Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1879)
- Date
- 1879-11-11
- Page
- Seite 726 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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726 festlichen Gelegenheiten bedacht werde. — Wenn die liberale Presse inmitten der unaufhörlichen Angriffe auf die Juden ihre Schuldigkeit in sehr geringem Maße thut, so macht die „Leipziger Voltszeitung" eine rühmliche Ausnahme. Sie verurteilt nachdrücklich diese „Judcnhetzen", diese Beschuldigungen der Juden, die eben so gut auf alle Welt paffen, diese Falschheit, die Fehler Einzelner einer Gesanuntheit aufzulegen, und hat dies bereits in mehreren Artikeln, z. B. vom 28. October, gethan. Dabei geht sie eben von ihren Grundsätzen aus, denn ffe hat kaum 4 biß 5 jüdische Abonnenten, weshalb wir sie auch unseren Glaubensgenossen zur Beachtung empfehlen. Oesterreich-Ungarn. Ans Ungarn, 22. October. Im Poster Komitat lief am 15. d. der Termin ab, we lcher 17, Winkelschulen erhaltenden israelitischen Gemeinden zur Regelung derselben gewährt worden war. Allein bis heute entsprach keine dieser Gemeinden der Aufforderung des Schul-Jnspektors. Die Schließungsverordnung wird demnächst an die Verwaltungs-Organe des Komitats behufs Effektuirung erlassen werden. Zu den zu sistirenden Schulen ist jüngst auch die Solter gekommen. Wien, 29. October. iPrivatmitch.) Der 18'. Jahresbericht des „Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien" bietet kein erfreuliches Bild. Denn während die Gesuche um Unterstützung fortwährend wachsen (384, von denen jedoch nach Prüfung der speciellen Verhältnisse unter den beigebrachten Zeugnissen nur 226 berücksichtigt werden konnten, und wurden für diese 2,651 st. verausgabt), nimmt die Zahl der Beitragenden ab und hat sich bis auf 116 vermindert. Ein so großes Mißverhältniß zwischen den Gesuchen und den Gewährungen aus der Oualisication der Studirenden heraus bezeugt, wie viele Unbefähigte sich zum Studium an der Universität drängen. Dies ist ein Unglück, denn daraus erklärt sich die Mißachtung der jüdischen Studirenden, die sich z. B. in den berüchtigten Aussprüchen des Prof. Billroth kund gab, und unter welcher die befähigten und ehrenfesten jüdischen Studenten, welche doch die Mehrheit bilden, leiden. Interessant ist auch das Fachverhältniß der unterstützten Studirenden, weil sich daraus auf das allgemeine Berhältniß, welchen Fächern die jüdischen Studirenden sich zuwenden, schließen läßt. Cs waren 81 Studirende der Medicin, 67 der Rechte, 18 der Philosophie, 59 der Technik und ein einziger Lehramtskandidat für die Mittelschulen, <d. i. Gymnasien etc.) Auch das Vaterland der Unterstützten ist nicht ohne Belang. 5 waren aus Wien, 2 aus Niederösterreich, 89 aus Ungarn, 40 aus Mähren, 65 aus Galizien, 34 aus Böhmen, 7 aus Oester. Schlesien, 6 aus der Bukowina, 4 aus Croatien, 2 aus Slavonien und 3 aus Rußland. Stimmen nun diese Zahlen theilweise mit der Größe der jüdischen Bevölkerung in den einzelnen Kronländern, so geht doch daraus hervor, daß es vorzugsweise die Pflicht unsrer Glaubensgenossen in diesen Kronländern wäre, dem Vereine ihre Unterstützung zukommen zu lassen. Aber dies ist gerade nicht der Fall, und wir bemerken unter den Mitgliedern des Vereins keinen einzigen außerhalb Wiens, außer einem Herrn in New-Aork. Es muß diese Gleichgültigkeit auf die Wiener verstimmend wirken, und es wäre wohl an der Zeit, um die Zukunft des Vereines zu sichern, daß der verdienstvolle Vorstand des Vereines dies einmal durch eine angemessene Veröffentlichung unsren Glaubensgcnoffen in den Kronländern nachdrücklich klar mache, und sie auffordere, entweder als Mitglied dem Vereine beizutreten, oder durch einmalige größere Gaben den Fond des Vereins, der sich jetzt auf 22,050 fl. beläuftzu vergrößern, damit der Zinsenbetrag einen größeren Tbeil der Unterstützung decke. Pest, im October. In Rr. 42 haben Sie aus Ungar. Bl. eine Aeußerung Kossuth's über die Gleichstellung der Juden gebracht, welche Kossuth selbst in einem offenen Schreiben an Helft) vollständig dernentirt. Ein Lehrer am Neusatzer serbischen Gymnasium hatte aus einem Gespräch mit K. berichtet, er hätte gesagt: „Die vollständige Emancipation der Juden sollte insolange nicht durchgeführt werden, als sich dieselben nicht den übrigen Staatsbürgern gesellschaftlich und politisch assimiliren, als sie nicht aufhören, sich als ein gesondertes, fremdes Element 3ti betrachten, sondern erst dann, wenn sic sich von den übrigen Staatsbürgern nur inehr in Sachen der Religion unterscheiden, wie dies factisch in England, Frankreich und Italien der Fall ist." Aus dem!veitläusigen Briefe K.'s heben wir folgende Stelle hervor. „Mein Besucher, der serbische Lehrer, hat nur einzelne meiner Worte feinem Gedächtnisse eingeprägt, diese dann hervorgeholt und in einer Weise in Zusammenhang gebracht, daß sie einen völlig irrigen Begriff über meine Anschauungen geben Die Narrheit, daß die vollständige Emancipation der Juden insolange nicht durchgeführt werden solle, als sich dieselben nicht den anderen Staatsbürgern gesellschaftlich und politisch assimiliren, habe ich wahrhaftig weder ausgesprochen, noch gedacht. Das würde ja so viel heißen, als die Emancipation auf gar niemals vertagen. Die Juden müssen eben einancipirt werden, damit sie sich assimiliren können. Ohne Emancipation ist die Assimilirung unmöglich. Politisch unmöglich, denn der nicht eMancipirte Jude hat keine politischen Rechte, wie aber sollen sich das Nichts und das Etwas assimiliren? Aber auch social unmöglich, denn eine sociale Assimilirung kann nur durch Rechtsgleichheit, durch gleiche Freiheit bewirkt werden. Ich habe also nicht gesagt, man solle die völlige Emancipation solange nicht durchführen, als sie sich nicht den übrigen Staatsbürgern gesellschaftlich und politisch cmancipirt