Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1879)
- Date
- 1879-09-23
- Page
- Seite 619 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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61!- gestatteten mir nicht, sie zu dessen Versteck zu begleiten, aus Furcht, er könne den Einwohnern bekannt werden. Sie erwähnten, daß in der Synagoge, den Traditionen ihrer Vorfahren gemäß, eine goldene Glocke gewesen, auf welcher in hebräischen Buchstaben die Zeit verzeichnet war, wann die Synagoge erbaut worden, der Ort, woher sie gekommen, warum sie hierhergekommen waren und noch einige andere ihnen unbekannte Angaben. Die Mahomedaner des Ortes hatten diese Glocke gestohlen, und ebenfalls Bücher, tvelche ursprünglich in der Synagoge waren. - Es wird behauptet, daß die Mahomedaner noch setzt jene Bücher in ihrer Moschee verborgen halten. Als ich dies hörte, stattete ich den musselmänischen Wollahs in ihrer Moschee einen Besuch ab und forschte nach den soeben ertvähnten Dingen, aber nur nach langer Ueberredung zeigten sie mir ein Manuscript, das ungefähr 8 Zoll in der Länge und Breite hatte. Das Papier war sehr dick und die Schrift war in alten hebräischen Buchstaben. Es enthält den ztoeitc» Theil des Buches Exodus (i. o. VI. bis zum Ende von IX.) mit den Absätzen und den Accenten. Ich fragte sie, ob sie noch einige andere Bücher der Israeliten besäßen, aber ihre Antwort war ausweichend. Sie forderten mich auf, wiederzukommcn, und ich wußte, daß meine Besuche ihnen angenehm waren, weil ich ihnen Auskunft über ihre heiligen Oerter in Äccca und Medina geben konnte. Leider fand ich keine andere Gelegenheit, mich mit ihnen zu unterhalten. Der Oberste der Stadt befahl mir, sofort die Stadt zu verlassen. Bevor ich fortging fragte ich die Abkömmlinge der Israeliten, ob sie den Wunsch hätten, die jüdische Religion zu studiren, und sie erklärten feierlich, daß dies ihr lebhafter Wunsch sei. Ich versprach ihnen, dies meinen jüdischen Brüdern in Europa mitzutheilen. Ich fügte hinzu, das; sie die Negierung um die Erlaubnis; angehen sollten, einen fremden Lehrer auszunehmen, der sie zu ihrer alten Religion wieder zurückführen sollte, oder daß sie mir ein Schriftstück mitgeben sollten, das ich mit nach Europa nehmen würde, damit meine Brüder ihnen im Beschaffen nützlichen Unterrichtes behülflich tverden möchten. Ein alter Mann eriviederte, daß die Negierung auf jeden Fall außerordentliche Schlvierigkeiten entgegcnstcllcn werde, falls europäische Juden als Lehrer zu ihnen kämen. Er sagte: „Fast alle von uns sind arm und müssen die gemeinste Arbeit verrichten. Daher würde es nicht möglich sein, uns Allen den nöthigen Unterricht zukommcn zu lassen. Und dann ist auch zu befürchten, das; die Anwesenheit von Europäern keine andere Wirkung haben würde, als Verdacht zu erregen." Einige der Mäniter schlugen vor, daß sie selbst nach Europa gehet! toollten; andere, das; sie ihre Kinder in Europa erziehen lassen toollten, damit sie in ihrer Heimath nützliche Bildung verbreiten könnten. Jedoch ein Mann aus der Versammlung warnte mich, mich dieser Aeußernng ihrer plötzlichen Bereitwilligkeit, ihre Heimath zu verlassen, zu vertrauen. Er sagte, das; dieser plötzliche Wunsch bald wieder erlöschen würde und daß er an seinen' jüdischen Landsleuten verzlveifcle. Dann boten sie mir an, mir eine Empfehlung an ihre Brüder in Peking zu geben, welche, wie sie sagten, größere Freiheit als sie selbst genössen. Ich tvar Zehn Tage in der Stadt Kac-lung-ibo gewesen. Am elften Tage wurde mein Gasthof umzingelt und ich tvurde aus der Stadt getrieben, ohrre noch mit meinen neuen Bekannten sprechen zu können. Ich hatte schon so viele Tage dort zugebracht, während gewöhnlich ein Fremder nicht länger als drei Tage dort bleiben darf. Zu meinem großen Bedauern gestatteten mir die Verhältnisse nicht, Peking zu besuchen. Äus Aegypten. Von denr auch von uns schon mehrere Male besprochenen Prachtwerk „Aegypten in Bild und Wort", dessen Text von Georg Ebers, dessen Bildioerke von den bedeutendsten Künstlern herrühren, liegen uns die i><» Lieferungen vor. Diese bilden einen der interessantesten Theite des ganzen Werkes, da sie die Neise nach Theben und den größeren Theil der Schilderungen der von der hundertthorigen Stadt übrig gebliebenen Neste befassen. Einige Notizen sind auch hier an rechter Stelle. Zu den besterhaltenen Grüften von Beni- Hasan gehört die des Ehnum hotcp und die in ihr befindlichen Bilder und Inschriften machen uns mit den "Namen und Lebensverhältnissen eines großen, vor vier Jahrtausenden verstorbenen Geschlechtes bekannt. In dieser Gruft befindet sich auch die erste Darstellung, wie (Bd. II. S.!!><>) „eine Familie vom Stamm der Amu (Semiten >, die von ihrem Fürsten Abuscha geführt wird, Einlaß in den Noino» «Gau» Mah iHermopolites der Griechen) begehrt. Der Vorsteher desselben, Ehum-hoteb, den seine Lieblingsbunde begleiten, empfängt die Fremden mit Vorsicht, denn sein Schreiber "N'afer-Hoteb überreicht ihm ein Aetenstück, aus dein die Zahl der Einwohner — cs sind o7 — verzeichnet steht. Die Semiten bringen Augensalbe (Stibium) als Gabe, einen Steinbock und eine Gazelle. Die Männer sind verschieden betvassnet und zwar mit dem Wursholz, mit Bogen, Lanze und Tausche. Weiber zu Fuß und Kinder auf einem Esel, der auch mit einem zweiten Gauthier das Webcgerälh trägt, begleiten den Stamm und ein Sänger schlägt bei der feierlichen Einführung die Saiten. Die schärferen Züge der Semiten sind charakteristisch von denen der Aegypter unterschieden." Jene haben jämintlich dunkle Backen- und Kinnbärte, die den Aegyvtern fehlen, und sind mit enganschließenden langen Gewändern aus Webest offen bekleidet, toährend die Aegypter nur kurze Untenöcke