Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1879)
- Date
- 1879-11-11
- Page
- Seite 730 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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730 schreiben und von vielen Bürgern der Stadt, sowie von auswärts, Blumenspenden, Geschenke, Briefe und Telegramme eingegangen. Möge der allgemein geachtete Jubelgreis sich noch eines recht langen und glücklichen Lebensabends erfreuen! — Man theilt uns aus Breslau mit: Am 19. d. wurde die 25jährige Amtsthätigkeit des Herrn Rabb. Dr. M. Joel feierlich begangen. An diesem Tage vor 25 Jahren trat Dr. Joel als Lehrer bei dem jüdisch-theolog. Seminar ein, 1863 folgte er Geiger in seinem jetzigen Amte. Einem Festeffen am Vorabend, eine Morgenserenade folgten die Beglückwünschungen des Vorstandes und der Repräsentanten in corpore, der Deputationen vieler Vereine, endlich auch Seitens einer freien Vereinigung von mehr als 400 Gemeindegliedern, welche mit einer kunstvoll gearbeiteten Adresse ein Ehrengeschenk von 37,000 M. überreichten. Außerdem liefen viele Ehrengeschenke von Werth ein. Das Ehrendste für den Jubilar ist, daß Jedermann diese Anerkennung von dem hochachtbaren Seelsorger und Gelehrten für wohlverdient erachtet. Bonn, 2. November. (Notizen.) Es gehört doch wohl zu den Zeichen der Zeit, daß der Braunschweiger Oberschulrath decretirte, in der Aula des neuen Gymnasiums zu Wolfenbüttel, welche durch mehrere Büsten geziert werden sollte, solle die Büste Lessings (der bekanntlich in den letzten Jahren seines Lebens Bibliothekar an der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel war) nicht, dagegen die des Bernhard von Clairvaux aufgestellt werden! Dahingegen hat der Baumeister selbst eine Büste für das Consercnzzimmer des Gymnasiums gestiftet und hat diese hier ihren Platz gefunden. Man sieht, die Kämpfe von 1780 sind ein Jahrhundert später noch nicht beendet. Bonn, 19. October. (Literarische Notizen.) Wir haben in Nr. 38 einer Schrift über die Armenier erwähnt, in welcher unter Anderen: gesagt wird, daß die Armenier das einzige Volk seien, welches, sowohl als Heiden, wie als Christen, die Juden niemals verfolgt, sondern den zahlreichen jüdischen Einwanderern alle politischen Rechte gewährt hätte. Wir erhalten soeben aus Petersburg: „Die Ökonomische Lage der Armenier in der Türkei. Oesfentlicher Vortrag, gehalten am 11. Marz im Tisliser Handwerkerverein in armenischer Sprache von Dr. Khiror Arzruni. Uebersetzt von A. Amirchanjouz. St. Petersburg 1879." Daß der Verfasser, der Redacteur der in Tiflis erscheinenden armenischen Zeitung „Mschak," die Juden wirklich zu schätzen weiß, zeigt eine Aeußerung (S. 34), die folgendermaßen lautet: „Aeußerst wenigen Völkern ist es in der Welt gegönnt gcivesen, in der Geschichte der Menschheit irgend ein neues, moralisches Prineip anzukündigen. Es hat freilich eine jegliche Nation ihren Beruf, sie spielt auf der Arena der Menschheit eine gewisse Nolle, es sind darum aber nicht Alle Juden, Franzosen oder Deutsche . . . Auf dem Boden des Judenthums wurden zweimal die größten, göttlichen Lehren geboren, der Mosaismus und das Christenthum. Die Franzosen, zur Zeit ihrer großen Umwälzung, verkündigten der Menschheit die Ideen des Menschenrechts. Die Deutschen beschenkten die Menschheit mit dem Protestantismus." Der Verf. schildert die Tugenden des armenischen Volkes, und wie dasselbe von der Mißregierung der Türken so zu leiden hat, daß es nicht aufzukommen vermöge. Es ist nicht sowohl ein despotischer Druck, den sie üben, als daß sie unfähig sind, eine regelmäßige Verwaltung zu führen, und dadurch der Aussaugung des arbeitenden Volkes alle möglichen Wege offen halten. Er nimmt daher für die Armenier dasselbe Recht, ein selbstständiges und freies Volk zu werden, welches den Rumänen, Serben und Bulgaren eingeräumt worden, in Anspruch. Wer könnte ihm hierin widersprechen? Wer nicht den besten Erfolg wünschen? Wenn er aber meint, daß die Armenier dies auf friedlichem Wege, ohne Aufstand, durch die friedliche Entwickelung ihrer Volkskräfte erreichen sollen, so kann man diese ideale Auffassung nur hochschätzen, aber die Hoffnung auf ihre Verwirklichung kaum hegen. Die Weltlage, in Europa wie in Asien, ist nicht der Art, daß man ohne kriegerische Ereignisse eine Befreiung unterdrückter Völkerschaften erlvarten könnte. Den Beweis führt der Verf. selbst, indem er sich auf den Eigennutz der Engländer in einer Weise zu schmähen verleiten läßt, welche entweder auf alle dominirenden Staaten paßt, oder den Engländern Unrecht thut. — Noch eine besondere Bemerkung des Verf. lvollen wir hier ausziehen (S. 14): „Ssghert ist die Heimath des Manna. Viele von uns, wenn sie in der Bibel von Manna lesen, möchten diese vom Himmel fallende Naturgabe für ein mythisches Product halten, während ihre Existenz in Armenien eine verbürgte Thatsache ist. Im Frühling und Herbst bilden sich früh Morgens hauptsächlich auf den Eichenblättern honigsüße Tröpflein, die sich unter dem kühlenden Einfluß der Luft und der Blätter verdichten. Die Einwohner sammeln diese Körnlein als ein fertiges Zuckerbackwerk, welches auch zürn Verkauf in ganz Kleinasien feil ist. Man ist der Ansicht daß dies der Blumenduft ist, welcher bei Nacht die kühlen Blätter berührend sich zu jenen Körnlein verdichtet. Dieser Manna steht im Rufe eines wirksamen Mittels gegen die Schwindsucht. Pe st, den 19. October. (Literarische Notizen?) Von Herrn Dr. Siegmund Salfeld in Dessau erschien jüngst eine Schrift, welche wir als einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Exegese freudig begrüßen: „Das Hohelied Salomo's bei den jüdischen Erklärern des Mittelalters (Berlin, Venzian 1879.") Außer dem Pentateuch ist wohl kein Buch der heil. Schrift mehr commentirt als das Hohelied, „denn soweit wir die Spuren der Auslegung hinab verfolgen können, gewahren wir, wie 0 Der Stosfandraiig ist gegenwärtig so groß. daß sich auch v,e lUerarrschen Erzeugnisse bci uns gehäuft haben, und wir müssen daher besonders dre Herren Autoren um Nachsicht bitten, bis der beschränkte Raum es gestatten wird, über alles Vorliegende zu referirem Redaction.