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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-10-21 · Heft 43 (21.10.1879) · p. Seite 681

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 43 (21.10.1879)
Date
1879-10-21
Page
Seite 681 (sequence 9)
Language
German
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681 »erger, in einer warmen Ansprache Namens der Gemeinde md ihrer Vertretung, sowie im Namen der übrigen israeliischcn Gemeinden unserer Provinz den. Jubilar, welcher sich .ei diesem Vorgänge Thränen der Rührung nicht crtvehren .onnte, auf's Herzlichste. Die hohen Verdienste des Jubilars um die religiöse und sittliche Bildung der Gemeinden wurden nach allen Seiten zum Ausdruck gebracht. Auf den Vortrag eines der Feier angemessenen Festgesangcs folgte sodann die meisterhaft vollendete, tief empfundene Festpredigt des Jubilars, durch welche er sich der schwierigen Aufgabe, an seinem eigenen Jubeltage selbst der doch nur ihm geweihten Stimmung Aller Ausdruck zu geben, glänzend entledigte. Nur in der allerbescheidensten Weise gedachte er unter fortwährenden Dankesergüsscn gegen Gott seiner vielfachen Leistungen, führte er sein ganzes vielbewegtes Leben an dem Zuhörer vorüber. Die Predigt hinterließ einen mächtigen Eindruck auf die Gemüther aller Anwesenden und manches Auge hatte sich während derselben mit Thränen der Rührung gefüllt. Bei dem nun folgenden Empfange in der Wohnung des Jubilars, tvurde dem Jubilar von dem Vorstande der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde Namens derselben ein kostbarer silberner Pokal mit entsprechender Inschrift als Ehrengeschenk überreicht. Auch die übrigen Genreinden des Nabbinats bethätigten durch ansehnliche Geschenke ihre Dankbarkeit und die Zahl der dem Jubilar von Privaten aus Nah und Fern gewordenen Liebesbezeugungen, bestehend in brieflichen und telegraphischen Beglückwünschungen, poetischen Widmungen, Blumenspendcn u. s. w. war kaum übersehbar. Am Nachmittage vereinigte ein sehr zahlreich auch von den Ehrengästen besuchtes Festessen die Gemeindemitglieder, sowie die zahlreichen Freurrde mrd Verehrer des Jubilars aus Stadt und Land, tvelche, freudig bewegt, erst die späte Nacht zu trermen vernrochte. Auch uns sei cs hier vergönnt, dem Wunsche und der! Hoffnung Ausdruck zu geben, daß dem greisen, aber noch frischen Jubilar der von ihm so rührend erflehte ruhige Lebensabend bis in die spätesten Jahre von Gott beschieden sein möge, zum Stolze seiner Familie, zur Freude seiner Gemeinde und aller Derer, welche ihm je im Leben näher getreten sind.!>>'. M. KattOwitz. (Privatmitth.) Für den hiesigen Wahlkreis wurden der freiconservative Oberberghauptmann 0>. Serlo mit; 558 und der nationale Df. Holtze mit 550 Stimmen in das - Abgeordnetenhaus gewählt. Die ultramontanen Gegeneandidaten unterlagen mit 437 Stimmen. Unter den Wahlmännern befanden sich etwas über 100 Juden, und da diese einstimmig^ für die gewählten Abgeordneten stimmten, so ist das Wahlergebniß allerdings ihnen zuzuschreiben. Was nun auffällig ist, das ist das Geschrei der ultramontauen Blätter über die Stimmabgabe der Juden. Als wenn diesen bei den schmählichen Judenverfolgungen , zu welchen die Organe der Ultramontanen nnennüdlich aufhetzen, irgend eine Wahl ließ, anders als gegen die ultramontanen Eandidaten zu stimmen. So schimpfen dieselben gegen die Juden im Wahlkreise Schubin- Jnowratzlaw, daß sie mit den Polen einen Compromiß geschlossen, in Folge deffen neben einem Polen auch ein Rationalliberaler (Kühn) gewählt tvurde. Die Dinge sind aber durch das Verfahren der Ultramontanen so lveit gediehen, daß die Juden so gut tvie einen Selbstmord begingen, wenn sie anders wählen lvollten. Mit Recht sagt z. B. „N. fr. Pr.", daß die Sprache der „Germania" gegen die Juden an die fanatischesten Mönchsreden im Mittelalter erinnern. Wir haben aber in Schlesien ultramontane Blätter, die es noch ärger treiben. Aus dem Elsas), im October. Es ist uns erstenlich, in einer Eorrespondenz der Arch. isr. die Worte zu lesen: „Ich bekenne, daß unsre Glaubensgenossen in Elsaß-Lothringen die deutschen höheren Behörden nur zu loben haben. Sie sinden Hülfe und Schutz in demselben Maße, wie die Katholiken und Protestanten." Allerdings, fährt der Corresp. fort, macht sich bei aller Unparteilichkeit der Behörden und bei dem Wohlwollen der Negierung, der jetzt über den Rhein in zahllosen Zeitungsjctrtifclii und Brochuren fließende deutsche Judenhaß im Volke ' fühlbar. Der Corresp. räth deshalb der unterrichteten jüdischen Jugend, nach Frankreich auszutvandcrn. Hcilbronn, 7. October. (Privatmitth. Abends.) Am 1. Tage des Laubhüttenfestes, als eben die Israeliten Abends beim Gottesdienste versammelt waren, wurde in die Synagoge zu Crailsheim ein mehrere Faust großes Stück Steinkohle mitten unter die andächtige Menge zum Glasdache heruntergetvorfen. Obschon 'Niemand verletzt tvurde, mußte der Gottesdienst doch aufgehoberr werden. Gutem Vernehmen nach tvurde von der königl. israel. Oberkirchenbehörde gegen einen der Rabbinen Württembergs tvegen öffentlichen Uebertretens der jüdischen Speisegesetze eine dreimonatliche Suspension erkannt. Ocslerreich-Ungarn. Wien, 7. October. (Privatmitth.) Um Mißverständnissen vorzubeugen, halte ich es für angemessen. Ihnen mitzutheilen, daß es hier in Wien bezüglich der jüdischen Schüler keine Gymnasialfrage giebt. Es ist nicht tvahr, wenn die „Gernrania" schreibt, daß das Schottengymnasium hier beim Beginne des Schuljahres (in Oesterreich für Volks- und Mittelschulen am 15. September) die Aufnahme von jüdischen Schülern verweigert. Es befinden sich nach wie vor im Schottengymnasium jüdische Schüler und muß es den Schotten, die zu dem Orden der Venedictiner gehören, nachgesagt werden, daß sie auch vor dem Jahre 1848 tolerant waren. ES wurde 43

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