Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1879)
- Date
- 1879-10-28
- Page
- Seite 700 (sequence 12)
- Language
- German
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700 sichtsloser, als diese Frage für Serbien weit davon entfernt ist, eine solche Bedeutung zu haben, wie für Rumänien. Vor dem Kriege, sagt eine Corrcsp. der „N. fr. P.", betrug die Seelcnzahl der jüdischen Bevölkerung des Fürstentbums gegen 1200, und nach dem Kriege blieben 1000. Doch wenn man die Juden der neucrworbenen Gebiete hinzurechnet, ergibt sich ein Totalbetrag von 2000 Seelen. Trotz der in Rumänien so gefürchteten und auch hierzulande nicht unterschätzten'Präponderanz der jüdischen Race in Handel und Verkehr ist es nun kaum anzunehmen, daß die 11/•> Millionen Nichtjuden aus Furcht vor den 2000 Vekennern des Talnmd sich nicht getrauen werden, ihnen die Wohlthaten der vaterländischen Gesetze zu gewähren. Der einzige Umstand, welcher der Negierung ihren Standpunkt erschweren könnte, wäre ein Mißerfolg in Rumänien. Man ist hier in steter Fühlung mit der Entwicklung dieser Frage in der Vukarefter Kammer und ist davon nicht eben erbaut. Es sollen der dortigen Negierung nach!der Anspannung der letzten Kräfte noch fünf Stimmen bis! zur Zweidrittelmajorität fehlen. Reisende erzählen unglaub-! liche Dinge über die Wortgefechte in der Kammer. Der? Minister des Innern wies unlängst den Oppositionsredner und! Exminister Vernescu mit den Worten zurecht: „Du leidest an Gehirnerweichung!", worauf Jener erwiderte: „Du bist ein alter Narr!" Wenn die rumänische Negierung unterliegen sollte, ist es wahrscheinlich, daß man auch hier die beabsichtigte Verfassungsänderung vertagen wird. (Bekanntlich hat Serbien kein dringendes Jnteresie mehr, die Gleichstellungsfrage in Behandlung zu nehmen, da die Signatarmächte die Anerkennung seiner Unabhängigkeit bereits vollzogen haben. Was übrigens oben über den Mangel an Eoneurrenzsurcht vor den Juden in Serbien gesagt wird, trifft nicht zu. Denn diese Eoncurrenzfurcht war es, welche früher die Juden aus allen Städten des Landes, mit Aus- \ nähme Belgrads, vertrieb. R e d a c 11 o n.) Ieuil Äntiprssimisiische Dknkspriiche') von L. Ptz. (Fortsetzung.) Der Strauch giebt Blüth' und Beere, Ihr Korn die volle Aehrc, Der Baum giebt Laub und Frucht In jedes Jahres Flucht — Du aber willst nichts geben? Dein Recht sei schon Dein Leben? Das ist des Naubthiers Recht, Des Aars, der droben kreist. Was er erschaut, zerreißt Und zu dem Horste trägt! Erlisten willst, erraffen? Nur Schmach ist Dir gewährt — Wer Lohn will, der muß schaffen. Der Preis gilt nur dem Werth. Doch was der höchste Lohn? Es ist — die Arbeit selbst! Das Mühen, Uebcrwinden, Das Suchen und das Finde», Der Kampf nur ist die Lust, Der vollen Kraft bewußt — Ja, Ruhe und Genuß Sind bald nur Ueberdruß! 1) E. Nr. 17—22. 24. 26. 30. f e t o n. Ob, Träger, Dü im Sonnenschein Der Ruhe pffeFsr/ im Schatten — Dein Hers"ist leer. Dein Geist ist hohl. Du wirst nur mehr ermatten. * * Ja, heilig ist die Flamme, Die in der Schaffenslust erglüht. Die frische Vlüthcn knorr'gem Stamme, Der Wüste süße Früchte zieht — Der Funke, der ihr weit entsprüht. Er zündet, und erlischt nicht wieder — So stärke nur die matten Glieder, Ob Dir Erfolg, ob Andren blicht' Klag' nicht, daß Dir auf wundem Nacken Schwer laste des Berufes Joch — Wenn Dich der Täuschung Sorgen packen. Erheb' Dein Muth sich himmelhoch! O, seliger ist untergeben Im Kampf mit rohem Widerstand, Als auf dem Wege stille stehen Mit trägem Fuß und matter Hand! Es tritt der Sturm mit wildem Tosen auf Und jagt mit ehrnen Schritten seinen Lauf; Aufschreit die Hütte, ihres Dachs beraubt. Es stöhnt der Wald entastet und entlaubt. Im Staube seufzet der geknickte Stamm, Und heulend bricht der fluthdurchwühlte Damm —