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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-09-30 · Heft 40 (30.9.1879) · p. Seite 629

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 40 (30.9.1879)
Date
1879-09-30
Page
Seite 629 (sequence 5)
Language
German
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629 Entschließungen nicht leicht ändert. Diese Antwort hattet französische Premier anfänglich damit, die Vorschläge BoereScu'S übrigens günstig gelautet, denn sie ertheilte der Regie-!bezüglich der Judcnemancipation mittelst ausgestellter Listen rung des Fürsten Karl den Rath, sich in ihrer-mit ausgezeichneter Höflichkeit abzulehnen, ohne positive Gegen- Politik möglichst eng an die österreichisch-ungarische Vorschläge zu machen. Erst nachdem der rumänische Abgesandte Monarchie anzuschließen und die Frage der Emanin Dieppe mit dem großbritannischen Minister Salisbury zucipation der Juden rasch zu erledigen, indem sie sammengetroffen und von diesem gleichfalls auf die Rathschläge das durch den Artikel 44 des Berliner Friedens aufgestellte . des französischen Cabinets verwiesen worden war, machte Herr Princip der Gleichberechtigung aller Glaubensbekenntmsse an-, Waddington aus inständiges Drängen Herrn Boerescu den nehme und mit der Durchführung beginne, indem sie fünf, allerdings sehr einfachen Vorschlag: die gesetzgebenden Körper Kategorien von Israeliten sofort die Naturalisation ertheile.! Rumäniens mögen nach Aufhebung des Artikels 7 der Ver- Diese in Berlin aufgestellten Kategorien weichen nur wenig ■ faffung jedem während eines gewissen Zeitraums in Rumänien von den Kategorien ab, welche der Kammerpräsident Rosetti! geborenen Israeliten das Recht zuerkennen, für die rumänische aufgestellt und das Wiener Cabinet gutgeheißen hatte. Als Nationalität zu optiren. Mit diesem Bescheid hätte Herr Herr Boerescu gegen den Rath des deutschen Consuls seine' Boerescu vollständig genug haben können, und wenn sich der- Nundreise angetreten, wurde er in Wien von dem Grafen selbe bestimmen ließ, von Wien auch noch einen Abstecher nach Andrassy zwar sehr zuvorkommend empfangen, hinsichtlich seines Rom zu machen, so geschah es wohl nur, um auch mit der Anliegens aber an das Berliner Cabinet vertvicsen. In! Negierung der sechsten Großmacht einige Höflichkeiten auszu- Berlin konnte der rumänische Minister seine Wünsche und tauschen. Somit erscheint das Resultat der Mission Boerescu's als ein rein negatives. Ideen bekanntlich nicht dem Reichskanzler, sondern nur dessen Vertreter, Herrn v. Nadowitz, vortragen. Die Antwort des Letzteren wich wesentlich von dem Bescheid ab, welchen Demeter Sturdza von Bismarck erhalten hatte, denn diesmal verwies das deutsche Cabinet den Abgesandten Rumäniens an den französischen Minister Waddington als denjenigen, welcher die Emancipation der rumänischen Israeliten auf dem Berliner Die Gymnasittlfrage in Oesterreich-Ungarn. I. Unsere Leser tverden, wie wir selbst, durch eine weiter Congreß in die Hand genommen habe. Nichtsdestoweniger > unten besindliche Correspondenz aus Pest überrascht werden, erhielt Boerescu in Berlin noch einen Bescheid, welcher ge-', welche über eine Verfügung des ungarischen Unterrichtsmimsters eignet ist, ein helles Streiflicht nicht allein auf die rumänische j Mittheilung bringt, nach der wegen Ueberfüllung der Gym- Judenfrage, sondern auch auf die europäische Situation zu J nasien in Pest die Errichtung unterer Gymnasialclassen an der werfen, und ist es besonders charakteristisch, daß Nadowitz rabbinischen Lehranstalt zur Aufnahme jüdischer Schüler stattdiesen Bescheid nicht schon bei der ersten Unterredung, sondern, finden soll. Von jüdischer Seite ist hiergegen protestirt worden, erst am zweiten Tage — also nachdem er Jnstnlctionen ein- Wenn Gymnasien überfüllt sind, so tverden Parallelelasien geholt — ertheilen konnte. Derselbe lautete: „Ich bin eingerichtet oder neue Schulen der betreffenden Stufe begründet, autorisirt, zu erklären, daß Rumänien sich an^Daß man aber die jüdischen Schüler abtveist und für sie be- Deutschland einen starken, mächtigen und auf-!sondere Gymnasialclassen Herstellen will, ist neu. Die Sache richtigen Freund und Beschützer, aber auch einen erhält noch mehr Wichtigkeit durch einen Vorgang in Wien erbitterten, unversöhnlichen Feind erwerben kann, i und die Bedeutung, die man demselben beizulegen versucht, je nachdem es den Bestimmungen des Berliner Eine Correspondenz der „Germania" aus Wi en vom l.'!. Sep- Vertrages nachkommt oder nicht."!tember giebt uns darüber Aufschluß. Wir heben daraus Die Reise nach der Hauptstadt Rußlands an der Newa Folgendes hervor: scheint Herr Boerescu in der That nur aus Höflichkeit unter-1 „Das von den 1\?. Venedictinern geleitete und auf ihre nommen zu haben, um die Petersburger Regierung durch eine eigenen Kosten unterhaltene Schottengymnasium hat sich Uebergehung, welche jedenfalls aufgefallen tväre, nicht zu ver-' neulich genölhigt gesehen, in dem neu beginnenden Schuljahre letzen; denn darüber kann kein Zweifel bestehen, daß das die Aufnahme von jüdischen Schülern zu vertveigern, um nicht russische Cabinet sehr zufrieden sein würde, wenn Rumänien, Gefahr zu laufen, auf Kosten des katholischen Stiftes einen die Bestimmungen vom Artikel 44 des Berliner Vertrages jüdischen Religionslehrer anstellen zu müssen, wozu es nach unerfüllt lasten würde. Daß der rumänische Minister des unseren Schulgesetzen verpflichtet wäre, wenn die Anzahl der Auswärtigen in Paris von Herrn Waddington mit ausgesuchter jüdischen Schüler eine getvisse Höhe erreicht hätte, die sie bis Artigkeit und französischer Höflichkeit empfangen wurde, versteht jetzt noch nicht erreicht hat und die man sie begreiflicher Weise sich von selbst; aber nichtsdestoweniger begnügte sich der auch nicht erringen lasten will." \

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