Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1879)
- Date
- 1879-10-14
- Page
- Seite 666 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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666 wärtigen Geschlechte bewußt zu machen, was wir dem edlen Weltweffcn zu danken habend) Oesterreich-Ungarn. Pest, 26. September. Ueber den Synag o gen einstürz in Szolyvnr, einem zwei Meilen von Munk-'.cs entfernten Marktflecken, entnehmen wir einer Correspondenz des „P. Napl«'»" noch Folgendes: . . . Das Schreckliche der Situation tvurde noch dadurch' gesteigert, daß die in das Daderescrvoir gefallenen Personen von dem nachstürzcnden Gebälk unter das Waffer niedergedrückt. wurden und das; die religiöse Befangenheit viele der orthodoxen ■ Juden wegen des hohen Feiertages von der Hülfeleisiung' zurückhielt. Bald jedoch erschienen die Forst- und Oeconomicbeamten der gräflich Schönborn'schen Munkücser Herrschaft mit ihren Leuten und retteten, tvas noch zu retten war. 16 Frauen und 1 Knabe wurden tobt aus dein Waffer gezogen. Außerdem erlitten noch .12 Individuen kleinere und! größere Verletzungen. Als der herbeigerufene Arzt kam, fand j er 17 Leichen in einem Zimmer neben einander gelegt, zu Häupten einer jeden eine brennende Kerze, tvas den Anblick s noch schauerlicher machte.! Außer diesem betrübenden Unglücksfall lauten die Nachrichten aus verschiedenen sog. orthodoxen Gemeinden der Provinz sehr unangenehm, so daß lvir hier die Details wohl übergehen mögen. In der autonom-orthodoxen Gemeinde Galpöcz fand am Neujahrsfeste während des Gottesdienstes wegen des Eintritts eines Mannes, der die Cultussteuer noch nicht ganz bezahlt hatte und dem man deshalb das Anwohnen des Gottesdienstes versagte, eine arge Prügelei statt. In Beregßüß wurde durch die Umtriebe des Rabbiners der Chasan verhindert,; vorzubeten, was einen Tumult zur Folge hatte. In P-ißt«'.- brachte, da die Gemeinde in „Patrizier" und „Plebejer" sich i gespalten und der Vorstand von den letzteren getvählt ist, die' Verlesung einer Vorschrift des Vorstandes einen großen Tumult s in der Synagoge zu Wege. So betrübend derartige Vorgänge j sind, so vermögen sie bei dem Unbetheiligten noch einige j Heiterkeit zu erwecken. Unangenehmer ist folgender Vorfall:! Aus Baues od (Biharcr Comitat) berichtet man dem „Debr.":; Am jüdischen Ncujahrstage klopften mehrere Vauernbursche an. die Thür des israelitischen Schankwirthes und verlangten! Einlaß. Dieser rief zum Fenster hinaus, heute sei Feiertags trenn sie zechen wollten, möchten sie in sein anderes Schank-! local sich begeben, Ivo er einen Taglöhner zur Bedienung der t Gäste gemiethet. Die Bursche jedoch wollten nicht von der! Stelle Weichen und drohteil, die Thür einzuschlagen. Erschreckt: 1) Ter Bericht über die 50jährige Jubiläumsfeier des Herrn! Rabbiner vr. Levi in Gi eßen ist uns zu spät zugekonunen, so j daß wir ihn erst in folgender Nummer geben können. Reda.ction. ' von dieser Drohung, öffnete der Schanktvirth und setzte ihnen 1 zu trinken vor, unter der Bedingung, daß sie, wenn sie äusgetrunken, sich sogleich entfernen. Die Bursche aber kehrten sich nicht daran, sondern verlangten auf's Neue Wein, und als der Wirth sich weigerte, schlugen sie ihn zu Boden. Da ging er, sich aufraffend, in's Nebenzimmer, kehrte mit einem Revolver zurück und feuerte ihn auf die Bursche ab. Auf den Schuß eilten die eben aus dein Bethause konunendcn Israeliten ihm zu Hülfe, es entstand eine Schlägerei, die sich bald auf die Gaffe fortpflanzte. Die Bauern, welche der rcsi Geistliche vergeblich zu beschwichtigen bemüht war, bewaffneten sich mit Schaufeln und Heugabeln und singen nun an, die jüdischen Hällser zu stürmen, deren Bewohner glücklicherweise sich zum größten Theil noch rechtzeitig geflüchtet oder versteckt hatten. Für die küilftige stacht tvurde ein neuer Ueberfall geplant, dessen Ausführung jedoch dadurch vereitelt tvurde, daß der durch den ref. Geistlichen benachrichtigte Stuhlrichter mit Panduren im Dorfe erschien und vierzig der Tumultuanten festnehmen und verhaften ließ. Pnibl), 2ö. Septeinber. Nicht blos aus den; russischen Grenzrayon sind österreichische Juden, die dort Grundbesitz erworben haben, aus gewiesen worden, sondern selbst in der Stadt Berdvezew sind dreißig Oesterreicher mosaischen Glaubens, trotzdem sie regelmäßige Pässe besaßen, arretirt und über die Grenze gebracht worden. Frankreich. Paris, 2. Octobcr. (Nach den Arch. im-.) Bei den jüngsten Hebungen der Territorialarmee in Algerien haben sich die an denselben betheiligten eingeborenen Israeliten vortheilhaft ausgezeichnet. Der „Irulrpeiidimt“ Oon Eonstantine vom! N. September macht darüber folgende Bemerkung: Wir beglückwünschen die Israeliten, die einen Theil der Territorialarmee bilden. Durch ihre Energie, die Anstrengungen zu ertragen, durch ihre Aufmerksamkeit und ihren guten Willen haben sie ein schönes Resultat errungen. Sie sind jetzt tvahre Soldaten geworden und ertverben sich täglich die Achtung ihrer Vorgesetzten, sowie ihrer Kameraden. Das Schießen nach der Scheibe, eine der» größten Theile - unter ihnen unbekannte Nebung, war für sie eine Gelegenheit, zu zeigen, was der gute Wille eines Mannes, vereint mit dem lebhaften Wunsche, sich zu unterrichten und lächerliche Vorurtheile zu bekämpfen, vermag. Diese Erfahrung der letzten Tage hat erwiesen, daß Frankreich in der israelitischen Nation treue Bürger und ergebene Soldaten besitzt. — Diese Befriedigung ist durch ztvei Unfälle etwas getrübt worden. Ein Jude von der Territorialarmee, Belaich, ist am Sonnenstich gestorben. Er tvurde mit allen militärischen Ehren beerdigt und der Capitän seiner , Compagnie sprach am Grabe erhebende Worte. Einem Andern