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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-09-23 · Heft 39 (23.9.1879) · p. Seite 620

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 39 (23.9.1879)
Date
1879-09-23
Page
Seite 620 (sequence 12)
Language
German
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620 tragen. Die Kleidung der Weiber unterscheidet sich durch! stände Dank diesem Geiste getreulich bewahrt hat. Vergebens lichtere Farben. Dian wird unwillkürlich an den Einzug * Abraham's und später der Söhne Jakob's, als sie, um Brod! zu holen, nach Aegypten kamen (vgl. l Mos. 4 .‘5, 11), er-1 innert. Ebers fügt noch hinzu: „Auf anderen Bildern in diesen Grüften finden sich unter Fechtern rothhaarige eigenj artig gekleidete Männer, die gleichfalls dem semitischen Stamme: anzugehören scheinen. Merkwürdiger Weise giebt es unter den Israeliten im heutigen Aegypten besonders viele mit hochblvndein Haar, das unter den Arabern und Fellachen zu den größten Seltenheiten gehört." — — Die Kopten nennen ihre Kirche Kenisc und das Allerheiligste in ihr H<-kel — wie bei den Juden. — — Auch in diesem Werte bekräftigt Ebers aus den altägvptischen Monumenten, das; das Pferd auch seinem dkamen nach — Sns in Aegypten, erst durch die semitischen Hyksos eingeführt und bald daselbst heimisch gemacht! worden, weshalb man cs niemals in den älteren, dagegen öfter in den späteren Monumenten abgezeichnet findet. Dasselbe gilt auch von den Wagen, die aus Mesopotamien ein-! geführt wurden. Wir fügen hinzu: Deshalb finden wir 1 Mos.!2, U> unter den vom Pharao dem Abraham ge-, schenkten Thieren das Pferd nicht aufgeführt, während die mit Nossen bespannten Wagen in der Geschichte Joseph's' wiederholt Vorkommen, da Joseph der Diener eines Hytsoskönigs tvar. Das; eine solche Specialität für das hohe Alterthum der Urkunden zeugt, brauchen ioir kaum hervorzuhcben. Denn wie sollte ein Späterer in Palästina zu solcher genauen archäologischen Kenntnis; gekounneu sein! — - Unsre vor Kurzem gemachten Bemerkungen über die Entartung des Unsterblichkeitsglaubens bei den Aegyptern werden auch von Ebers bestätigt. Denn die Ausstattung der Grüfte, die Feste für die Todten, die Proeessionen zu den Gräbern, die Opfer und Geschenke für die Todten, die Eiubalsamirung und Munisieirung verdrängten alles Andere im. Leben der Aegvptcr, umnebelten ihren Geist und legten dem Volke die drückendsten Abgaben und Fesseln auf. Nicht minder entartete der Gottesbegrisf bei den Bewohnern des Nilthalcs und so wunderbar großartig die Architektur ihrer Tempel war - wie denn in den vorliegenden Heften nichts interessanter ist als die Beschreibung des Tempels zu Teuderah (siehe eine Abbildung in unsrem Bibelwerke B. 11. 'S. l 104) -- so braucht man nur einen Blick auf die zahllosen Götterbilder mit Katzen-, Löwen-, Sperbergesichtern u. s w. zu werfen um die'Feind scligkeit des mosaischen Gesetzes gegen alle Arten von Götterbildern, die nicht allein zu verfertigen verboten waren, sondern die aller Orten, wo sie gefunden wurden, zerstört und zertrümmert werden solltet;, zu begreifen, hervorgegangen ans der erhabensten Erkenntniß der Wahrheit und aus der treuesten Fürsorge für die Reinheit des Monotheismus, eine Reinheit, die denn auch das Judenthum in seinem ganzen langen Bewerben sich daber auch die Aegyptologen bemühen, bei den Aegyptern den Monotheismus als Grundanschauung nachzutveisen. Die künstlichsten Deutungen, die geistreichsten und scharfsinnigsten Erklärungen schwinden vor dem ersten 'Blick auf das Thatsächliche, das uns in allen ägyptischen Ueberresten, oft abstoßend, entgegentritt. Vermischtes. Ein Kampf mit Zöllnern. Man schreibt aus Rußland.. Wie überall ein allzu großer Truck einen Gegendruck hervorruft, und die Kräfte wachsen mit der Gefahr, so hat auch bei den Juden in Rußland, welche fortwährend der Beantten-Wiltkür ausgesetzt sind, eine gewisse Schlauheit sich entwickelt, die ihnen nicht selten zum Siege in dem sonst ungleichen Kampfe verhilst! Zur Illustration der Art und Weise, wie dieser Kampf geführt wird, möge folgendes von der „N. Stett. Ztg." erzähltes Gefchichtchen dienen: Bekanntlich werden in Rußland gewisse Waarcn, besonders aber solche, welche zur Bekleidung dienen, dem Werthe nach verzollt. Der Kausinann, welcher die Waaren inrportirt, muß nämlich den Werth derselben angeben, und die Douane berechnet den den Zoll nach einem bestimmten Procentsatze. Der Direetor eines jeden Zollamtes ist jedoch berechtigt, falls ihm der angegebene Werth zu gering erscheint, die betreffende Maare zu consisziren, wo dann dem Kaufmann der declarirte Betrag bezabtt wird. Und dies ereignet sich sehr oft und selbst dann, rvenn der Eiiikausswerih in voller Höhe angegeben wird. Gehen doch dabei immer die meist sehr hoben Frachtauslagen, sowie die Reisespesen, ferner die Mühe beim Einkäufen verloren. Und noch größeren Schaden bewirkt in Rußland, wo die wichtigsten Geschäfte noch immer während der Märkte gemacht werden, der Verlust au Zeit. Die Zollämter in W. und R., welche Kilometer von einander entfernt sind, waren nun in den letzten Monaten, während ioclcher Zeit gerade die größten Märkte — zu Pultawa, Charkow, Nowgorod - - abgehalten werden, besonders unbarmherzig und trieben die Kausleute durch fornoährende Saisirung der Waarcn, für welche dann die Beainten bei den Märkten allerdings leichten Absatz fanden, geradezu zur Verzweiflung. Endlich vereinigten sich die Kausleute und Spediteure der beiden Grenzorte zu einein Aet der Rache! Sowohl nach W. als auch nach de. wurden je eine Kiste Handschuhe, von denen jede den reellen Werth von 560 Rubel besaß, gesendet und für nur Rubel dcelarirt. Natürlich erfolgte sofort die Saisirung. Der Kaufmann erhielt alsbald die oh0 Rubel und noch fünf Procent mehr! DeuBeämten aber gelang es, die mit Beschlag belegte Waare in wenigen

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