Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1879)
- Date
- 1879-10-28
- Page
- Seite 699 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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699 Minden I. W., 12. October. (Privatmitth.l Mit dem ersten d. M. hat unsre Gemeinde durch den Verzug des Herrn Rechtsanwalt Metz nach Bielefeld einen schweren Verlust erlitten. Als Vorsitzender der Repräsentanten, gesuchter Beirath des Vorstandes, vermittelndes Glied zwischen dieser Behörde und der Repräsentanz, sowie vorzugsweise bei der Regelung und Reorganisation unseres Religionsunterrichtes hat der Scheidende sich hervorragende Verdienste erworben. Vorstand und Repräsentanz haben dies auch in einer Adresse anerkennend hervorgehoben. Herr Rechtsanwalt Metz genoß nicht allein das vollste Vertrauen und die allgemeinste Hochachtung in der israelitischen Gemeinde, seine Wahl in das Stadtverordnetencollegium beweist, daß auch die politische Gemeinde nicht minder seinen Werth zu schätzen wußte. Bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Abschiedsessen wurde nichtnur aus die gemeinnützige Thätigkeit des Gefeierten innerhalb der Gemeinde, sondern auch auf sein Verdienst als langjähriger Curator der Marr-Haindorf'schen Stiftung, als Delegirter des Deutsch-Jsrael.-Gemeindebundes hingewicscn. Es blieb ferner nicht unerwähnt, wie der Scheidende in jüngster Zeit die jüdische Literatur durch eine gediegene Schrift über die Falaichahs bereichert, der von Fachleuten, so auch in diesen Blättern, die ehrendste Anerkennung nicht versagt wurde. Möge Herr Rechtsanwalt Metz in seiner neuen Hcimath ebenso eifriger Förderer der Sache des Judenthums sein, wie er es bisher wärt Tarmstadt, im October. (Privatmitth.) Eine Vorbildungsschule zur Realschule wurde dieser Tage von der Grh. Negierung in's Leben gerufen, und auch an dieser Staatsanstalt wurde ein jüdischer Lehrer angcstcllt, nämlich Herr Bender, bisher Lehrer an dem Reinhard'schen Institute. Vor einiger Zeit richtete der Abgeordnete Otto Wolfskehl dahier eine Interpellation an die Regierung, betreffs der Schulamtsaspirantcn israelitischer Confcssion. Auf dieselbe ist' jetzt folgende Antwort eingelaufen: | „Im Aufträge unserer Abtheilungen für Schulangelegcn-! heilen ist bei der im Frühling d. I. vorgenommenen Abgangs-- Prüfung in den Praparandenschulen zu Lich und Wöllstein —- > in der Anstalt zu Lindcnfets befand sich 'kein Israelit — den Schülern, israelitischer Eonfession, welche diese Prüfung bestanden hatten, mitgctheilt worden, daß ihrem Eintritt in! ein Schullehrer-Seminar.zwar nichts im Wege stehe, das; sie aber zur Zeit israelitischen Religionsunterricht im Seminar nicht erhalten und auf Vertvendung im öffentlichen Schuldienst nach ihrer Entlastung nicht mit Sicherheit rechnen könnten. — Tie Mitteilung in Betreff des israelitischen Religionsunterrichts ist dadurch gerechtfertigt, daß weder in Bensheim noch in Friedberg aus den schon früher der verehrlicben Kammer mitgethcilten Gründen die Einführung eines israelitischen Religionsunterrichts thunlich war, während in bestimmte Aussicht genommen ist, in dem neu zu errichtenden Seminar zu Alzey, wo in der Person des dortigen Rabbiners ein geeigneter Religionslehrer gefunden werden dürfte, auch für die israelitischen Seminaristen, welche sämmtlich diesem Seminar zugewiescn werden sollen, einen regelmäßigen Religionsunterricht einzurichtcn. Der dafür in dem Voranschlag für dieses Seminar vorgesehene Betrag von jährlich 2-10 Mark wird zu dem angegebenen Zweck Verwendung finden. — Die weitere Mittheilung aber in Betreff späterer Verwendung im öffentlichen Schuldienst ist durch die Erfahrung veranlaßt worden, das; es seither nicht möglich gewesen ist, sämmtliche von den Seminarien ausgebildete israelitische Schulamtsaspiranten im öffentlichen Schuldienst zu verwenden. Israelitische Eonfessionsschulen bestehen nämlich dermalen im Großhcrzogthum Hesten nur noch drei. In den gemeinsamen Schulen aber bilden die Schüler israelitischer Religion fast .durchweg einen verschwindend kleinen Bruchtheil, daß es mit Rücksicht aus die Bestimmungen im Artikel 4 des Volksschulgesetzes nur in wenigen größeren Orten möglich gewesen ist,! israelitische Lehrer zu verwenden. Durch .die vorhandenen ' Lehrkräfte ist nun der Bedarf voraussichtlich auf eine längere i Reihe von Jahren gedeckt, und es erschien als ein Gebot der ' Humanität, die ju..g... Leute noch vor der entscheidenden Wahl des Lebcnsberufes und bevor es zur Wahl eines andern zu spat tväre, darauf aufmerksam zu machen, daß der in Aussicht genommene die Hoffnungen schwerlich erfüllen werde, deren , Verwirklichung sie sich von ihm versprechen." j | Bulgarien. iftMnt, 16, Oct. Von hier bringt die „Franks. Ztg.,"; aber nur diese allein folg. Depesche: In Kalafat kam cs vorgestern bei dem Besuche des Fürsten Alexander zu einem großen Skandal. Die Juden hatten einen Triumphbogen errichtet, der reich mit Tcmpeldecken behängen war. Die Bulgaren rissen die Decken herab und cs entstand eine Prügelei. Der Fürst schützte die Juden mit Mühe gegen weitere Mißhandlungen. Serbien. Belgrad. 10. October. Die auf den 2. November einberuscne Skupschtina wird sich nicht mit der Gleichstellung der Inden beschäftigen. Erst umnittelbar nach der normalen Skupschtina soll die außerordentliche große Skupschtina einberufen werden, welche nach dem llstav <der Eoustitution» allein berufen ist, Veränderungen an der Verfassung vorzunehmen, wie sie jener Punkt des Berliner Vertrages nothwendig macht, welcher die Juden-Emancipation decretirt. Die Intentionen der Regierung sotten in dieser Beziehung ziemlich weitgehend sein, und eine eventuelle Opposition ist um so aus- 14*