ce t o n. frischen zusammenschmelzen — Uebergangsepochen entstehen — eine Grundlage für einen der Zukunft angehörcndcn NVub.ru. Wer hierfür in der Geschichte die Belege, ja die überwältigendsten Beweise nicht zu sinden vermag, der stellt sich entweder blind, oder — er ist es. So liegt im Geiste des Mensche» das heilige Recht für allen Fortschritt; denn in der Befähigung, feinen Geist zu bilden und zu vervollkommnen, liegt die Unmöglichkeit geistiger Stagnation. Ausschreitungen Einzelner, wie Felix Adler's und Anderer, widerstreiten nicht dem Segen des Fortschritts. — Zur Ehre der amerikanischen Juden sei erwähnt, daß die Verkündigung der Toctrinen dieses und anderer Herren zugleich das Grabgeläute derselben war. Aus dem Gesagten dürfte deutlich zu ersehen sein, daß wir nicht zu Denen gehören, die in unverzeihlichem Leichtsinne Jahrhunderte, ja Jahrtausende aus dem Leben und der Geschichte des Judenthums streichen wollen, sondern — wir bekennen es mit Stolz — zu Denen, welche dem Zelotismus entgegentrcten und - einer» zeitgemäßen Fortschritte aufrichtig huldigen. Hier, in Kalifornien aber, ist die Bildung noch zu jung, der Boden für sie erst zum Theile urbar gemacht und! bei der Mehrheit sind es nicht selten persönliche Jntcreffcn, materielle Vortheile, die den neuen Anschauungen entgegen sind. Welchen Eindruck ein geregelter Gottesdienst auf ein jüdisch.-fühlendcs Gcmüth hervorzubringen fähig ist, haben wir am jüngsten Rösch Haschanah und Jom-Kippur im Tempel Emanu-El an uns selbst zu erfahren Gelegenheit gehabt. Dieses herrliche Gebäude, mit seinen zwei imposanten Kuppeln 46*

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