Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1879)
- Date
- 1879-09-23
- Page
- Seite 617 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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017 Bonn, 14. September. (Literarische Notizen.» Es ist selbstverständlich, daß jedes Fest, das ein allgemeineres Interesse beansprucht, auch seine Druckschriften nach sich zieht. So liegen uns betreffs der Gedächtnißseier Moses Mendelssohns heute schon zwei Schriftchen vor. Das eine von I)r. M. Freystadt: Zum b'-j übrigen Geburtstage Moses Mendelssohns. Königsberg, Kiewcing, I87L. Es bat uns sehr gefreut, von unsrem alten Bekannten, der 1834 eine tüchtige Streitschrift: „Das Recht der Juden gegen das Unrecht des Professor Vuchholz" und 184'/ eine vollständige Ausgabe des ^pin von Mose E hass im Luzzatto mit lateinischer, deutscher und hebräischer Einleitung herausgegeben hat, wieder einmal Etwas zu sehen. Die 6 Seiten, tvarm und flüssig geschrieben, erinnern an die Jugend, den socratischen Charakter und die Leistungen Mendelssohn's für Juden und Judenthum und zuletzt an die Beziehungen desselben zu Königsberg, namentlich zu Kant und dem Measseff, sowie daß Mendelssohn die dortige Gemeinde gegen einen Professor Kvpke, der dieselbe wegen des „Alenu" bei dem Ministerium angeklagt hatte, in einer geharnischten Entgegnung verthcidigte. — Alsdann: Die Feier des einhundertundfünfzigsten Geburtstages Moses Mendelssohn's in seiner Geburtsstadt Teffau am 31. August l«s7l). Dessau, Neubürger, 187D Das Heftchen enthält den Bericht über die stattgehabten Feierlichkeiten, da? Festgebet und die Predigt des Rabbiners De. Salfcld und die von W. Wolfssohn gedichteten Festgesänge und Lieder. Die letzteren sind sehr ansprechend und die Predigt gediegen. Sie läßt sich aus über „ l) sein Leben lehrte und -) seine Lehre belebte". So wird das Heft auch den folgenden Geschlechtern ein Denkmal würdiger Anerkennung und frommen Gedächtnisses sein. I e u i l l e t o n. Das Irene israelitische Genieindchans, insbesondere -dessen Mkigis«sfttzule. Auf Deine Pforten golden eingeschrieben, Seh'n wir ein Wort, das -tief in 4 Herz sich senkt: — Dom Letzten der Propheten uns geblieben — „Der Lehre Mosch's, meines Dieners, denkt." Und dieses Wort, Israel hat's gehalten. In Sturm und Nacht, gemartert und gehetzt, Seh'n tvir's die alte Fahne stets entfalten. Die Lehre Moseh's blieb ihm unverletzt. Run, da vorüber sind die trüben Tage, Und Duldung herrscht und Liebe giebt sich kund. Hört man von Freund und Gegner oft die Frage: „Bleibt Ihr, nun frei, auch treu dem alten Bund?" So schaut denn, wie Erwählte mrsrer Brüder, Wo Fürsten tagen und im Dölkerratb, Für Glaubensfreiheit, für die höchstem Güter Und für das Recht emsteh'n mit Wort und That. Wie neue Tempel Israel erbaut Allorts dem Einzigen zur Ehre. Wie für die Jugend dicht dabei man schaut Die neuen Schulen für die alte Lehre- Dies Moscswort, das Me, ewig *w»r: Dom „Weltengott, barncherzr'g, rvckshertsvvü" „In seinem Bild der Mensch", der stets mit Treue Und „wie sich selbst den Nächsten lieben soll". Und seht Ihr nicht, die Lehre hat gezündet. Und wird als Wahrheit LbcrM «z&swfc. „Zehn Worte", die am Sinai verkündet. Eroberten sich jedes Volk und Land. „So öffnet denn des neuen Hauses Pforten, Das Volk des treuen Glaubens zieh' hier ein" Die Jugend weiht's der Sendung, die ihm worden: Ein Gottverkünder aller Welt zu sein. H o m bürg v. d. H. L o u i s Leh m n n n. Nie Inden in China. In Folgenden: geben wir einige Auszüge aus einem interessanten Berichte über die noch in China tvohnenden Juden, welcher in dem jüngst veröffentlichten Jahresbericht der .X .l'iwisli Assoc-intion enthalten war. Er ist von I. L. Liebermann, einem Kaufmann aus Wien, versaßt, ivelcher der erste europäische Jude war, der in die Regionen, von denen er erzählt, eingedrungen. „Im Juli 1307 kam ich nach der Stadt Ivan-liing’-foo,; im Distrikt lIo-n:m, sechs Stunden vom Fluffe llo-an^-ld ' (was der goldene Fluß bedeutet.) Hier fand ich Juden, welche; Taon-Kin-Kctlun benannt toerden ttvas bedeutet, „die' aus dem Fleisch die Adern nehmen."» Diese Stadt ist sehr bevölkert und ihre Einwohner bekennen sich zum Islam. Anhänger des Christenthums findet man ebenfalls dort. Alle sind gleich gekleidet, sprechen gleich und leben nach den in China vorwiegenden Sitten. Ilm ersten Tage lud ich einige Männer israelitischer Abstammung ein, welche als Taon-Kin-Kedon bekannt sind. Ich fragte sie, welche Namen sie und ihre Familien trügen, und mir klangen die Namen ganz jüdisch, nur sehr schlecht aus- 39