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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-10-14 · Heft 42 (14.10.1879) · p. Seite 660

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 42 (14.10.1879)
Date
1879-10-14
Page
Seite 660 (sequence 4)
Language
German
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660 den ersten Schritt als zu klein zu betrachten geneigt scheint. Da die deutsche Negierung, welche eine Zeit lang an der Spitze der Frage gestanden, stch heute zu einer gemäßigteren Ansicht bekennt, so dürften die übrigen Negierungen schließlich deren Anschauungen beitreten." Diese Nachricht der „Times" wird selbst von der „N. fr. Pr." stark bezweifelt, die zugesteht, daß das, was der rumänische Gesetzentwurf biete, doch selbst als Abschlagssumme gar zu wenig sei, noch dazu, da durch die bloße Listcnertheilung für weitere Schritte auf dem Wege der Emancipation nicht die geringste Aussicht eröffnet, das Schicksal der übrigen Juden aber noch trauriger wird, als es bis jetzt gewesen. — Eine Correspondenz der Arch. isr. giebt über die 1074 Israeliten folgende Mittheilung. Sie bestehen aus: Officieren in der Armee: 10; Soldaten aus dem Kriege 1877/78: 202; Reservisten seit 1870/70: 622; Neformirten Militärs: 29; Civilisten: 211. Nun das Veste: Von den 863 Militärs dieser Liste lebt die Hälfte nicht mehr, die andere Hälfte besteht aus Juden, die zur Erhaltung ihrer zahlreichen Familien Tag für Tag arbeiten und deshalb nach den politischen Rechten gar nichts fragen. Daß von 211 Civilisten manche nur aus dem Wege der Bestechung hineingekommen. Andere übergangen worden sind, die den vollen Anspruch gehabt hätten, z. B. die in den Ambulancen gedient haben, wollen wir hier nicht einmal betonen. Wenn aber ein großer Theil Derer, die in der Liste stehen, nicht mehr lebt, wie soll man diese Gaunerei richtig bezeichnen?! — Herr Crömieux hat unter dem l. October an die Pariser Blätter ein Schreiben gerichtet, in welchem er in klarster Weise darthut, wie der Gesetzvorschlag der rumänischen Negierung den Artikel 44 des Berliner Vertrags illusorisch macht und den rumänischen Juden ein noch härteres Loos bereitet, als sie es bis jetzt zu ertragen gehabt. In nächster Nr. werden tvir das Schreiben vollständig wiedergeben. 6itcxc(att/cßteit. Deutschland. Breslau, 29. September. (Privatmitth.) Die „Germania" und ihr ganzer ultramontaner Anhang, namentlich die „Schlesische Volkszeitung" machten cs sich seit einiger Zeit zur Aufgabe, Wuchergeschichten zu erzählen, in denen sie Juden siguriren ließen, und um einen gewissen Schein der Unparteilichkeit zu retten, dann und wann auch einen Christen aufspielten. Der letztere kommt immer seltener, jetzt gar nicht mehr vor, während der Juden kein Ende ist. Denn das ganze Spiel dieser frommen Rotte geht nur darauf aus, das Volk zu einer Judenhetze aufzureizcn. Wir unsrerseits verabscheuen es, ähnliche Geschichten, selbst wenn sie vollkommen tvahr sind, zu sammeln, um eine andere Religionsgenosscnschast dadurch zu belasten oder nur zu kränken. Wir brauchten z. B. nur die leider so zahlreichen Beispiele von Staats- und städtischen Beamten, die mit Unterschlagung großer Summen davonlaufen, und unter welchen kein Jude, zu sammeln. Aber es wäre doch geradezu eine Schwäche von uns, wenn wir unsre gewissenlosen Gegner nicht auf Vorkommnisse verwiesen, die zu ihrer Charakteristik dienen. Da finden wir nun in Breslauer Zeitungen folgendes sicherlich höchst intereffantes, „Erklärung" überschriebenes Inserat: „In Nr. 212 der „Schlesischen Volkszcitung" vom 14. September ist im Feuilleton unter „Breslauer Wuchergeschichten" unteranderen fingirten Namen auch der Mcinige, und zwar statt Hoffman.r „Hoffnarr" genannt. Es ist darin gesagt: „daß ich die inr Obst- und Zlviebelhandel erworbenen Gelder im „Schweidnitzer Kelter" zu „billigen Zinsen gegen Wechsel und Unterpfand an den Mann brächte". — Die Bewohner unserer Stadt werden mir bezeugen können, daß ich mich in meinem ganzen Leben in mühsamer Weise immer ehrlich und brav durchgeschlagen habe, und daß ich trotz aller Arbeit ein armer Mann geblieben bin, mithin kein Vermögen besitze, um Gelder gegen Wechsel verleihen zu können. Die ganze in der „Volkszeitung" mitgetheilte, meine Person betreffende Erzählung ist demnach eine Unlvahrheit, die nur allein dazu dienen soll, mich dem Haß und der Verachtung meiner Mitbürger auszusetzen. Ich werde diese Angelegenheit nicht ruhig auf mir sitzen lassen, vielmehr tverde ich die Hilfe des Staatsanwalts nachsuchen. Wenn das die gepriesene Religiosität der „Volkszeitung" sein soll, ihre 'Nebenmenschen öffentlich zu beschimpfen und zu blamiren, so verzichte ich als katholischer Christ aus eine solche Religion, und erkläre hiermit feierlich, daß ich von heute ab mit ineincr Familie aus der katholischen Religionsgemeinschaft ausscheide, denn diese Art von Christenthum ist nicht nach der Lehre unseres Stifters, der da sagt: „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst." I. Hoffmann. — Oder ein besonderes Beispiel, daß kein ultramontanes Blatt veröffentlicht hat. Aus Warmbrunn datirt, veröffentlicht der „Gebirgsbote" Nachstehendes: „Nach einer kurzen, kaum einjährigen segensreichen Thätigkeit wurde am vergangenen Donnerstag Herr Cantor August von hier nach schwerem Krankenlager, von welchem ihn ein gütiger Tod erlöste, zur ewigen

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