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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-09-23 · Heft 39 (23.9.1879) · p. Seite 616

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 39 (23.9.1879)
Date
1879-09-23
Page
Seite 616 (sequence 8)
Language
German
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recht glücklichen. Hoffen wir daher das Beste für unsre Gemeinde. Louis Lehmann. Oesterreich-Ungarn. Krakau, im September. (Privatmitth.) Sie haben in der jüngsten Zeit mehrfache Berichte aus Galizien zu bringen gehabt, die just nicht das günstigste Licht auf unsre Zustände tvarfen, und das Schlimmste dabei ist, daß sie. der Wirklichkeit entsprechen und sehr leicht in noch schwärzere Farben getaucht sein konnten. Wie überall, wo sich gegenüberstehende Parteien auftreten, sich alsbald in den Kampf um die Ideen und Richtungen die leidigen Personenfragcn mischen und der Streit hierdurch von seiner ideellen Höhe in den Staub gezogen wird: so auch hier zu Lande. Derjenige, welcher zu den heftigsten Auslassungen und Angriffen gegen Alles, was nur auch die gemäßigtste Bewegung des Geistes zeigt und über alle, die solche Bewegung unterstützen, die finstersten Bannsprüche losließ und eine Reihe von Rabbinen nvthigte, sich ihin zuzugesellen, ist der Rabbiner Schreiber in Krakau. Gegen ihn richten sich daher auch die Pfeile, welche zur Abtvehr dieser schmählichen Angriffe von den Betroffenen abgcschossen werden. So tvurde vor einiger Zeit von hier aus im Namen des Vereins KpKip:: min 'p^Tns ein hebräisches Flugblatt verbreitet, in welchem gegen die Anathemas des Schreiber protestirt und dessen Persönlichkeit blosgestellt tvurde, er sei nur mit großem Widerspruch zum Rabbiner gewählt worden, da ihm alle wirkliche talmudischc Gelehrsamkeit fehlte und ihn mit das Andenken seines Vaters unterstützte. Deshalb sei er von Haß gegen Alle erfüllt, die wider ihn gewesen, und die frömmsten und verdienstvollsten Männer, Dajanim, hätten darunter auf's Schtverste zu leiden gehabt. Dabei beherrsche ihn die schnödeste Geldgier. Es wird darauf hingewiesen, daß in keinem Lande die religiöse Unwissenheit größer sei als in Galizien und das Land voll von Amrazzim sei, und dennoch widersetzten sich Schreiber und seine Anhänger jeder Bestrebung, im Volke eine bessere Kenntnis; der heiligen Lehre zu verbreiten, und brandmarken diese als „Zerstörung der Religion." In beweglichster Weise tverden die Rabbinen, die sich größtentheils wieder ihren Willen und ihre beffere Ueberzcugung dem p. Schreiber zugesellt haben sollen, aufgeferdert, stch von diesem zu trennen und sich ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Ob diese Gegenbcmühungen eine tiefer gehende Wirkung haben, ist sehr ztveifelhaft. Aber ste geben doch ein Zeugniß, daß man nicht feige zurücktveicht, und tverden endlich den Muth einflößen, sich diesen finsteren Mächten gegenüber aufzuraffen und zusammen zu schaaren. Großbritannien. London. 8. September. (Privatmitth.) Die Familien Montestore und Goldsmid haben durch ihre Bestrebungen und T baten die Theilnahme in den jüdischen Kreisen so tief und allgemein geweckt, daß jeder sie treffende Schicksalsschlag das aufrichtigste Mitgefühl hervorruft. In diesen Tagen haben diese Familien abermals einen herben Verlust erlitten. Der jüngere der beiden Söhne des Herrn Montestore, des Steffen des Sir Moses und vermählt mit einer Tochter des Sir Jsaae Goldsmid, erweckte, nachdem er Jura studirt, die lebhaftesten Hoffnungen. Die Leser dieses Blattes erinnern sich wohl des Berichtes über die treffliche Arbeit des jungen L. Montestore in der Monatsschrift „The Xinetccntli Century" über den Entwickelungsgang der Freiheit in Deutschland. Vor einigen Monaten unternahm der junge Mann einen Ausflug nach Amerika und bereitete n. A. für die genannte Zeitschrift einen Aufsatz über die deutschen Colonien in Amerika vor. Da erkrankte er in Ncw-?)ork an einem heftigen rheumatischen Fieber, dem er nach wenigen Tagen zum.Opfer stet. Dieser Trauersall findet das allgemeinste Mitgefühl. Amerika. Rrw-Wlk, Ende August. (Privatmitth.) Sie haben in Ihrem Blatte der Vereinigung der amerikanischen Gemeinden mit gutem Rechte auch Ihrerseits die öffentliche Aufmerksamkeit zugcwandt, und sie als einen vielversprechenden Factor des jüdisch-amerikanischen Lebens bezeichnet. Ist es nun nicht sehr eigcnthnmlich, daß auch diese Union einem gewissen Theile der jüdischen Orthodoxie die Gelegenheit bieten soll, um Spaltung und Zerklüftung hervorzubringenv. Gewisse Leute suchen die hiesigen orthodoxen Gemeinden nicht allein von der Union zurückzuhalten, sondern auch dieselben zu veranlassen, eine eigene Union zu bilden, die im Lande noch anderweitig bestehenden orthodoxen Gemeinden hcrauzuziehen und eine feste Organisation unter ihnen zu Stande zu bringen. Bis jetzt ist es noch bei einer eifrigen Colportage dieses Gedankens verblieben und man zweifelt an km Gelingen, weil die Anzahl solcher Gemeinden zu gering ist, andrerseits läßt sich nicht verkennen, daß durch die immer stärker werdende Einwanderung polnisch-russischer Juden die Zahl der altmodischesten Orthodoxen in Amerika sehr anwächst. Die Nachwelt wird die jüdische Orthodoxie unserer Zeit des unjüdischcn Eharakterzuges zeihen, überall Unfriede, Streit und Zwiespalt angezettelt zu haben. Bonn, U. September. (Notizen.) Man schreibt uns aus Berlin: Die verwittwete Frau Profeffor Schönfließ wird im October d. I. nach Riga zurückkehren. Sie hat dort nach deutschem Muster ein Lehrerinnen-Seminar gegründet, an welchem ste selbst Pädagogik und Unterrichtslehre, Deutsch und Kunstgeschichte unterrichtet, und hat außerdem an einer Zeichnenfchule und einer höheren Töchterschule seit einem Jahre den Unterricht in der Kunstgeschichte übernommen.

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