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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-10-21 · Heft 43 (21.10.1879) · p. Seite 677

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 43 (21.10.1879)
Date
1879-10-21
Page
Seite 677 (sequence 5)
Language
German
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677 Naturalisation vorzuziehen, ist nur ein parlamentarisches Manöver, welches dazu dienen soll, die Anhänger der Negierung zu verwirren. Ein anderes Manöver der conservativen Partei besteht darin, daß sie Unterschriften sammelt, damit das Votum über die Judenfrage kein geheimes, mittelst schwarzer und weißer Kugeln, sondern ein öffentliches, mit Namensaufruf, sei. Manche Deputirte würden ihrer Ueberzeugung nach gewiß für die Regierungsvorlage stimmen, wenn sie auf ihre politisch unreifen und urtheilslosen Wähler nicht Rücksicht zu nehmen hatten." Bukarest, 8. October." Deputirtenkammer. Nach der Verlesung des von dem Deputirtencomit«! erstatteten Berichts über die Vorlage der Negierung, betreffend die Revision des Artikels 7 der Verfassung, bekämpfte der Deputirte Mayesco die Regierungsvorlage in einer die ganze Sitzung ausfüllenden Rede. Mayesco suchte nachzuwcisen, daß die religiösen Einrichtungen der Israeliten ihre vollständige Gleichstellung unmöglich machen; denn einzelne dieser Einrichtungen, wie z. B. die Eheschließungen unter Verwandten, ständen im Widerspruch zu den Bestimmungen des rumänischen Civilrechts. Der Redner erörterte sodann jeden einzelnen Artikel des Entwurfs und wies auf die Gefahren hin, welche sich ergeben könnten, wenn nicht ganz bestimmte Gesetzesverfügungen über die Erlangung der Staatsangehörigkeit in die Verfassung «»'genommen würden. Es müsse vermieden werden, daß jede zukünftige Regierung berechtigt sein könnte, eine Abänderung der bestehenden Gesetze zu verlangen. Bukarest, 10. October. Die Deputirtenkammer setzte gestern die Berathung der Vorlage, betreffend die Revision des Artikels 7 der Verfassung, fort. Aus Veranlassung der Ueberreichung einer von einigen Rumänen eingebrachten Petition, in welcher die Deputirte» dringend gebeten werden, den Entwurf der Regierung abzulehnen, entwickelte sich eine lebhafte Debatte, in deren Verlauf der Deputirte Cogalniceanu erklärte, er bedauere, daß unter so schwierigen Verhältnissen und während das Land sich ohnehin schon in großer Aufregung befinde, gewisse Deputirte auf nichts Anderes abzielten, als die Gemüther noch mehr zu erregen. Ter Redner führte namentlich als ein zu dem angegebenen Zwecke angewandtes Mittel den Umstand an, daß die Landbewohner in einem Aufruf aufgefordert werden, sich am 26. Set ober bewaffnet nach Jassy zu begeben. Cogalniceanu bat schließlich seine College», solchen Umtrieben ein Ende zu machen, welche für Rumänien nur verhängnißvoll sein könnten. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 8. October. Die Trauer, der Schmerz über einen unersetzlichen Verlust bethätigt sich in sehr verschiedener Weise. Der Eine schließt ihn in seine Brust ein, wahrt ihn darin wie ein unantastbares Heiligthum und scheuet jede Berührung desselben,' sei es selbst von der freundschaftlichsten Hand. Der Andere will seinem Schmerze ein Denkmal aufrichtcn, irgend eine Thal, ein Werk widmen, das aus diesem Boden entsprossen und vom Hauche seiner Trauer durchweht sei, ohne jedoch'diese letztere der Welt zu bekunden ,^ ohne ihr zu sagen, dies bringe ich dem Andenken des theuren Todtcn dar. Der Dritte endlich will für seinen Schmerz einen Aus* druck finden; es wühlt und wogt in seiner Seele, daß sie keine Ruhe findet, bis sie ihrem Weh die Fülle der Klagetöne verschafft, bis sie vor der Welt die ganze Mächtigkeit ihres Leids offenbart hat. 'Wir ehren jede dieser Weisen in ihrer Art. Wir werden vor dem Einen schweigen und ihn sanft an die Interessen erinnern, die ihm noch geblieben; wir danken dem Zweiten, was er aus seinen tiefen und zarten Empfindungen heraus uns schöpferisch bietet; wir leihen dem Dritten willig unser Ohr, und gewähren seiner Klage den vollen Wiederhall in unsrem Herzen. Der französische Schriftsteller Herr Alexander Weil! hat seine Gattin durch den Tod verloren. In dreißigjähriger Ehe war sie ihm ein tvahrhafter Schutzgeist gewesen, und ohne daß ihr Bund mit Kindern gesegnet war, lebten die Gatten in der beglückendsten Eintracht. Weill ist einer der eigenartigsten Charaktere. Wahr, aufrichtig, von unbeschränktem Frcimuth, voll Geistesschärfe und tiefer Empfindung, aber schroff, streng, rücksichtslos, leidenschaftlich. In vielen Ansichten originell, hält er jede derselben für unfehlbar wahr, und stellt sie apodiktisch hin, die von ihm angebrachte Begründung, so einseitig sie auch oft ist, für untrüglichen 'Beweis erachtend. Der Verlust seiner Frau hat ihn auf's Tiefste erschüttert, und er gab seinem Schmerze einen vollen und glänzenden Ausdruck in einer Reihe von Gedichten, die unter folgendem Titel erschienen sind: A'ratliina, nin i'«:liun<;; I„es gramles juivos de l’liistoire. l’aris, Dentu, 1.871), Niemand wird diese Klagelieder über den Tod eines geliebten Weibes lesen, ohne selbst tief ergriffen zu werden: Niemand wird diese Verklärung, die Verherrlichung der Dahingeschiedenen anders als mit Achtung und Wehinuth entgegcnnehmen, wenn auch der Schmerz bisweilen etwas Wildes, der Lobpreis etwas Extravagantes an sich hat. Muß doch, was in unserer Zeit gehört sein will, über die bescheidenen Grenzen der Mäßigung unb ruhiger Besonnenheit hinausgehen. Aber Eines bleibt unsrem Dichter auch in der ungezähmten Gährung der Leidenschaftlichkeit: das ist die auf- ■ richtige Gottesfurcht, die Verehrung des Gottes, den das Judenthum lehrt, und die Liebe zur Menschheit. Es wird daher dem Leser nicht allzusehr aufsallen, wenn er schon aus dem Titel ersieht, daß Weill aus dem Schmerz um seine Frau und in ihrer Verherrlichung den Weg findet, das jüdische Weib zu glorisieiren und dies durch die poetische Darstellung

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