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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-10-07 · Heft 41 (7.10.1879) · p. Seite 645

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 41 (7.10.1879)
Date
1879-10-07
Page
Seite 645 (sequence 6)
Language
German
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645 Wie wenig den Angaben der rumänischen Minister zu trauen ist, wie wenig sie anstehen, mit statistischen Angaben zu täuschen, dafür hat Boerescu in seinem Circulair wieder Beweise gebracht. In ganz Rumänien sind nach seiner Angabe 763,768 Steuerzahler, darunter nur 27,288 Juden, das heißt, auf 100 Juden kommen 3*57 Steuerzahler, auf 100 Christen 66.43 Besteuerte. Die Unrichtigkeit dieser Proportion liegt auf der Hand. Wenn die ersten Ziffern Boerescu's richtig wären, so würde die Gesammtzahl der Besteuerten bei einer Bevölkerung von circa 5 Millionen — denn seit 1861) müßte ja die christliche Bevölkerung auch um 500,000 mindestens zugenommen haben — 14.5 Procent ausmachen, aber nicht 96.43 Procent. Wenn von 270,000 Juden 27,288 Steuern zahlen, so sind dies von je 100 Juden mehr als 10 Steuerzahler. „In der Moldau", sagt Boerescu, „zahlen 8.92 Procent der Israeliten Steuer. Patentirte Juden sind 19 Procent in Rumänien, in der Moldau 45 Procent, in der Stadt Jassy 76 Procent." Wie können uns aber nicht denken, daß eine Negierung Jemandem ein Patent verleiht, der dann nicht cimnal eine Steuer entrichtet. Wenn also 4:5 Procent der Patentirten in der Moldau Juden sind, wie ist es denkbar, das; nicht mehr als 8.92 Procent der dortigen Juden Steuer zahlen? Die Stadt Bottuschani, um ein concretes Beispiel zu wählen, hat von 3:5,000 Einwohnern, wenn hochgeschätzt, 10,000 Juden, wahrscheinlich bedeutend weniger. In dieser Stadt giebt cs im Ganzen 4869 Steuerzahlende, darunter sind über 2400 Juden, also circa -19 Procent der Steuerzahler. Nach der Einwohnerzahl kommen auf 100 Juden 24, auf 100 Nichtjuden circa 7 Steuerzahler. Daß das Verhältniß überall ein derartiges ist, steht fest. Bukarest, 21. September. Auszug aus der in der letzten Kammersitzung gehaltenen Rede Kogalnicean o's nach dem osficiellrn Sitzungsprotocolle: Die gegenwärtige Regierung tvird Ihnen in freimüthiger und loyaler Weise ihren Entwurf unterbreiten. Zur Beruhigung der Gernüther erkläre ich, daß sie nicht die Emancipation von 300,ooo, auch nicht von 30,000, ja selbst nicht von 3000 Individuen beantragen werde, daß aber der Entwurf, den sie einbringen tvird, dein Artikel 44 und dem Lande, namentlich der Moldau, Genüge leisten werde. Wenn Sie den Entlvurf nicht annehmen sollten, so werden wir das thun, was sich in solchen Füllen zu thun geziemt. Darnit Sie aber nicht glauben, daß dies eine Drohung sei, so erkläre ich, daß ich die Auflösung der Kammern für gefährlich erachte. Es ist mir unbekannt, was das Cabinet beschließen wird; ich weiß blos, daß Diejenigen, welche den Entwurf verwerfen werden, eine große Verantwortung auf sich laden werden. — Der Minister des Innern erklärte sodann zum zweitenmale, ohne die Politik des Cabinets zu engagiren, daß er gegen die Auflösung der Kammern sei. (Herr Kogalniceano sagt also offen, daß auch der Regierungsentwurf nichts als eine Spiegelfechterei sein werde! Die Opposition will also nichts, als — das Ministerium stürzen — die Juden, Rumänien, Europa sind ihr höchst gleichgültig. Beide Parteien sind einig — Europa zu betrügen ) ' Bukarest, 23. September. In der gestrigen Sitzung der Deputirtenkammcr erklärte Majorescu, die Mitglieder der conscrvativen Partei seien bereit, den Entwurf der Mehrheit anzunehmen, und würden denselben als den wahren Ausdruck des Willens des Landes unterstützen. Majorescu ersuchte die Regierung, sich der Meinung der Mehrheit .anzuschließen, dann werde der Entwurf im Jnlande wie im Auslande Erfolg haben. Der Minister des Auswärtigen Boerescu erwiederte, der Mehrheitsentwurf sei eine Herausforderung Europas. Er erinnerte an die Gefahren, welche entstehen würden, wenn Rumänien dem Willen Europas trotzen sollte, und wies auf die Möglichkeit eines zukünftigen Krieges hin, dem ein neuer Congreß folgen würde. Schließlich forderte Boerescu die Mehrheit auf, ihren Entwurf zurückzuziehen, dann werde die Regierung ihren Plan vorlegen, tvelcher wahrscheinlich Seitens der Mächte angenommen würde. Auf eine hierauf an die Regierung gerichtete Interpellation darüber, was die Illegierung thun tverde, wenn ihr Entwurf verworfen werden sollte, antwortete Boerescu dem Interpellanten: „Dann tverden Sie selbst zur Negierung gelangen." Die Bcrathung tvurde sodann vertagt. Bukarest, 23. September, Abends. Nachdem in der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer der Ministerpräsident Bratiano für die Emancipation der Juden gesprochen, wurde der Vorschlag jener Gruppe von Deputirten, welche für die Nichtrevision der Verfassung sprachen, mit 102 gegen 28 Stimmen verworfen und alsdann auch die Vorlage der Ausschußmehrheit mit 75 gegen 53 Stimmen abgelehnt. Morgen tvird die Negierung nunmehr ihren Entwurf verlegen. Bukarest, 24. September. Die Regierung wird, wie bereits anderweitig gemeldet, heute in der'Kammer ihren eignen Verfaffungsenttvurf einbringen, welcher höchst wahrscheinlich die erforderliche Zweidrittelmehrheit erlangen wird.! B u k a r e st, 24. September. S i tz u n g d e r D e p u t i r t e n-! kämm er. Der Minister des Auswärtigen, Boerescu, brachte die von sämmtlichen Ministern Unterzeichnete Regierungsvorlage . über die Revision des Artikels 7 der Verfassung ein. Die ' von dem Minister verlesenen Motive und Auseinandersetzungen so wie der Gesetzcntlvurf selbst wurden von den Deputirten j beifällig ausgenommen. In der Vorlage hat das im Arjtifcl 44 des Berliner Vertrages ausgesprochene Prineip Aufj nähme gefunden. Die Vorlage enthält dann die Durchführungsbestimmungen. Das Recht der Raturalisirung tvird i allen Ausländern ohne Unterschied der Religion ebenso wie

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