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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-10-28 · Heft 44 (28.10.1879) · p. Seite 695

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 44 (28.10.1879)
Date
1879-10-28
Page
Seite 695 (sequence 7)
Language
German
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695 Ein neuer Himmel, — eine neue Erde! — Gesühnt ist Alles dann, — gesühnt, — versöhnt, — Verklärt in Liebe! — Dann ist's — aus mit — Rom, Aus mit dein Pfaffenthum! — Dann gilt allein Das Herz, das edle Herz, — der Mann — der Mensch (Er wankt nitd wird rc» Fcir und Burgund zet-allcu.) O große Zeit, — ich Hab' dich nicht erlebt, — Doch dieser — Strahl von dir — in meiner Brust — Wie macht er süß — das Sterben!" j Wir scheiden von dem Dichter mit dem Wunsche, daß sein Drama den wohlverdienten Erfolg erreiche. Es ist im -' Lessing'schen Geiste geschrieben, wenn auch nach den Bedingungen ibc» gegenwärtigen Partcigewühls, der fanatischen ccclesia imilitans gegenüber. S^ethuicj 6ii<xcSuc&teti/. Deutschland. Berlin. 15. October. (Privatmitth.) Ter gegenwärtige j Cultusminister hat bereits offen den Weg bezeichnet, den er zu^ verfolgen gedenkt. Denn der erste Schritt läßt sicher auf bici weitere Folge schließen. Der Staatsverwaltung ist zu aller j Zeit ein großer Spielraum gelaffen, aber unbegrenzt ist dieser: da, wo ein bestimmt formulirtes Gesetz nicht vorhanden. Und dies findet bekanntlich in Preußen mit dem Unterrichtsgesetze statt, das zwar in der Verfassung verheißen, auch mehrmals, wie zuletzt von Dr. Falk im Entwurf ausgearbeitet worden, aber niemals bis zur gesetzgeberischen Behandlung gelangt ist. Der Minister v. Puttkamer hat sich entschieden gegen die Simultanschule erklärt, er werde sie nur im äußersten Falle zulaffen, und wo sie bereits besteht und es irgend angänglich ist, sie zur consessionellen Schule zurückführen. Die Stadt Elbing und noch einige andere Orte haben bereits die Wirkung dieses Systemwechsels erfahren. Bekanntlich sind unter Dr. Falk einige kleine jüdische Gemeinden gezwungen worden, ihre Schule aufzugeben. In anderen, größeren Gemeinden wurde Alles aufgewendct, um sie zur Vereinigung ihrer Schtlle mit der der anderen Confessioncn als Simultanschule zu veranlassen. Wie nun jetzig Wenn die Simultanschulen wieder zu specisisch consessionellen werden, werden die jüdischeit Gemeinde den Willen, und tvcnn auch den Willen, ivcrden sie die Mittel besitzen, ihre Schulen tviedcr herzustellen; noch dazu da jenen Stadt- und Staatsmittel zu Gebote stehen, den jüdischen Gemeinden aber nicht? Die Juden werden dann die Angeführten sein,!vie es in diesem Blatte vorausgesagt worden. Die >Zurückwandelung in konfessionelle Schulen geschieht aber nicht etwa blos des Religionsunterrichtes wegen, sondern um nach dem früheren Regime den ganzen Unterricht von speciefisch konfessionellem Geiste durchdringen zu lassen. Ja, man kann nicht bei der Volksschule stehen bleiben wollen, sondern, abgesehen von den Seminarien, bei denen es sich von selbst versteht, auch bei den höheren Lehranstalten die specifische Confessionalität tvieder mit aller Macht hervorholen. Dies Alles ist einfache Eonsequenz. Wie es sich dabei um den jüdischen Lehrer und zwar jeder Stufe stellen werde, kann man sich leicht selbst sagen. — Stöcker hat versprochener Maßen noch eine Abendunterhaltung über die Forderungen an das moderne Judenthum gehalten, die außerordentlich zahlreich besucht war. Auch einige Juden ließen sich verleiten, Gegenreden zu halten, welche aber die Linie der Mittelmäßigkeit kaum erreichten. Der.Redakteur der „B. B. C." Davidson veröffentlicht ein Schreibeil arr Stöcker, in welchem er ihn geradezu „unfläthiger Reden" gegen ihn, Davidson, be züchtigt, ihm Illoyalität vorwirft, da er seine Reden anders drucken läßt, wie er sie hält, und ihn endlich der Fälschung anschuldigt, da er einen Aufsatz Davidson's vollständig verdrehte, den Haupttheil überging und Phrasen aus dem Zusammenhänge riß, wodurch er t Stöcker) dem Artikel das gerade Gegentheil insinuirte und ihn, so präparirt, zum Gegenstände der heftigsten Angriffe machen konnte. D. zeigt dann, wie ungeziemend dies einem Religionslehrer, „einem Diener des Worts und Priester der Liebe sei." Hierbei will ich noch bemerken, daß ein Cand. theol. Fischer ein Schreiben an Stöcker veröffentlicht hat, das ztvar in Ausdruck und Form noch die Jugend des Verfaffers bezeugt, aber voll edlen Geistes und nachdrücklich einige Sünden des Herrn Hofpredigcrs gegen Wahrheit und Logik aufdeckt. Wir erkennen den Eifer des Herrn Fischer dankbar an. Herr Di'. Laster hat entschieden erklärt, kein Mandat zum Abgeordnctenhause jetzt annehinen zu tvollen, und so tvird die national-liberale Partei diesen hervorragenden Führer entbehren. In Frankfurt hat sich aus einem Kreise von Verehrern Lasker's ein Comit«: gebildet, um diesem bisherigen Landtags- Abgeordneten des Frankfurter Wahlkreises an seinem 50. Geburtstage — 14. October 1879 — als Zeichen der Anerkennung eine Ehrengabe zu überreichen. — Berlin, 15. Oktober. Der „B. B. Eour." theilt mit: „Wie wir vernehmen, bereitet das Repräsentanten-Eollegium der hiesigen jüdischen Gemeinde gegenwärtig einen Schritt gegen die bekannten Hetzereien, an deren Spitze der Herr Hofprediger Stöcker steht, vor. Die Berathungen über die zu ergreifenden Maßregeln schweben und entziehen sich deshalb inzwischen der Besprechung. Wir möchten aber bemerken, daß aller Wahrscheinlichkeit nach eine ofsicielle, an die Oeffentlichkeit gerichtete

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