Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1879)
- Date
- 1879-11-11
- Page
- Seite 723 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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723 verfaßten, dem jüdischen Charakter entsprechenden Compositionen werden von Herrn Nosenhaupt unsre alten Nationalmelodien in Necitativen und Chören correct in der Harmonie und Modulation verarbeitet, veredelt und zu Ehren gebracht. Selbst das unscheinbarste Recitativ gut vorgetragen, begeistert und stimmt zur Andacht. Ich kann daher genanntes Werk aufrichtig empfehlen und wünsche, daß es den verdienten Eingang in unsre Synagogen finde." Einem so autoritativen Urtheile können wir nur unsre eignen Wünsche hinzufügen, daß durch genügenden Absatz die Fortsetzung ermöglicht werde. Das vorliegende Heft enthält in 25 Nummern die ausführlichen Gesänge für den Freitagabend-Gottesdienst für Cantor, Chor und Orgel. Außerdem hat Herr Nosenhaupt in einem besonderen Heftchen einen Schluß-Kaddisch D\XYu für Cantor und Unisonochor, resp. Gemeinde mit obligater Orgelbegleitung herausgegeben, der sich ebenso durch seinen erhebenden wie freudig anregenden Charakter auszeichnet. — Eine einzelne Pwce erhalten wir auch vom Cantor E. Birnbaum in Königsberg : „3di Addir, Trauungsgesang für Solo, Chor und Orchester. Partitur und Stimmen. (Selbstverlag des Verfassers.)" In der That ist eine erhebende musikalische Jntroduction zum Trauungsacte ein Vedürfniß, dem unsres Wisiens im Truck noch nicht abgeholfen war. Die vorliegende prächtige Composition bearbeitet zu diesem Zwecke in großem Style das in noch vielen Gemeinden herkömmliche ^li Addir. — Ein größeres Musikwerk ist vor Kurzem in London erschienen (Duncan Tavison & Comp., 244, Regent Street, 3GB.) nämlich in 3 Bänden: „Der Gottesdienst, bestehend aus alten und neuen Compositionen mit hebräischem, englischem und deutschein Texte von Nev. M. Hast, erstem Vorbeter an der Großen Synagoge in London." Der erste Band enthält Sabbathgesange, der zweite Festgesänge, der dritte Psalmen. Für die musikalische Correctheit und Tüchtigkeit tritt eine Reihe von Zeugnisien musikalischer Autoritäten in England ein, die sämmtlich sich überaus günstig aussprcchen. Die Hauptstücke der Sabbath- und Festgebete werden hier sotvohl für den Chasan, Solo mit Orgel, als auch für vierstimmigen Chod mit Orgel, theils nach den alten überlieferten Melodien, theils in Originalcompositionen des Vcrfasiers in correcter musikalischer Bearbeitung dargeboten. Allerdings, ist in diesem trefflichen Werke die Vollständigkeit nicht geboten, wie sie Nosenhaupt in seinem oben angeführten Werke anstrebt, so daß der ganze Gottesdienst in allen seinen Thcilen vertreten wäre; vielmehr wählt Hast die Hauptstücke heraus, aber er giebt dafür für die meisten Nummern mehrere Bearbeitungen, wie sie für die verschiedenen Theile des jüdischen Jahres gebräuchlich und passend sind. Der dritte Theil bringt die musikalische Bearbeitung der Psalmen, die in unsrem Gottesdienste am gebräuchlichsten sind, so Ps. 24, 29, 30, 84, 92, 93, 100, 113, 110— IIS, 123, 150. Der Verfasser glaubt damit der jüdischen Cultusmusik eine „neue dauerhafte Basis" geschaffen zu haben. Und wenn wir im Hinblick auf die vielen trefflichen Leistungen, die bereits auf diesem Gebiete erschienen sind, diese Meinung unsres Autors nicht thcilen können, so erkennen wir doch mit Vergnügen an, daß das vorliegende Werk eine bedeutende Bereicherung unserer liturgischen Musik ausmacht und daß nach so vielen tüchtigen Schöpfungen der musikalische Theil unseres Gottesdienstes auf dem Wege zu einer schönen Vollendung ist. SreltlLllCj 6ll(XC eil/. Deutschland. Berlin, 27. Oktober. (Privatmitth.) Allmälig scheinen wir über den Höhenpunkt in den hiesigen Hetzereien gegen die Juden hintveggekommen zu sein. Die öffentlichen Vorträge dieses Genres haben ausgehört, und die Schmierereien in j Blättern und Brochüren fangen an, durch ihr Einerlei und ihre Gemeinheiten zu langweilen. Ob wirklich eine Einsprache von maßgebender Stelle geschehen, oder ob die Hetzer erkennen, daß sie doch nicht zum Ziele kommen und der Pöbel ihnen seine Fäuste nicht leiht, oder ob beides zugleich stattgcfunden, können wir nicht sagen. Denn daß jene Wühler stets versichern, daß sie den Juden kein Haar krümmen, ihnen nicht an Leben und Eigenthum wollen, ist doch nichts als eine jener roser vutione» mentales, die ein gewichtiges Capitel einer gewissen Moral ausmachen. Ihr Gebühren ist ein solches, daß man ihm ein anderes Ziel, als einen Wuthausbruch des gemeinen Volkes zu bewirken, nicht zusprechen kann. Hierin aber gehen sie vollständig fehl. Wir können' also hoffen, das; die ganze schmutzige Fluth sich bald wieder verlaufen haben wird. Tagegen schreibt inan uns aus Breslau, daß dort die confessionellen Reibereien unerträglich geworden. Man kann dies dieser Stadt Zutrauen, denn die dortige Bevölkerung tvar stets voller Vorurtheile gegen die Juden. Sind doch kaum drei Jahrzehnte versloffen, seitdem man noch in Breslau die jüdischen Kaufleute von der Börse ausgeschlossen hielt, so daß diese sich in einem besonderen Local versammeln mußten. — Dies verhindert jedoch nicht, daß in Breslau für die Ersatzwahl in das Abgeordnetenhaus, die für Hobrecht zu treffen ist, zwei Juden als Candidaten aufgestellt sind, Lasker von den Nationalliberalen und Justizrath Freund von bcu Fort- 40*