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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-09-30 · Heft 40 (30.9.1879) · p. Seite 634

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 40 (30.9.1879)
Date
1879-09-30
Page
Seite 634 (sequence 10)
Language
German
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634 Wunsch kundgiebl —, im Anfänge des laufenden Schuljahres 1870/80 die erste Classe eines mit der llnierabrheilung der Landes-Rabbinenschule im organischen Zusammenhang zu errichtenden Gymnasiums eröffnen zu laffen. Demzufolge ertheile ich Ew. Wohlgeboren den Auftrag, daß Sie nach erfolgter Einvernehmung des Professorenkörpers der Landes-Rabbinenschule hierher ungesäumt darüber Berichts erstatten mögen: wie viele Schüler in der ersten Claffe dieses zu errichtenden Gymnasiums, für welche drei Hülfslehrer mit je 800 fl. Jahresgehalt angestellt werden sollen, untergebracht werden könnten, und welche Kosten hierbei außer den ertvähnten Lehrergehältern im Lauf dieses Schuljahres noch auflaufen dürften. Budapest, den 13. September 1870. Trvfo'rt iü. p. Es läßt sich denken, daß der bei Weitem größte Theil der hiesigen israelitischen Bevölkerung von diesem Erlaffe nicht sonderlich erbaut ist. Ein hiesiges Blatt macht zu dem ministeriellen Erlaffe folgende Bemerkung: Das ist die schlechteste, den Interessen der Cultur abträglichste Lösung, welche die Frage, die seit zwei Wochen die Gcmüther zahlreicher Familienväter beschäftigt, überhaupt hätte fmden können. In diesem Nescript tvird nicht blos von einem Nothbefehl für dieses — und als solches wäre das Expediens, das Minister Trcfort gewählt hat, ebenfalls unbedingt zu verwerfen — gesprochen, Minister Trefort spricht klar und deutlich von einem „zu errichtenden Gymnasium." Also ein jüdisches Gymnasium in Budapest, eine Anstalt ausschließlich für jüdische Zöglinge! Wir wolle»; bei dieser Gelegenheit nicht die zahlreichen Gründe wieder anführcn, welche gegen 'die Errichtung eines derartigen Instituts sprechen, dieselben liegen ohnehin für jeden Einsichtigen klar zu Tage; nur das Eine wollen wir bemerken, daß Minister Tr>fort sehr schlecht berathen war, als er sich zu diesem Schritte entschloß. Wir sind der Meinung, daß nur Oberflächlichkeit im Urtheile und Engherzigkeit in der Gesinnung dem Minister diese Entscheidung anrathen konnte. Warurn konnte Heuer nicht, sowie vor zwei Jahren, eine Parallelclasse eröffnet werden? Was hinderte den Herrn Minister, zu diesem doch so nahe liegenden Auskunfts- »nittel zu greifen? Wir können kein nur halbwegs plausibles Motiv finden, das gegen die Errichtung der nothwendigen Parallelclaffe spräche. Wir hören, daß man in den betreffenden Kreisen als Motiv ansührt, die Zeit sei bereits zu weit vorgerückt. Dieser Grund ist nicht stichhaltig, ganz abgesehen davon, daß der Andrang der schulbedürftigen Jünglinge doch auch für Heuer sehr leicht vorauszusehen war. Auch der Mangel an paffender Localität wird betont. Dieses Motiv ist so mesquin, daß es sich nicht verlohnt, darauf näher einzugchcn. Es scheint hier kein anderer Grund vorzuliegen, als einerseits Jlliberalismus, andererseits totales Verkennen der zahllosen Unzukömmlichkeiten, welche mit der Errichtung eines jüdischconfcssionellen Gymnasimns verknüpft sind. Wir hätten uns vom Minister Trofort eines correcten, aufgeklärteren Vorgehens versehen. Die von der hiesigen israelitischen Gerneinde entsendete Deputation begab sich nun gestern unter Führung des Herrn Martin Schweiger zu,n Minister Twfort, der das Memorandum der Pester israelitischen Gemeinde entgegennahin und die folgende, beruhigende Erklärung abgab: Bei der vollständigen Ueberfüllung der hiesigen Gymnasien und dem absoluten Mangel an den zur Errichtung von Parallelclaffen erforderlichen Nämnlichkeiten daselbst konnte dem augenblicklichen Bedürfnisse nur in der Weise Rechnung getragen werde»», daß in den Localitäten der Landes- Rabbinenschule die Eröffnung eines Kursus der ersten Gymnasialclaffe angeordnet wurde, in dem allen zur Aufnahrne sich meldenden Schülern Gelegenheit zur Absolvirung der ersten Gymnasialclaffe gegeben werden soll. Ins Budget des Unterrichts- Ministeriums sollen für 1880 nach Beivilligung des Ministerrathes dein das erwähnte Me»norandu»n bereits in der »»ächsten Sitzung vorliegen wird, die Kosten für ein hierorts neu zu errichtendes Staatsgyinnasium eingestellt »verden, in dessen zweite Claffe die Schüler, welche in diesen» Jahre in der angegebenen Weise die erste Gymnasialclasse absolvirt haben, A»»fnah»ne si»»dcn werden. Die Deputatioi», deren Mitglieder, die Herren: Herma»»n Reu Welt, 0,. Reinitz, Moritz Mandl, A. Stern und Paul Tencer, von Herrn Martin Schweiger dem Minister vorgeltellt worden, nahm die Miltheilungen Sr. Excellenz rnit voller Befriedigung zur Kenntniß ur»d gab der Erwartung Ausdruck, daß Se. Excellenz, an dem die Wahrung der confessioncllen Eintracht allezeit den wärmsten Anwalt geftrnden, diese seine Absicht sowohl im Ministerrathe als auch int Reichstage zur Durchführung bringen werde. Die orth. Judengemeinde in F<'legyhüza hat im Mai d. I. den von dem Gemeinde-Mitgliede Karl Weißberger »oarin e»npfohle»»en Lehrer Sainuel Taußki definitiv angestellt. Derselbe Weißberger hat jetzt Taußki ohne jede Motivirung entlassen. Wahrscheinlich ist die Schließung der jüdischen Winkelschulen hier der Motor. Der Verwaltungs-Ausschuß des Pester Konritats hat jedoch — wie „Magy. Hirad6" berichtet — angeordnet, daß der dortige Bürger,neister den Lehrer sofort in sein A»nt wieder einsetzen und, insofern sich dort eine Winkelschule befände, in welcher außer Religionslehre auch noch a»»dere Gegenstände vorgetragen würden, diese sofort schließen »nöge. Belgien. Antwerpen, 15. Septernber. Man schreibt von hier: „Der Ge»nei»»derath von Antwerpen hat von den Predigem der anglikanischen und der protestantischen Gemeinde, desgleichen vom israelitischen Rabbiner (muß heißen: nünistrs-otLoiant,

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