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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-10-21 · Heft 43 (21.10.1879) · p. Seite 678

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 43 (21.10.1879)
Date
1879-10-21
Page
Seite 678 (sequence 6)
Language
German
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678 der in der jüdischen Geschichte berühmt gewordenen Frauen zu bekunden. Diesen ist der zweite Abschnitt des Buches gewidmet. Der Dichter beginnt mit den biblischen Frauen, läßt diesen die talmudische Zeit und das Mittelalter bis auf die letzten Jahrhunderte folgen und endet mit einem rührenden Hymnus auf Judith Montesiore. Es versteht sich, daß er nur die auserwäbltesten zum Gegenstände seiner Lieder macht. Was er an ihnen, außer den menschlichen Tugenden, am meisten preist, das ist der religiöse Heroismus. Und hier tritt uns wieder der ganze Weill entgegen, wie er sich in vielen Schriften gezeigt hat. Er steht leidenschaftlich für das Judenthum ein, schonungslos treffen seine Schläge sowohl auf die, dein Judenthume entgegengesetzten Glaubenslehren anderer Religionen, als auch auf die Verfolger und Haffer der Juden, mögen sie auf der rechten oder linken Seite sich befinden. Er nimmt hierzu jede Gelegenheit wahr, bricht sie auch zuweilen vom Zaune ab. Die Energie seiner Ueberzeugung bringt er zum vollen Ausdruck, und es darf nicht Wunder nehmen, daß sie bisweilen rauh, ja sogar plump erscheint. Daß er darum den jüdischen Frauen nicht geradezu schmeichelt, beweist Weill, wenn er von den Berliner Jüdinnen am Ende des vorigen Jahrhunderts spricht, und wenn er die gegenwärtigen Pariser Jüdinnen anredet, denen er Unkenntniß und Verachtung ihrer Religion, Coquetterie, Geisteshohlheit, Liebe für Putz und Luxus zuschrcibt, und bei deneu er nur das Eine zu loben weiß, daß sie fanatische Französinnen seien. Doch glaubt er, daß cs noch echte Jüdinnen in Paris und London gebe. Wir glauben auch außerhalb dieser beiden Städte und Länder. Vom ästhetischen Standpunkte haben die Poesien des Herrn Weill ebenfalls ihre Eigenart. Wahrhaft künstlerisch sind nur einige der Klagelieder auf seine verstorbene Gattin: einfach, zart, abgerundet in der Form. Sonst läßt er sich allzusehr gehen; neben hochpoetischen Versen die nackte Prosa; bald berührt er fast nur die Person, der das Gedicht gilt, und fügt eine lange Auseinandersetzung religionsgeschichtlicher Ansichten hinzu, bald stellt er ausführlich den Charakter und die Thaten der Persönlichkeit, die er verherrlicht, dar. Immer aber ist er an Gedanken und Form eigenthümlich. Wir glauben nicht, daß der vorliegende Band sich außerhalb der jüdischen Kreise einer günstigen Kritik zu erfreuen haben wird; um so mehr wollen wir dem Autor unsre Anerkennung widmen und sein Buch den Schätzen der jüdischen Literatur einreihen. ^ei4:aitg.Mtac&U/clateu/. Deutschland. Berlin, 10. Octobcr. (Privatmitth.') Nachdem die ultramontane Preffe gegen die Juden den „Wucher" verpufft und schließlich auch hiervon keine wesentlichen Wirkungen ge-! wahrt hat, schlägt sie wieder einen anderen, freilich schon oft j von ihr betretenen Weg von Neuen: ein: sie stellt die Juden.! „dem christlichen Volke" als die erbittertsten Feinde des Christen-; thums vor, die Tag und Nacht nicht aufhören, die christlichen! Heiligthümer zu schmähen. Es verfängt nicht, daß man sie; öffentlich aufgesordert hat, dies zu beweisen. Sie fährt in ihrerj bekannten Manier fort, die gesammte Judenheit für irgend eine j Auslastung irgend eines Blattes, woran Juden Mitarbeiten,; verantwortlich zu machen, die gesammte Judenheit dafür mit j der äußersten Gehässigkeit zu behandeln. Wie? haben jemals. Juden über das Christenthum sich dermaßen geäußert, wie es! christliche Schriftsteller seit der Mitte des vor. Jahrhunderts: bis zu dem heutigen Tage gethan? Man lese z. B. was in! einem der jüngsten Hefte der Zeitschrift „Unsre Zeit" Eduard I v. Hartmann über den speculativen Protestantismus gesagt.! Haben jemals Juden auch nur im Entferntesten so über die: katholische Kirche gesprochen, wie cs von Luther an protestantische i Autoren gethan? Christliche Schriftsteller haben über die christ-; lichen Kirchen derartig geschrieben, daß den Juden wahrlich nichts übrig blieb, und sie höchstens eine Phrase wiederholen können, die sie von jenen gelernt. Jetzt sollen nun die Juden Alles veranlaßt und verschuldet haben! ... Diese Feindschaft gegen die Juden bringt auch das Wunder zu Stande, daß die ultramontanen Schreiber und Schreier mit denen sich versöhnen, die sie sonst als ihre Todfeinde ansehcn und behandeln. Luther z. B., Fichre, Arndt u. A. erscheinen ihnen als Apostel der Wahrheit, sobald sie nur gegen die Juden recht gehässig auftreten. Hat aber Luther.gegen die Juden Recht, warum nicht auch gegen Rom? Wenn Ihr Luther als den verderblichsten Jrrlehrer brandmarkt, warum nicht auch in dem, was er gegen die Juden geschrieben? . . . Jndcß verlange inan Logik und Gerechtigkeit von Menschen, die diesen stündlich Hohn sprechen! — In diesen Tagen wurden die für das Berliner Landgericht I. bestellten Handelsrichter vereidigt, und die „B. B. Z." theilt die Namen sännntlicher Herren mit, welchen dieses Ehrenamt für die nächste Periode übertragen worden ist. Ihrer sind in 8 Kammern für Handelssachen 32, von welchen wir 10 als der jüdischen Religion angehörig erkennen. Es sind ihrer aber vielleicht noch einige, die uns als solche nicht bekannt sind. Jedenfalls liegt hier ein unparteiisches Urtheil vor, tvie sehr jüdische Kaufleute einen ehrenfesten Platz unter ihren Standesgenossen einnehmen.

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