Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1879)
- Date
- 1879-10-21
- Page
- Seite 683 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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683 geschrieben, uns anzuzeigen, daß sie seit Veröffentlichung des Gesetzes vom 1. Juli 1 STi» ihre Unterrichtsanstalten den Vorschriften dieses Gesetzes unterzogen hätten. Diese beiden Collegien haben so ein Beispiel von Toleranz und Unterwerfung unter die Gesetze gegeben, welches ihnen Ehre macht und das ausfallend n:it den heftigen Angriffen contrastirt, die durch den katholischen Clerus gegen den Eonununalunterricht gerichtet worden. Unsre Schulen wurden mit dem Jnterdict belegt, die sie besuchenden Kinder von der Communion zurückgewiesen, die Eltern in ihren Jntereffen bedroht, die Lehrerinnen zu den rivalisirenden Schulen überzugehen genöthigt." In Brüssel sei dieses Verfahren so gut wie ganz wirkungslos geblieben. — Da hier die Israeliten mit den Protestanten gemeinschaftlich gehandelt haben, kann der Elerus nicht allein gegen die ersteren Vorgehen. Serbien. Belgrad, 10. Oktober. Die National-Skuptschina ist auf den 2. November nach Nisch zusammenberufen. Bekanntlich soll derselben die von der gewöhnlichen Skuptschina schon genehmigte Gleichstellung der Juden zu endgültiger Beschlußfaffung vorgelegt werden. Bonn, 5. Octobcr. (Notizen.) Wir haben in vor. Nr. des Todes von Gustav Ritter von Epstein, einein vieljährigen Vorsteber der israelitischen Gemeinde in Wien erwähnt. Wir fügen noch folgendes hinzu. Alle Wiener Zeitungen widmen dem Verstorbenen übrigens sehr sympathische Nekrologe, den wärmsten die D. Z., deren Ausführungen wir die folgenden Stellen entnehmen: Wenn es überhaupt eine Neigung gegeben hätte, die zu befriedigen seine Vermögensumstände nicht erlaubt haben würden — und es gab keine solche Schranke — so war es seine Neigung zum Wohlthun. Nie hat ihm das Gefühl gefehlt, das; der Reichtyum Pflichten zu erfüllen hat, und ein ungemeffener Strom von Segen ist jahraus, jahrein von seinem Hause aus in das Dunkel und das Elend geflossen. Als das Schicksal der Armuth über ihn kam, da vermochte es ihn nicht zu beugen. Er;og in eine bescheidene Wohnung und schränkte alle Bedürfn.isse ein. Von allem Uebcrflusse trennte er sich, ohne mit einer Miene zu zucken. Blos ein Abschied that ihrn weh: von seinen Armen. Und diesen schob er hinaus bis aus die letzte Minute, bis auf die letzte Kraft. Man erzählt in dieser Hinsicht ein sehr bezeichnendes Geschehnis;. Eine alte Frau, die seinem Hause einst treue Dienste geleistet, hatte von Epstein eine Pension bezogen. Mit den größten Opfern gelang es ihm, der Greisin diese Rente bis zum Beginne des laufenden Jahres auszuzahlen.. Endlich war sein Können erschöpft und er sah sich gezwungen, der Alten die Einstellung ihrer Bezüge anzukündigen. Es war dies vielleicht für ihn einer der bittersten Momente der letzten Jahre. Eines Tages erfuhr er nun, daß die Frau erkrankt sei. Sofort begab er sich zu der Hilflosen, tröstete sie mit gebrochener Stimme und legte 20 Gulden auf ihr Bett — für ihu jetzt ein großes Opfer. — Nach neuesten 'Nachrichten hat Herr Großrabbiner Astruc zu Brüssel nun doch definitiv seine Entlastung genommen und wird mit dem; 1. Januar k. I. nach Paris übersiedeln. — Man schreibt aus Hamburg vom 10. September. Heute Nachmittag verstarb "nach monatelangem schweren Leiden Di-. Josef Pi za. Er war am 28. Febr. 1824 in Altona geboren. Er absolvirte! das Gymnasium in Altona, Hainburg und Braunschweig und widmete sich dann dem Studium der Philosophie an den Universitäten Göttingen und Heidelberg. Er lebte dann als Lehrer in Oldenburg, wo er auch als Sprachlehrer am Hofe des regierenden Großherzogs in hoch anerkannter 'Weise wirkte, j 1805) kam er mit seiner jungen Gattin und seiner Familie ■ nach Hamburg, wo er bald in verschiedenen hervorragenden! Lebensstellungen segensreich thätig war. Er docirte an der renommirten, von Dr. R< e geleiteten Stiftungsschule von 1815 Sprachen und Literatur und wurde als einer der ersten Eultusbeamten des reformirten israelitischen Tempels angestellt. 1802 trat er in die Journalistik ein, indem er hier die Redaetion >des „Norddeutschen Volksblattes" übernahm, welches Blatt er 'fast ganz allein redigirte und schrieb. Von 18(34—1871 war er Nedacteur des „Freischütz", der unter Lenz' und Piza's Leitung damals noch immer ein vielgelesencs und beliebtes Journal war. 1872 trat Dr. Piza in die Redaetion der „Reform". Der damalige Eigenthümer, Herr I. F. Richter, übertrug dem vielseitig gebildeten und gediegen wissenschaftlichen Manne die Ehefredaction, welche Do. Piza erst 1878, als sein Leiden ihn dazu zwang, niederlegte, indem er trotz alledem, wenngleich an schmerzlichen Anfällen taborirend, die Feder weiter führte, um sich dem Blatte nützlich zu erweisen. So war er noch bis zu Ende 187* literarisch thätig, bis seine immer schärfer und marternder hervortretende Krankheit seiner Hand auch die Feder, die sein Stab und feine 'Waffe im Leben gewesen, entriß. Ter Verblichene hat sich um die Vaterstadt speeiell als Mitglied der Bürgerschaft verdient gemacht, in welche er 1803 (sein Gegeneandidat ioar Riester) gewählt tvurde und bis 180'.) thätig war. Hamburg verliert an dem Verblichenen einen ihrer erkorensten und durchgebildetsten Geister. Ehre seinem Andenken! — Die Bestattung des Verstorbenen findet am Sonntag, 28. d. M., Vormittags 11 Uhr, auf dem portugiesisch-jüdischen Friedhofe statt. (Dem größeren jüdischen Publikum wurde er besonders durch die treffliche Bearbeitung des Moinaity, „Heurigues Morales" der Alis; Aguilar bekannt, die das „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur" herausgegeben hat.) — Die S mi cho we r israelitische Eultusgemeinde (bei Prag» besitzt einen ausgezeichnet geschulten Obereantor und ersten Vorbeier, den leider das Unglück traf, zu erblinden: trotzdem aber versieht derselbe seinen Posten zur