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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-11-11 · Heft 46 (11.11.1879) · p. Seite 727

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 46 (11.11.1879)
Date
1879-11-11
Page
Seite 727 (sequence 7)
Language
German
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727 haben; sondern ich habe gesagt, wenn man auch hundert Emancipations-Gesetze brächte, so würde damit gleichwohl die Emancipation im praktischen Leben nirgends weder gesellschaftlich, noch politisch vollständig durchgeführt werden, wo sich die Juden als ein besonderer Stamm geriren und in ihren Sitten in ihrer Lebensiveife ein von den anderen Bürgern gesondertes Volk-bleiben; vollständig emancipirt werden sie erst dann sein, wenn sie sich in ihren Sitten und in ihrer Lebensweise mit den übrigen Staatsbürgern derart idcntisiciren, daß zwischen ihnen und diesen die Religion der einzige Unterschied ist. Zur Illustration dieser meiner Anschauung berufe ich mich auf England, Frankreich und insbesondere auf Italien, wo man nicht als seltene Ausnahme wie bei uns, sondern allenthalben italienische Bürger jüdischer Religion trifft, in allen Zweigen des öffentlichen und bürgerlichen Lebens, in den Staatsämtern, im Parlament, so sogar im Offizierskorps der Armee: im socialen Leben besteht vollends keinerlei Scheidelinie zwischen ihnen und den übrigem Bürgern. Und weshalb ist das so? Deshalb, weil sie so sehr in die italienische Nationalität aufgegangen, weil sie in ihren Sitten, in ihrer Lebensweise, in ihren gesellschaftlichen Manieren vom Wirbel bis zur Zehe so ganz Italiener sind, daß hierzulande die Oualisication „Jude" keine Stammes-, sondern blos eine religiöse Oualisication und als solche kein Hinderniß der politischen und socialen Assimilation ist." Kossuth sieht die Sache nur von der einen Seite an. Er erwägt die andere nicht, daß in Frankreich, England und Italien die Juden in der christlichen Welt nicht die Vorurtheile, socialen und politischen Ausschließungen, mit einem Worte, die feindliche und abstoßende Gesinnung finden, welcher sie in anderen Ländern begegnen und die dann die Juden als sich ausschließend, als sich nicht assimilirend erscheinen läßt. Was Kossuth weiterhin über die rumänische Judenfrage sagt, ist von keinem Belang. Der Berliner Congreß hätte nur für die in Rumänien geborenen und erzogenen Juden die Gleichberechtigung fordern müssen. Eine Massennaturatisirung dürfe nicht octroyirt werden. Kossuth, welcher die Herrschaft der magyarischen Nationalität in Ungarn und den Nebenländrrn trotz der Majorität der Slaven stets befürwortet hat, kann nicht anders urtheilen. Er kann sich übrigens beruhigen, denn das rumänische Gesetz hat nicht eimnal nach seinem Sinne den rumänischen Juden die Gleichberechtigung gewährt. Frankreich. Paris, 28. October. Als Nachfolger des demnächst in den Pensionsstand tretenden Kommandanten von Paris, General Filippi, wird der General Lambert genannt. Derselbe ist einer der jüngsten Generale der Armee, welchem Thiers das Kommando über die zur Vertheilung der- Präsidentschaft und der Kammern in Versailles gebildeten Gendarmerietruppen anvertraut hatte. General Lambert ist einer der zwei israelitischen Generale der französischen Armee. Der andere General, See, kommandirt eine Brigade in Paris. —. Herr Bischoffsheim von hier, der sich bereits durch mehrfache Stiftungen großesVerdienst erworben, hat I */.» Millionen Francs für eine Muster-Sternwarte bestimmt, die bei Nizza errichtet werden soll. Die Einrichtung und die Beschaffung der ausgezeichnetsten Instrumente tvird von dein Astronomen Löwy (ebenfalls Israelit) geleitet. Der Ueberschuß des Kapitals wird zur Besoldung der Beamten verwendet. Italien. Vercelli, im September. (Nach den Areh. isr.) Das College „Elia Emmanuel Foa" zu Vercelli (Piemont) hat am 3k K August den 50. Jahrestag seiner Gründung gefeiert. Der Groß-Nabbiner Levi tvar damit beauftragt, die Verdienste des Menschenfreundes, der dieses Werk geschaffen und ihm seinen Namen gegeben, hervorzuhcben. Der fromme und reiche Elias Enunanuel Foa, im Jahre 1706 kinderlos verstorben, hat sein ganzes Vermögen für die Entwickelung der Religionswiffenschast und zur Erleichterung der Hülfsbedürftigen hinterlassen; aber erst nach mehr als 60 Jahren ist das israelitische College, das er ausgcstattet und das seinen Namen trägt, eröffnet worden. Die Zöglinge, die dasselbe besuchen, erhalten, wenn sie Verwandte des Testators bis ins zehnte Glied sind, außer dem Unterricht, jeder eine jährliche Pension von 220 Lire vom neunten bis zum achtzehnten Jahre; die anderen erhalten 160. Diejenigen die keinen Gefallen an den Studien finden, erlernen eine Kunst oder ein Handwerk und besuchen die Schule nur während zweier Stunden täglich. Das ist also, wie cs mit Recht der ehrenwerthe Redner gesagt, ein wahres Jubiläum der Wissenschaft und der Mild- Ihätigkeit, das man vor einigen Wochen zu Vercelli gefeiert hat. Nurrrcimen. Bukarest, 25. October. Das Gesetzblatt veröffentlicht das Gesetz betreffend die Revision des Art. 7 der Verfassung. Die Blätter erklären, daß die Bevölkerung überall sehr befriedigt ist über die Lösung der Jude ns rage. — In der heutigen gemeinsamen Sitzung der Kammern verlas der Minister des Innern eine Botschaft des Fürsten, durch welche die Nevisionskammern in gewöhnliche legislative Kammern umgewandelt werden. Sodann wurde in dem Senat von-dem Kriegsminister ein von einer Namcnsliste begleiteter Antrag eingebracht, nach welchem in Gemäßheit des Gesetzes über die Revision des Art. 7 der Verfassung das Jndigenat en bloc allen Israeliten

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