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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-10-14 · Heft 42 (14.10.1879) · p. Seite 664

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 42 (14.10.1879)
Date
1879-10-14
Page
Seite 664 (sequence 8)
Language
German
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Recht hat hierin Herr Stöcker doch. Es bedurfte eines solch hohen Geistes wie Lessing, um diese Gestalt aus der verkümmerten Wirklichkeit zum Ideal;rr das Institut seit einer Reihe von Jahren gemacht, sicherlich Allen willkommen, denen die Einrichtung der neuen Altersvcrsorgungsanstalt der Stadt Berlin obliegt. — Dieser Schrift erheben! Darum wird aber auch im Judenthum und in der!entnehmen wir Folgendes. Don der Beerdigungsanstalt im Judenheit ein Christcnthum wie es L es sing in sein er! Jahre 1821J gegründet, führte die Anstalt in den ersten fünflauteren Seele trug die Achtung und die Verehrung' zehn Jahren ein ziemlich kümmerliches Dasein. Wenige Zimmer genießen, die es welthistorisch verdient, und darumjim alten Krankcnhause genügten zur Ausnahme der ersten kämpft auch heutigen Tages mit gutem Grund mancher Jude j Hospitanten, bis sich die Anstalt im Jahre 1845 ein eigenes mit in dem Kampfe, wo es gilt: das Christen!hrnn Lcssing's! Heim gründete, zu dessen Baukosten der Magistrat von Berlin zu retten vor der Herrschaft des Christenthums der!2<X)0 Thaler beisteuerte. Im Jahre 18G7 wurde die Anstalt Stöcker und Genossen, welche den Lessing verdammt haben und stets verdammen werden!" — Berlin, 2. October. Der „Franks. Ztg." wird von hier geschrieben: „Wie wir hören, haben sich nicht nur einige hiesige Vczirksvcrcine an die Stadtverordnetenversammlung mit Eingaben wegen der jetzt von vielen Seiten unter Anführung des Hofprcdigcrs Stöcker in Scene gesetzten Judenhetze gewandtsondern es stehen auch Collectivpctitionen zur Wahrung der religiösen Freiheit an beideHäuscr des Landtags bevor. Es kann dem kundigen Beobachter hier nicht entgegen sein, daß diese von Personen, die sich der besonderen Gunst d°r Negierung erfreuen, systematisch in Seene hetze in weitere Kreise gedrungen ist, als man meist anzu-i nehmen scheint. In Restaurants, Privatcirkeln?c. bilden sich Conventikel, an denen Staatsbeamte thcilnehmen, worin die Sprache der Herren Marr, Glagau, Stöcker, Diestelkamp, Cremcr und Genossen laute Billigung findet. Die Mitcheilung, daß man an maßgebender Stelle sich über diese Vorgänge sehr mißbilligend ausgesprochen habe, ist ebenso unrichtig, wie die andere, daß die Vertretung der hiesigen israelitischen Gemeinde an allerhöchster Stelle über den neuesten Unfug vorstellig werden will." (Es wäre unsrer Meinung nach ein sehr unglücklicher Gedanke, über die Schimpfereien einiger Pietisten und Ultramontanen an die Kammern zu gehen! Man bereitete nur gewissen Abgeordneten dieser Classe die Gelegenheit, die Lästerungen und falschen Behauptungen, die in ihrer Presse über uns verbreitet werden, auch auf die Tribüne der gesetzgebenden Körper zu bringen. Man hüte sich vor dergleichen Unsinn! Neda et. der A. Z. d. Judenth.) —. Die Alters-Versorgungsanstall der jüdischen Gemeinde begeht am 5. October VorrrulLi^s 11 Uhr das Fest ihres fünfzigjährigen Bestehens in den Räumen der Anstalt, Große Hamburgerflraße 26, durch Gesang und Festreden; um 2 Uhr werden die Hospitaliten festlich gespeist. ' Eine I u b i l ä u m s s ch r i ft, welche der Anstaltsvorstand bei dieser Gelegenheit herausgegeben, enthält eine Fülle statistischen Materials Md sind die Ersahrungm, welche durch einen ersten, im Jahre 1872 durch einen zweiten Anbau vergrößert und hat Herr Adolph Reichenheim hierzu 30,000 Thlr. hergegeben. Jetzt ist die ganze Anstalt (‘J4 Hospitaliten fassend) vollständig besetzt und die Verwaltung in die Nothwcndigkeit versetzt, neue Räume für die große Anzahl der sich meldenden würdigen und bedürftigen alten Leute zu beschaffen. Das bevorstehende Jubiläum giebt sicherlich vielen Wohlthätern des so segensreich wirkenden Instituts die willkommene Gelegenheit, zur weiteren Entwicklung Capitalien herzugebcn. Der Magistrat ist vom Vor st an de der Alter sversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde in Berlin unter Ucbersendung der Jubiläumsschrift zu der am 5. k. M. Vormittags 10 Uhr stattsindendcn gottesdienstlichen Feier des der Anstalt cmgelade» worden und wird zu derselben den Stadtrath Hermes und Svndicus Eberty dcputircn. Von der Stadtverordnetenversammlung werden ebenfalls vier Deputirte erscheinen. Bcrlin, 3. October. Die Wahlmännc r des zw eiten Berliner Landlagswahlkreises sind sofort am Abend des Wahltages zu einer ersten Versammlung zusammengctreten. Rach der Wiederwahl des bisherigen Bureaus cröffnetc der Vorsitzende die Vorschlagsliste für Candidaten. Ein Wahlmann stellte den Antrag: „Die heutige Versammlung beschließt: Mit Ausschluß aller Ivciteren Candidaten werden die bisherigen Abgeordneten des zweiten Berliner Landtagswahlkrcises, Dr. med, S tr affin an n (Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, Israelit) und 0r. m^ck. Lang er Hans, für die nächste Wahlperiode zur Wiederwahl gestellt." Der Antrag wurde mit großer Majorität angenommen. Hierauf erhielt zunächst Herr I)r. Straßmann das Wort. Derselbe wurde von lebhaftem Beifall begrüßt und führte etwa Folgendes aus: Den ihm gezollten Beifall halte er für die Bethätigung des Willens, treu und unerschütterlich sestzuhalten an den als richtig erkannten liberalen Grundsätzen, mannhaft und unerschrocken einzutretcn zum Schutz der mühsam errungenen freiheitlichen Institutionen. Die Reaetüm sei von langer Hand vorbereitet und die Fortschrittspartei könne es als ein Verdienst in Anspruch nehmen, daß sie es an Warnungen und Ermahnungen nicht habe fehlen lassen. Jetzt fei die Situation grell beleuchtet. Von hier aus bespricht der Redner die tvirthschast-

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