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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-10-07 · Heft 41 (7.10.1879) · p. Seite 647

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 41 (7.10.1879)
Date
1879-10-07
Page
Seite 647 (sequence 8)
Language
German
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647 Mehrheit im Senat; 3) 1074 Juden, die (scheinbar) gewissen! Juden werden nicht emancipirt, sondern nur um vor den Kategorien angehören, werden ausnahmsweise naturalisirt. j Großmächten den Schein zu retten, ausnahmsweise jetzt 1074 Will man dies aber ssch völlig deutlich machen, so heißt Juden mit den politischen Rechten beschenkt, ohne daß jedoch es nichts Anderes als, die bürgerliche Gleichstellung wird in > den Kategorien für die Zukunft ein Recht eingeräumt wird, die Verfassung ausgenommen, aber niemals ausgcführt; die s ^ocitiuia aitac&ttcßtcw. Deutschland. Berlin, 24. September. (Privatmitth.) Nachdem die ultramontanen und pictistischen »Zeitschriften, Flugblätter, Broschüren und dicke Bände den Boden für die Hetzereien gegen die Juden gelockert, die Oeffentlichkeit an ihre Expektorationen gewöhnt haben, ist es nicht zu verwundern, wenn sie auch in Versammlungen sich ans Licht wagen, die mehr oder weniger den Charakter der Oeffenllichkeit haben. Die Scham vor dem öffentlichen Urtheil ist gewichen und wenn einmal die Maske gefallen ist, bekommt man die ganze Fratze zu sehen. So geschah es in der Katholikenversammlung durch den Abg. Cremer, und jüngst in der „christlich-socialen Arbeiterparteiversammlung" des Hofpredigers Stöcker, der als das Thema derselben „unsere Forderungen an das moderne Judenthum" angekündigt hatte rmd noch eine zweite Versammlung darüber halten will. Es ist überflüssig, hier auf die Auslassungen dieser beiden Herren einzugehen, da, was sie vorbrachten, doch nur Wiederholungen des seit einem Jahrzehcnd von dieser Seite Gehörten sind. Wir wollen nur hervorheben, daß der Mann mit dem, was diese Leute wollen, deutlich herausrückte. Er meinte: Gesetze müßten erlassen werden, die die Arbeit lvicder aus den Händen des spcculirenden Kapitals hcrauszögen, die dem schnöden Creditwesen ein Ende machten u.rd dern übermäßigen Eindringen der Juden in die Rechtscarriere einen Damm entgegensetzten. Letzteres ist deutlich, man möchte die Juden der staatsbürgerlichen Rechte wieder berauben — gerade wie 1S56, als die Reaktion in Blüthe stand. Was Stöcker mit der ersten Phrase sagen will, ist unklarer, nur daß sic offen den Sozialisnms predigt, lvas gegenwärtig nur noch dem Hofprediger gestattet ist. Zwei Juden nahmen in der Versammlung Stöcker's das Gegcnwort, wurden jedoch von den ehrenfesten Parteigängern nicdergeschrieen. Was hervorzuheben ist, das P.die naive Wuth, die fanatische Empfindlichkeit, mit welcher die Angreifer jedes Wort der Abwehr aufnehmen. Wir haben dies schon hinsichtlich der Antwort erfahren, welche Dr. Ctraßmann dem Abg. Cremer gegeben. Der „B. B.-C." das „B. Tgbl." und die „Rat. Z." ertheilten dem Hofpredigcr Stöcker genügende Erwiderung, und das erstere der genannten Blätter faßte die Sache vom humoristischen Standpunkte auf. Ob dieser offenen Gegenwehr geräth die X „Germania" in volle Wuth. Sie erhebt sich zu dem Satze: „Die jüdische Frechheit muß sich beugen oder gebrochen werden!" Die Frechheit, mit welcher man über die Juden losfährt, ist in den Augen dieser Leute eine christliche Tugend, aber jede Erwiderung von jüdischer Seite „eine jüdische Frechheit!" Wodurch nun die „Germania" diese zu brechen vorschlägt, ist charakteristisch. Sie fordert alle Christen auf, kein Blatt zu lesen, woran Juden Mitarbeiten. Die Schäkerin! Sie hat ja längst alle liberalen Blätter als von Juden redigirt oder inspicirt erklärt, sie wärmt also nur den Ruf auf: keine liberalen Blätter gelesen! Es ist aber dieser Rath nichts anderes. als eine Empfehlung des eigenen Blattes, und sie zetert schon so lange dafür, daß auf das Abonnement der Germania in allen öffentlichen Lokalen, in den Curorten, auf den Eisenbahnstationen u. s. tv. gedrungen werde, als daß man nicht auch in jener Aufforderung die Klage über den Mangel an Abonnenten erkennen sollte. Sie weiß sehr wohl, daß die negative Seite ihres Vorschlages, das Nichtlcsen der liberalen Blätter, auch unter der falschen Behauptung, daß sie von Juden oder Judengenoffen redigirt würden, ohne Erfolg bleibt, schon darum, weil die Leser jener die Germania nicht lesen — aber die positive Seite, nämlich daß ihre Anhänger noch eifriger auf sie abonniren mögen, könnte nach ihrem Wunsche einigen <Succeß haben. Bezeugt doch auch der Mangel an Inseraten genügend, daß das edle Blatt nur wenig im größeren Publicum verbreitet ist. — Wenn ich über das bekannte Schreiben des jetzigen Unterrichtsministers an den katholischen Clerus von Münster mich nicht ausgelassen habe, so geschah dies, weil cs nur das Verhältniß zu den beiden christlichen Kirchen berührt, und ganz unerwähnt, auch nicht mit einem Worte errathen läßt, ob . der Grundsatz von der Einwirkung der Religion auf die Schulerziehung der Jugend auch dem Judenthmne für die jüdische Jugend zu Gute kommen soll. Wir haben deshalb hierüber noch nicht den geringsten Anhalt. — Berlin, 25. September. (Privatmitth.) Wenn die Judenhetzer, die Cremer und Stöcker, ein so lautes Geschrei erheben, daß auch die Zeitungspresse sich vor -dessen Wicderhall nicht ganz verschließen kann: so braucht man darum nicht zu glauben, daß der größere Theil der Berliner Bevölkerung ihre Ansichten und ihren Haß theilt. Dies bekundete sich erst wieder in einer ungemein zahlreichen Urwählerversammlung im 1. Berlmer

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