Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-10-07 · Heft 41 (7.10.1879) · p. Seite 649

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 41 (7.10.1879)
Date
1879-10-07
Page
Seite 649 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227231-3227273--37510-3256920
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

649 auch die Möglichkeit benommen, sich über die bereits im Voraus designirten Candidaten zu äußern, da sie am Freitag Abend nicht erscheinen können und am Wahltage selbst keine Discussion gestattet ist. Mit dem Wunsche, daß ein derartiges Verfahren in Ihrem geschätzten Blatte die gebührende Abfertigung erfahren möge, zeichnet re. — — — In einem ,liberalen^ Organe lesen wir Folgendes: „Wie verlautet, wird der Abg. Lasker nur ein Mandat von seinen bisherigen Wählern in Fmnkfttl't a. M. annehmen. Sollte seine Wiederwahl dort nicht erfolgen, so gedenkt Abg. Lasker aus seine parlamentarische Thätigkeit im Abgeordnetenhause bis auf Weiteres zu verzichten. Herr Lasker hat alle ihm anderweit angetragenen Mandate abgelehnt." , £>nnit Otter, 22. September. (Privatmitth.) Der bisherige Obergerichtsanwalt Julius Simon Hierselbst, Mitglied des Repräscntanten-Collegiums unserer Gemeinde, ist vom Justizminister zum Amtsrichter am hiesigen Orte ernannt worden und wird sein neues Amt schon mit dem 1. October d. I. antrcten. Derselbe, welcher sich in Beziehung auf Gewissenhaftigkeit und Rechtlichkeit des besten Kluses erfreut, ist der erste jüdische Richter in unserer Provinz. In der ersten Club-Versammlung nach den Vereinsferien, welche die hiesige geographische Gesellschaft im Beginne dieses Monats hielt, referirte der Sccrctair der Gesellschaft über die geographische Vertheilung der Juden in der Provinz Hannover. Derselbe bemerkte, daß, während die Gesammtzahl der Inden in Europa circa 5 Millionen betrage, dieselben im Jahre 1871 im deutschen Reiche l,2 Procent der gesammten Bevölkerung ausmachten, in den Niederlanden 1,0 Proc., in Rußland (mit Finland, aber ohne Polen) 2,8 Proc., in Rumänien 3,0 Proc., in Oesterreich-Ungarn 3,8 Proc., in Polen sogar 13,7 Proc. Das deutsche Reich nehme also hinsichtlich des Procentsatzes einer jüdischen Bevölkerung in Europa erst den sechsten Rang ein. In der Provinz Hannover bilden die Israeliten sogar einen noch bedeutend geringeren Bruchtheil der Totalbevölkerung, nämlich im Jahre 1871 nur erst 0,05 Procent (12,788 Köpfe.) Im Jahre 1845 zählte das damalige Königreich Hannover 0,(53 Proc. Juden (11,208 Seelen.) Das Wachsthum des semitischen Procentsatzes sei also ein nicht sehr erhebliches gewesen. Dagegen habe z. B. der jüdische Theil der Bevölkerung des ganzen preußischen Staates in dem Zeiträume 1807—1871 um 3,02 Proc. zugenommen, während sich die Gesammtbcvölkerung Preußens in derselben Periode nur um 2,37 Proc. vermehrt habe. Namentlich wachse die jüdische Bevölkerung in den Städten, wogegen sie sich int Allgemeinen mehr und mehr vom platten Lande zurückziehe. So zählte Berlin im Jahre 1861 erst 18,053 Israeliten, im Jahre 1871 aber bereits 36,015 (s. Berlin w. o.) d. h. also dreimal so viel, als die ganze Provinz Hannover zu derselben Zeit, lieber die Hälfte aller hannover'schen Juden wohnte 1871 in den „selbstständigen Städten" der Provinz (6731 Köpfe): in den letzteren bildeten sie 1,00 Proc., auf dem Lande (in den amtssäßigen Stadtgcmeinden, Landgemeinden und Gutsbezirken") dagegen nur 0,30 Proc. der betreffenden Gesammtbevölkerung. Unter den Aemtern waren bei der Volkszählung jenes Jahres noch j fünf gänzlich ohne jüdische Bewohner, nämlich Woeltingerodc; und Elbingerode (Landdrostei Hildelsheim) Lüneburg und Winsen (Landdrostci Lüneburg), Lingcn (Landdrostci Osnabrück). Einen größeren Procentsatz jüdischer Bewohner als den Reichsdurchschnitt, also mehr als 1,2 Proc. hatten nur vier Aemter auf-! zuweilen, nämlich Reinhausen und Uslar (Landdrostei Hildesj heim), Wittmund und Weener (Landdrostei Aurich.) Tie beiden > Orte mit der relativ stärksten Judenbevölkerung waren Mollen-!felde (Amts Reinhauscn), wo unter 3,50 Einwohnern 8-1 Juden ■ und Neustadt-Gödens (Amts Wittmundl, wo unter 700 Einwohncrn 100 Juden gezählt wurden, j In Elze ist vom Magistrat und Bürgervorsteher-Collegium ' der Banquier PH. Wolfes für die Stadt Elze und in Großj Freden von der Gemeindevertretung der Kaufmann PH. Frank j einstimmig zum Schiedsmann für Groß-Freden gewählt worden. Aus Hamburg schreibt ein Augenzeuge vom 21. d. M.: „Wir hatten heute aus eigener Anschauung Gelegenheit, den famosen 5-'/,jährigen Rechenkünstler Moritz Frankl ans Ungarn! zu sehen. Alan steht hier allerdings vor einem Phänomen. Der kleine allerliebste Knabe rechnete in kaum einer halben Minute das Alter von vier Herren, das er auf 101 Jahre insgesammt ermittelte, mif 5,171,00!,<)<>() Seeunden aus. Die Ouadratz'ahlen, die Additionen und Multiplieationen der umfangreichsten Zahlengruppen führt der kleine Kerl scheinbar spielend aus. Dabei ist der Kleine nicht einseitig angelegt, sondern interessirt sich für alles Ungewöhnliche in seiner Umgebung." AlftNta, 22. September. (Privatmitth.) In der am 18. d. M. stattgehabtcn Sitzung der städtischen Collegien brachte der Bürgermeister Adickes Namens der Schuleommission den Antrag, betreffend Subventionirung der hiesigen isr. Gemeindcschule, ein. Referent bemerkt, das; schon lange Verhandlungen zwischen der Regierung und dem Vorstande der hochdeutschen Jsraelitcngemcinde Hierselbst schwebten. (In diesen Blättern tvurde bereits vielfach darüber berichtet.) Die Regierung hat das Verlangen gestellt, daß erwähnte Schule wie die übrigen Volks- resp. Bürgerschulen gestaltet werde. Bei der hierauf in der Gemeinde erfolgten, auf die Angelegenheiten bezüglichen Verhandlungen hat sich das Repräsentanten-Collegium mit 6 gegen 3 Stimmen für Annahme des von der Regierung gemachten Vorschlags erklärt, wogegen sich der Gemeindevorstand einstimmig dagegen ausgesprochen. In Folge dessen hat die- Negierung nunmehr eine Entscheidung über Aufhebung resp. Weiterführung der Schule zu treffen, will dies jedoch nicht eher thun, bis sich die städt. Collegien darüber schlüssig ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.