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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-11-04 · Heft 45 (4.11.1879) · p. Seite 714

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 45 (4.11.1879)
Date
1879-11-04
Page
Seite 714 (sequence 10)
Language
German
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714 welches, wenn es wieder bebaut würde, nicht allein die Aussicht stören, sondern auch Miether aufnehmen könnte, deren Gewerbe in unmittelbarer Nähe der Synagoge bei den Besuchern der letzteren Anstoß erregen müßte. Da aber der für das Grundstück geforderte Preis von 27,000 M. zu hoch schien und die Gemeinde schon ohnehin eine ziemlich bedeutende Schuldenlast zu tragen hat, so wurde der Ankauf Anfangs abgelehnt; nachdem aber der Magistrat in Erwägung, daß es zur Verschönerung der Stadt beitrage, wenn der Platz frei liegen bleibe, sich unter der Bedingung, daß letzterer niemals bebaut werde, sich bereit erklärt hat, 6000 M. zu der Kaufsumme beizutragen und den Nest zu 31/« % herzuleihen, soll nunmehr über den Ankauf des Grundstückes in einer anderen Gemeindeversammlung nochmals Beschluß gefaßt werden. Durch eine Verordnung unseres Provincial-Schulcollegiums, nach welcher von nun an der Unterricht an den höheren Schulen nach den Oster- und Michaclisferien nicht mehr wie bisher erst am Dienstag, sondern schon mit der vollen Woche zu beginnen und die betreffende Aufnahmeprüfung, tvelche bis jetzt am Montag vorgenommen wurde, schon am Sonnabend zuvor stattzusinden habe, sahen sich viele jüdische Eltern wegen des bei der Aufnahmeprüfung nothwendigen Schreibens, welchem sich ihre Söhne hätten unterziehen muffen, beunruhigt; indessen ist, wie wir hören, in Folge einer geeigneten Vorstellung von Seiten des genannten Schülcollegiums an die Directoren der hohen Schulen die Weisung ergangen, auf jüdische Schüler die wünschcnswerthe Rücksicht zu nehmen und ihnen zu gestatten, die schriftliche Prüfung an einem anderen Tage abzulegen. Die diesjährige Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover wurde, abweichend von der bisher üblichen Zeit, gleich nach dem Wochenfestc, erst am 6. d. M., hier in Hannover abgehalten. Dieselbe war nur spärlich besucht und tvarcn außer den Landrabbinern von Hannover und Hildesheim und dem Professor Frcnsdorff nur 18 Lehrer erschienen. Der langjährige Vorsitzende, Lehrer Schlesinger aus Gocttingcn, eröffnete die Sitzung mit einer .Begrüßung der Anwesenden und sprach, an dieselbe anknüpfend, der Versammlung seinen wärmsten Dank aus für die ihm zu seinem 50jährigcn Dicnstjubiläum bewiesene Theilnahme. Der Tagesordnung entsprechend motivirte Lehrer Fauerbach aus Hildes- Heim die von ihm gestellten Anträge, welche erstens einen innigeren Zusammenhang des Vereins und ztveitens eine zweckmäßigere Vertheilung der Ferien beabsichtigten. Nach einer gründlichen Discussion gelangten beide.Anträge mit einer kleinen Modisication zur Annahme. Auch eine von dem Landrabbiner Dr. Meyer beantragte Resolution: „Der Lehrerverein begrüßt freudig den in der Synagogen-Gemeinde Hannover sich bildenden Verein zur Unterstützung des jüdischen Seminarwesens und ersucht seine Mitglieder, auch ihrerseits mit Kräften zur Erlangung von Mitteln hierfür zu wirken" wurde einstimmig angenommen. Alsdann hielt Landrabbiner Dr. Guttmann aus Hildesheim einen Vortrag, in welchem er in eingehender Weise die Frage beleuchtete, in wie weit die jüdische Geschichte beim Unterrichte der Weltgeschichte Berücksichtigung verdiene. Die Versammlung erkannte die Wichtigkeit der angeregten Frage an und beschloß, da wegen vorgerückter Zeit eine Debatte nicht mehr stattfinden konnte, in der nächstjährigen Eonferenz auf dieselbe zurückzukommen. In der Leitung der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer Hierselbst ist seit dem Beginne des gegenwärtigen Wintersemesters dadurch eine Veränderung vorgegangen, daß dem Herrn Oberlehrer Dr. Prager die Dircctorialgeschäfte an derselben von Seiten der Verwaltungscoinmission übertragen wurden, um Herrn Professor Dr. Frcnsdorff, welcher mehr als 30 Jahre diese Anstalt in erfolgreicher Weise geleitet hat, in seinem vorgerückten Alter von einem Theile seiner Arbeit zu entlasten. In voriger Woche fand im Locale der Anstalt durch den Königlichen Provincial-Schulrath Spieker die Einführung des Herrn ■Dr. Prager in sein neues Amt in Gegenwart des Landrabbincrs so wie der Lehrer und Schüler statt, bei welcher Gelegenheit der gedachte Herr Provincial-Schulrath in anerkennendster Weise die Verdienste des Profeffors Frensdorfs würdigte und dem Wunsche Ausdruck gab, daß das Institut, welches sich aus kleinen Anfängen allmälig entwickelt habe, auch unter der neuen Leitung gedeihen und Segen bringend wirken möge. Herr Grossist Israel Meyer Hof Hierselbst, Mitglied unseres Gcmeindcvorstandes, ist zum Mitgliede des hiesigen Handelsgerichtes ernannt worden. Vor einigen Tagen hat sich hier ein jüdischer Makler erschossen und in einem zurückgelaffenen Schreiben als Grund seines Selbstmordes den Umstand angeführt, daß er fünf namhaft gemachten Wucherern in die Hände gefallen sei, die ihn ruinirt hätten. Unter diesen fünf Wucheren waren vier Christen und ein Jude. Wir rheilen dies zur Kenntnißnahme für die „Germania", „die schlesische Volkszritung" und ähnliche Blätter, wie auch für sonstige Judenfeinde mit. Am 10. d. M. feierte Herr M. Cahn, Lehrer der Synagogenge"winde Sarstedt, sein 25jährigcs Dienstjubiläum. Die jüdische Gemeinde erfreute den Jubilar durch einen prachtvollen silbernen Tafelaufsatz und an dem zur Feier des. Tages auf dortigem Rathskeller veranstalteten Festesten betheiligten sich, außer den sämmtlichen Mitgliedern der Synagogengemeinde, auch die Spitzen des Magistrats so wie zahlreiche Freunde des Herrn Cahn aus der Bürgerschaft von Sarstedt. Oesterreich-Ungarn. Vrody, 17. October. Die Jubelfeier der deutschisraelitischen Volksschule ist im Beisein des Statthalters Grafen Potocki in solennster Weise abgehalten worden. Als Festredner

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