Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1879)
- Date
- 1879-11-11
- Page
- Seite 732 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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732 von stolzer Höhe weithin über Berg und Meere lugend, mit seinem innern Comfort alle andern Gotteshäuser hier überbietcnd, ist eine monumentale Zier der Stadt. Der Gottesdienst unter der Leitung des Rabbiners Herrn Dr. E. Cohn und des Cantors Herrn M. Wolff läßt Nichts zu wünschen übrig. Erstgenannter wirkt bereits mehr als 20 Jahre in seiner Gemeinde als Seelsorger und genießt nicht ullein seines gediegenen Wissens wegen, sondern um seines edlen und friedlichen Charakters willen die Liebe und Achtung seiner Gemeinde und erfreut sich der Hochschätzung aller hier vertretenen Confessionen — ja selbst derjenigen der orthodoxen Israeliten. Die Gedankenfülle, welche die Reden des Herrn Dr. Cohn auszeichnet, läßt dieselben auf den verständigen und aufmerksamen Zuhörer wohlthuend wirken. Seine Gebete sind der Ausfluß eines edlen Geistes und sprechen zum Herzen des Hörers. Herr Cantor M. Wolff ist nicht nur unstreitig der beste Chasan in den vereinigten Staaten Amerikas auf Grund herrlicher Naturbegabung und vortrefflicher Gesangsschule, die er dem „Meistersinger" des Cantorats, Herrn Professor Sulzer in Wien, verdankt, und weil er das Hebräische so correct als schön liest — es zeichnet ihn vielmehr ein so schöner Grad universeller Bildung und ein aus dieser Bildung quellender feiner Tact aus, daß auch ihm die gebührende Anerkennung und Achtung Aller zu Theil wird. Den Eindruck, den das „T'kiat Scholar“, die „Scli’losch Eszre Midoth“, das „Col nidre“ und das „llas’korat N’schainoth“ auf mich gemacht, zu analysiren, wünschte ich mir die Feder eines Kunstkritikers von Beruf. Am mächtigsten wirkt das. „T’kiath Schofar“. Eine Posaune ersetzt das Schofar. Künstlerisch gehandhabt, bringt sie in unablässiger Folge die vorgeschriebenen, gehaltenen Posaunenstöße. Zwischen den mit dem Chor harmonisch zusammenwirkendcn einzelnen T’kioth, Scheworim und Trnoh, auf's Reinste intonirt, erschallen aus gutgeschulten Kehlen die Worte: „Oloh elohiin bith’ruoh, adonoj b’kol schofar“ und „bachazoz’ros Vkol schofar höriu. lifne hammelech adonoj bis im „T’kiah g'dolali“ Posaune, Chor und Orgel mit überwältigender Macht interpretiren: „Waj’lii kol hasch ofar, holecli Av'chasak m’od.“ Die athcmlose Stille, mit der dieses Tonstück von einer nach Hunderten zählenden Zuhörermenge angehört ward, die Ergriffenheit der Gemeinde, die, nebenbei gesagt,' hoher Anstand ziert, sprachen dafür, daß die Neuerung wie eine Offenbarung wirkte. Kurz, der Gottesdienst muß jeden Anwesenden, und wäre er auch ein Nichtisraelite, andächtig stimmen. Solch' ein Gottesdienst ist im wahren Sinne des Wortes ein „Kidusch Ilaschem“, und wäre er überall eingeführt, wäre das Gebühren der Israeliten allgemein wie das der hiesigen deutschen Israeliten, wahrlich unsere Feinde wären genöthigt, eine Nation zu erfinden, die ihnen zur Zielscheibe ihres Spottes diente. Wenn nach der gegebenen Schilderung der in der hiesigen Emanu-El-Gemeinde wirkenden Functionäre und ihres Leistens die Gemeinde alle Ursache hat, auf dieselben stolz zu sein, so ist andererseits für diese Functionäre voller Grund vorhanden, auf ihre Gemeinde stolz zu sein. Mit wärmstem Interesse tvacht über das Heil dieser Gemeinde ein Norstand aus lauter erlesenen Männern zusammengesetzt, unter denen tvir nur zwei hier namhaft machen wollen, den Präsidenten desselben, Herrn M. Selig, und Herrn Martin Heller. Ersterer zeichnet sich durch Friedensliebe und ein reiches jüdisches Gcmüth aus. Letzter» zieren ein unverkennbares Organisationstalent und männliche Energie. Dr. M. Herrmann. Anzeigen. sind ausschliesslich an die Annoncen-Fxpedition von Rudolf liMyj0vL/I ÖUilvly Mossc in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Chemnitz, Cüln a Rh., Dresden, Frankfurt a M., Halle a S., Hamburg, London, Magdeburg, München, Nürnberg, Paris, Prag, Strassburg iFL, Wien, Zürich zu adrcssiren. Bei der Unterzeichneten Synugogen-Gemeinde ist die Stellt des Predigers und Neligwnslehrers zum 1. April 1880 neu zu besetzen. Das Einkommen beträgt löOO Mark jährlich und falls der Unterricht in der jüdischen Religion an den städtischen Schulen übertragen wird, noch 200 Mark aus der Stadtcasse, für welchen Betrag aber nicht garantirt wird. Oualisicirte, möglichst unverheirathete Bewerber wollen fick) unter Einreichung ihrer Zeugnisse bis zum 1b. December cr. bei uns melden. Reisekosten werden nicht vergütigt. * (11999) Hirschau, 1. November 1879. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde: P. Philippsohn. Die hiesige israelitische Gemeinde sucht zum 1. April 1880 einen Neligionslehrer und Ccrntor. Gehalt 1200 R.-M. Lemgo, 27. October 1879. (11749) jDer Vorstand, Für mein Tuch- und Waaren-Geschäft suche einen Lehrling (mos.) per sofort. (11706) N. Silber stein. Naugard.