Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1879)
- Date
- 1879-10-07
- Page
- Seite 643 (sequence 4)
- Language
- German
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643 Wir erhalten soeben folgende Mittheilungen: In Angelegenheit der im Gebäude der Landesrabbinenschule zu errichtenden ersten (d. L untersten) Gynmasialclaffe hat das Präsidium der isr. Landes-Kanzlei in Folge des Erlasses Sr. Ercellenz des Hcrm Cultusministers vom 13. d. Z. 11.222, welchen wir seinerzeit veröffentlichten, an: denselben eine Unterbreitung gerichtet, die folgendermaßen lautet: „Z. 5746. Vom Präsidium der isr. Landes-Kanzlei. j Ew. Ercellenz! In dem Erlaffe vom 13. September d. I. j Z. 11222 geruhen Ew. Ercellenz mit Rücksicht aus die lieber-! füllung der hiesigen Gymnasien mir den Auftrag zu ertheilen, daß an der Landesrabbinenschulc im organischen Zusammen-; Hang mit der Unterabtheilung derselben ein Cursus der ersten• Gynmasialclasse eröffnet werde. Im Einvernehmen mit dem Lehrkörper der Landes-! rabbinenschule erlaube ich mir nun, Ew. Ercellenz die derzeitige! Unausführbarkeit dieses Auftrages durch die folgenden Be-! merkungen darzulegen. Es muß vor Allem darauf hingewiesen tverden, daß die Eröffnung einer ersten Gynmasialclaffe im organischen Zusammenhänge mit der Landesrabbinenschulc den auf die Abstellung der augenblicklichen Mißstande abzielenden Intentionen! Etv. Excellenz schon darum nicht entsprechen könnte, weil der größte Theil der augenblicklich der Gelegenheit des Gymnasialbesuches Beraubten, aus Mangel an der erforderlichen Vor-! bildung, auch in diese Claffe der Landesrabbinenschule nicht! ausgenommen tverden dürfte, ganz abgesehen davon, daß es ja der Mehrzahl der Ellern nicht genehm wäre, ihre für's G Y m-' nasium bestimmten Kinder in eine Fachschule eintrcten! zu sehen. ' ' Die Eröffnung einer ersten Gymnasiatclaffe in diesen:' Sinne ist für das laufende Fahr aber auch schon darum unthunlich, tvcil der Plan eines Untergymnasiums für die Landesrabbinenschule als eine die junge Anstatt so mächtig berührende Veränderung ihrer bisherigen Einrichtung, die sorgfältigsten' Vcrathungen im Schooßc des Lehrkörpers und der Eonnnission erfordert, deren Ergebniß von den nach Ausnahme in ein Gymnasium verlangenden Schülern nicht abgewartet tverden kann.* Wenn so die Eröffnung dieser Elasse in: Zusammenhänge mit der Landesrabbinenschulc für dieses Schuljahr ausgeschlossen scheint, so erlaube ich mir andererseits auch für den Fall der Unterbringung einer ersten Gynmasialclaffe außer allem Zusammenhang mit der genannten Anstalt, jedoch in deren Localitäten, darauf hinzuweisen, daß es doch unmöglich in den weisen Intentionen Ew. Ercellenz gelegen sein kann, einer Anstalt von so festumriffener Arbeitssphärc und ohnehin bereits so bedeutender und schwieriger Aufgabe tvie unserer Landesrabbinenschule, auch noch die Verantwortlichkeit für eine Claffe aufzuladen, die ohne jede innere Beziehung zu ihr steht. und nur durch äußerliche zwingende Umstände in ihre Räume verlegt werden nrußte. Um dem Aufträge Etv. Ercellenz nachzukommen, werde ich cs als meine Psticht erachten, die Frage der Erweiterung an der Landesrabbinenschule zum Gegenstände sorgfältiger Berathung im Schooße der Fachconunission für die Landesrabbinenschule und des Lehrkörpers zu machen, und deren Ergcbniß seinerzeit Etv. Excellenz zu unterbreiten. Was die Intentionen Ew. Ercellenz anbelangt, daß nämlich den nicht inseribirtcn Schülern zur Absolvinnrg der ersten Lateinclasse Gelegenheit geboten tverde, und daß diese erste Claffe — zufolge vollständigen Mangels an einer Localität in den Staatsgymnasien — in einem derzeit leeren Saale der Landesrabbinenschule untergcbracht tverde — so stelle ich bei Durchführung dieses Vorhabens Ew. Ercellenz meine Dienste mit dem Bemerken zur Verfügung, daß der Lehrsaal nur noch in diesem Jahre für die Ztvccke der Landesrabbinenschule entbehrlich ist und daß dcnlgeinäf; die Errichtung dieser Gymnasialclaffe nur als eine provisorische für das Schuljahr 1S7(J;*0 zu betrachten ist. Inden: ich Ew. Ercellenz die Bitte wiederhole, die neue Claffe als außer allen: Zusamn:enhang mit dem Seminar stehend und als Aushülse ansehen und erklären zu dürfen, bin ich im Vertrauen aus Etv. Ercellenz allezeit die Annäherung und den Frieden der Confessivnen im Auge haltenden Gesinnungen Etv. Ercellenz ganz ergebener Martin Schweiger in. p., Präsident der Landeskanzlei. Budapest, 15. September 1879." Diese und eine fernere Unterbreitung des Präsidiums der israelitischen Landeskanzlei, in welcher die, in Folge erhaltenen 'Auftrages, bezüglich der Errichtung einer ersten Gyn:nasialclaffe getroffenen provisorischen Verfügungen gemeldet tvurden, hat Sc. Ercellenz der Herr Criltlisminister mit folgenden: nach jeder Richtung hin befriedigenden Erlasse erledigt: „Z. 25955. Der k. ung. Minister für Enltns und Unterricht. An Sc. des Herrn Martin Schweiger, Präsidenten der isr. Landes-Kanzlei, Wohlgcboren. Den Inhalt Ihrer Unterbreitni:gcn von: 15. September d. I. Z. 5716 und 57-17, insbesondere die Meldung, -daß mit der Leitung der Einschreibungen in die im Gebäude der. Landesrabbinenschule unterbrachte erste Gymnasialclasse Prof. I>r. Joses Bünöezi betraut wurde, nehine ich billigend zur Kenntnis; und ertheile Etv. Wohlgcboren den Auftrag, das Resultat der Einschreibungen hierher seinerzeit einzumeldcn. Gleichzeitig mit dieser Meldung erwarte ich die Untcrbreitung Ihrer Anträge bezüglich der Ernennung der Hnlfslehrer und anderer nothwendigen Verfügungen, und erkläre bei dieser Gelegenheit zur Beruhigung Etv. Wohlgeboren, daß ich die in' Rede stehende Gymnasialclasse ans den in Ihrer Unterbreitung