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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-11-04 · Heft 45 (4.11.1879) · p. Seite 715

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 45 (4.11.1879)
Date
1879-11-04
Page
Seite 715 (sequence 11)
Language
German
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715 traten die Jnspectoren Kallir und Herzberg-Fränkel, dann Director Herzel auf. Herr Kallir erhielt mehrfache Ovationen und gab zu Ehren des Statthalters ein Diner. Die Stadt trug zur Verherrlichung der Feier Flaggenschmuck. Abends wurde illuminirt. Ans Ungarn, im October. (Privatmitth.) Wenn die verschiedenen Rabbinerseminare sich mit Recht einen Ruhm daraus machen, ihre Schüler in zahlreichen Rabbinaten amtiren zu sehen, so kann sich allmälig auch die „Hochschule für die Wiffenschaft des Judenthums" in Berlin hinzugesellen. In Kasch au, wo die wüthigsten Orthodoxen das Regiment führen, ist ein Schüler der genannten Hochschule zum Rabbiner gewählt, nachdem er von seinem Onkel in Groß-Karoly, einem starren Orthodoxen, und dem bedeutendsten Talmudisten Ungarns, empfohlen worden. Auch nach Groß-Becskerek soll ein Schüler der Hochschule kommen. Zu bedauern ist es nur, daß viele von den. jungen Rabbinen sich verleiten lasten, zu „muckern". So steht einer derselben in seiner Synagoge nicht anders als mit dem Tallis weit über den Kopf gezogen! Das ist Heuchelei, die, da sie für das große Publicum durchsichtig ist, dem jüngeren modernen Rabbinerthum nur Schaden bringt. Frankreich. Paris, 22. October. (Privatmitth.) Sie haben jüngst einen zutreffenden Artikel gegeben, in welchem ausgeführt!vurde, daß man sich von dem Geschrei der ultramontanen und pietistischen Blätter nicht bange machen lasten solle, da der wirkliche Einfluß jener nur gering ist, wofür er einige schlagende Thatsachen anführte. Ich will diese letzteren durch eine glänzende von hier vermehren. Von den hiesigen Zeitungen hat der „Rappel" 70,000 Abonnenten, der „Figaro" 64,000 die „France" 40,600 und so geht es weiter. Noch mehr: unter den kleinen Blättern hat das „Petit Journal" täglich durchschnittlich 56,5)00 Käufer, die „Petite Ncpublique" 181,000, die „Lanterne" 137,000, u. s. w. Wie steht es nun mit dem einzigen größeren katholischen Blatte, dem „llnivers"? Es hat — 7000 Abonnenten, zusammengenommen in Paris, Frankreich und der ganzen französisch redenden Welt. Dies ist doch ein Zeugniß wie es nicht beredter sein kann. In Algier fand dieser Tage ein Duell zwischen dem Intendanten Levy und einem Offizier statt, in welchem der erstere, ein sehr geachteter Beamte, getödtet wurde. Schweiz. Basel, 20. Oet. (Privatmitth.) Während in Deutschland die Judenverfolgung in Blüthe steht und man dem semitischen Elemente den Krieg erklären will, huldigt die Schweiz, in der früher sonst die Juden viel zu dulden hatten. der reinsten Toleranz. So wirken an den Universitäten und Akademien in Bern, Zürich, Genf eine Anzahl von Juden als hochangesehene und anerkannte Professoren; der Schtveiz. Bundesrath betraute erst jüngsthin einen Juden, Jacques Dreyfus, mit einem der Hauptvcrtrauensämter beim Eidgenössischen Handels- und Ackerbaudepartement. In Biel, wo früher kein Jude wohnen durfte, ist ein Glaubensgenosse, Max Guggenheim, erster Stadtrath. Als vor wenigen Tagen in Luzern im Orunck Hotel National eine größere Versammlung der hervorragendsten Schweiz. Industriellen, Kaufleute und Magistrate zur Besprechung einer Zoll- und Handelsconvention mit Frankreich tagte, an der auch der berühmte Nationalöconom Graf de Molinari sich betheiligte, da war es ein Jude, Herr Emil Dreyfus aus Zürich (Sohn des auch den Lesern Ihres Blattes bekannten, um das Schweizerische Judenthum vielverdienten sel. Marcus Dreyfus), der mit dem Präsidium beehrt ward und die Versammlung trefflich und zur allgemeinen Befriedigung der Vetheiligten leitete. Die Versammlung, die sich als „Verein zur Beförderung des Schweizerisch-Französischen Handels" zu constituiren beschloß, wählte im Vereine mit den ersten Industriellen, wie Herr Oberst Rieter-Fenner vom Hause Nieter & Co. in Winterthur, Georg Kiefer in Basel, Nationalrath Bücher, Oberst Weber Disteli und Herr I. Spörry (großer Seidensabrikant in Zürich), zwei Inden in den Personen des Herrn Emil Dreyfus in Zürich, der den Vorsitz führte, und Herrn Charles Dreyfus. Bonn, 12. October. (Notizen.) Man schreibt uns aus Prag vom 1. October: In der heutigen Plenarsitzung der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde-Olepräsentanz wurde Herr Oberrabbiner M. Hirsch in Altofen einstimmig zum Prager Oberrabbiner gewählt. — Aus Stettin schreibt man uns vom 28. September: Als Nachfolger unseres verstorbenen Rabbiners Trcuensels wurde heute Herr 0r. H. Vogel sie in, zur Zeit Rabbiner in Pilsen, ernannt. Herr Dr. Vogelstein, Zögling des Breslauer Seminars, war Mitglied der Augsburger Synode und gehört somit der freien Richtung an. — Vom 10. September berichtet nran aus New-Port, daß dem in Newport verstorbenen Leonard Montefiore, dessen Tod in der Blüthe der Jugend auch in"Amerika große Theilnahme weckte, eine würdige Leichenfeier in der Emanuel- Synagoge unter Anwesenheit der angesehensten Rabbiner und vieler Honoratioren New-'))orks gewidmet wurde. Die Leiche wird nach England gebracht, um dort der trauernden Familie übergeben zu werden. — Sonntag, den 28, September, fand die Beerdigung des Vr. Josef Piza zu Hamburg statt, über dessen Tod wir in vor. DU. berichtet haben. Tie Bestattung ging unter einer so großartigen Betheiligung vor sich, wie sie selbst hier selten gesehen wird. Zahlreiche Notabilitäten der Kunst, Literatur und Wissenschaft, Abgeordnete der Bürger- 40*

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